Trummer setzt auf «Bio-Elektro»

Der Berner Oberländer Musiker Christoph Trummer geht auf seinem neuen Album «Trummers Labor 1: Amne sichere Ort» neue Wege. Und landet im Wunderbaren und Ungefähren.

Der Videoclip zu Trummer – «Amne sichere Ort». Quelle: Youtube/Trummeronline

Trummer ist einer, dem es in der Musik nicht ums Sesshaftwerden geht. Der melancholischen Mundartfolkpop ziemlich gut kann, das hat er mit mehreren Alben bewiesen. Der aber auch gern mal ausbricht. Dann entdeckt er zum Beispiel fast vergessene Frutigtaler Schriftstellerinnen neu oder verpackt seine Songs in ein träumerisches Reisetagebuch.

Diesmal hätte er es sich leicht machen und wieder ein Folkpop­album einspielen können. Doch er wollte wieder ausbrechen. Hin zu einem elektronischeren Sound. Das Album «Trummers Labor 1: Amne sichere Ort» ist der Beginn einer neuen musikalischen Reise. Keine Folkgitarren, keine Band, viel Platz für Musik. Diese Dogmen standen am Anfang.

Der Berner Oberländer besorgte sich eine klassische Gitarre, fing an, mit elektronischen Samples zu experimentieren, und landete irgendwann bei Orchestermusik. Mit analogen Mitteln versuchte der 39-Jährige, Beats und Klanglandschaften zu er­zeugen und mit Samples zu mischen. Es war so, wie es halt manchmal passiert in Labors: Man experimentiert, und am Ende kommt etwas heraus, was man nicht erwartet hat. Trummer nennt das Resultat «Bio-Elektro».

Geister und Blech

Wie das klingt? Anders. Und doch nicht völlig fremd. Am Anfang des Albums steht der Song «Amne sichere Ort» mit einer kühl-schwelgerischen Orchestereinleitung. Streicher wabern suchend umher, bis die Gitarre einsetzt und als Fährtenführer übernimmt. Die Stimmung ist ­etwa so, als würde man von der ­Stube aus in eine kalte Winterlandschaft blicken: Es friert einen, ohne dass man friert. Trummer singt davon, wie es ist, wenn man keine Worte findet für die Liebe:

«U mini Liebi zu dir versteckt sich vor de Wort / Vor de Näme u Gründ / Amne sichere Ort»

Am Schluss nimmt das Lied eine unerwartete Wendung und endet scheppernd, in kakofonischer Stagnation. Dann folgt «Pouse» – und die Stimmung hellt sich sachte auf: Der Rhythmus treibt vorwärts, die Instrumentierung ist sparsam und ohne Mätzchen, der Refrain ist ein­gängig. Fast macht sich Leichtigkeit breit. Doch der Scheint trügt. In «Gspänschter» wirds wieder bedrückender. Gitarre und blechernes Raunen schaffen mulmige Ruhe. Sind es die Geister der Nacht oder der Vergangenheit, die den Sänger da einholen? ­Vieles bleibt in der Schwebe in diesen Texten, die mal wunderbar dicht und mal nur zaghafte Andeutung sind.

Experimente und Jenä

Das Kammermusikalische und die überraschenden Einsprengsel stehen Trummers Liedern gut, das allzu Experimentelle nicht immer. In «Alls wird anders» klingen die Streicher be­liebig und die Beats übergestülpt. Auf der Strecke bleibt der Text. Auch in «Lieblingslied» werden Instrumente und Gesang nicht wirklich eins. Und was ist eigentlich mit Jenä, Trummers treuer Begleiterin, die in seinen Liedern immer wieder auftaucht, mal suchend, mal unglücklich verliebt? Ihr widmet er den letzten Song des Albums:

«Hey Jenä, wie isch ds Läbe? / Scho lang nüm vo dr ghört / Di schlächtischt Brieffründ hoffet / Du hesch dis Plätzli gfunde dert»

Ein grossartiges Lied über vergangene Zeiten und Lebensabschnittsfreunde. Mit Streichern, Gitarren und raunenden Beats. Hier passt alles, hier wird alles eins. Und es scheint fast, als sei «Brieffründ» ein leiser Abschied von Jenä, ein letzter Gruss an vergangene Tage.

Erinnern und Weiterziehen

Bio-Elektro? Man kann es so ­nennen. Weil Elektronisches und Akustisches zusammenfinden, ineinander übergehen und in den besten Momenten eins werden. Konventionell ist es jedenfalls nicht, was man auf «Trummers Labor 1: Amne sichere Ort» zu hören bekommt, aber es ist auch nicht so weit davon entfernt, wie es ursprünglich vielleicht mal geplant war.

Es ist ein leises, nachdenkliches Album geworden über das Ankommen, das Weiterziehen und das Erinnern. Mit Experimenten, die mal mehr gelingen und auch mal weniger. Wie in jedem anderen Labor eben auch. Es sind erste Momentaufnahmen von einem, der unterwegs sein will. Wir hören ihm gern beim Reisen zu. Maria Künzli

Trummer: «Trummers Labor 1: Amne sichere Ort», Tourbo Music. CD-Taufe: Sa, 17.2., 21 Uhr, Dampfzentrale, Bern. Weiteres Konzert in der Region: Sa, 9.3., 21 Uhr, Café Bar Mokka, Thun. Alle Termine unter www.trummeronline.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.02.2018, 12:52 Uhr

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