Unendliche Hügel, urbaner Trip

Aufgefallen: Die Infinite Hills aus Thun, die am 5. Oktober im Mokka Thun ihre Platte taufen.

Hügel hinter Hügel hinter Hügel: In dieser Szenerie sind Jan Dintheer (Gesang/Gitarre, vorn), Steven Wyss (Bass, rechts) und Marco Gurtner (Schlagzeug) aufgewachsen. Und so kann ihr Bandname Infinite Hills «als kleine Hommage an unsere Heimatstadt Thun» verstanden werden, erklärt Dintheer. Das Trio präsentiert mit seinem Debüt «Youth» eine Art Konzeptalbum zum immer wieder auftauchenden, titelgebenden Thema Jugend.

Ist ein Konzeptalbum für sie im Streaming-Zeitalter kein Anachronismus? «Uns ist bewusst, dass das heute nicht mehr gang und gäbe ist», sagt Wyss. «Aber das ist doch gerade ein guter Grund, es zu machen. Wir sind überzeugt, dass man trotz Streaming den Leuten auch ein längeres und komplexeres Format zumuten kann.»

Und ob man das kann – zumal wenn die Musik eine derart hypnotische Wirkung entfaltet: Vertrackte Beats, stimmungs­volle Gitarrenklänge, mal sphärische, mal wummernde Synthesizer prägen «Mexican Standoff» – die Intensität steigert sich, der Rhythmus reisst mit. Majestätisch sind die Klanglandschaften dieser New-Wave-Indie-Pop-Songs. Klar und nie hektisch ist Dintheers Gesang. Mal tauchen Anleihen bei Bands wie Editors oder White Lies auf, mal solche bei Joy Division, einfach ohne die abgrundtiefe Düsternis.

Quelle: Youtube/Infinte Hills

So erzählt das melodieselig-melancholische «Flower Days» von einer Person aus dem Bandumfeld, die sich das Leben genommen hat – es ist aber nicht nur Abschied, sondern auch Blick nach vorn. Immer wieder lassen bildhafte Textzeilen à la «A baby cries like a hot cooked lobster» (im Highlight «Kings of Day and Night») aufhorchen. Zuständig für die Lyrics ist Marco Gurtner, seines Zeichens Poetry-Slam-Schweizer-Meister. Eine scharfe Trennung zwischen den künstlerischen Bereichen Slam-Poetry und Rockmusik gibt es für ihn nicht: «Das fände ich schade, denn die beiden Bereiche sollen sich auch befruchten.»

Wo «Youth» draufsteht, ist nicht nur Jugend drin: Infinite Hillsist ein frisches, munteres, dabei erstaunlich abgeklärtes, vielschichtiges Debüt gelungen.Und unendliche Hügel hin oder her – «Youth» fühlt sich an wie ein ungemein atmosphärischer Trip durch eine nächtlich-ur­bane, von Neonreklamen beleuchtete Szenerie. Eine Szenerie, die fesselt und fasziniert.

Infinite Hills «Youth», Radicalis. Plattentaufe am 5. Oktober,Café-Bar Mokka, Thun.

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