Truckerfestival Interlaken: Spagat zwischen Kunst und Kommerz

Interlaken

Mavericks, Derailers, John Michael Montgomery: Mit diesen Headlinern verspricht das 22. Internationale Trucker- und Country-Festival überdurchschnittliche Kost. Und im Westerndorf gibt es eine neue Attraktion.

Charismatisch: Raul Malo, Gründer und Frontmann der Mavericks, bei seinem Auftritt am Trucker-Festival von 2011.

Charismatisch: Raul Malo, Gründer und Frontmann der Mavericks, bei seinem Auftritt am Trucker-Festival von 2011.

(Bild: Bruno Petroni)

Der oft zitierte Spagat zwischen Kunst und Kommerz ist in der Countrymusic manchmal besonders weit. Denn nur, wer die amerikanische Volksmusik möglichst (ab)geschliffen serviert, wird ins Programm der grossen Radio- und TV-Stationen der USA gehievt. Das nennt man dann rasch einmal Crossover oder Country-Pop und meint damit Eingängigkeit, aber auch Eintönigkeit.

Entsprechend langweilig präsentiert sich schon seit Jahren die US-Country-Hitparade, wo sich nur noch wenige Stilisten finden, zu hören beispielsweise als vierstündige Top 40 jeden Sonntagnachmittag im Internet auf dem texanischen Mainstream-Sender The Wolf. Da mag es manchen Musikliebhaber freuen, dass es als Alternative immerhin noch die sogenannten Americana-Sender gibt. Und die Livekonzerte.

Doch was hat das alles mit dem Trucker- und Country-Festival Interlaken zu tun? Wenig und trotzdem viel.

Schwierige Programmierung

Zuerst zum wenigen. Die aktuelle US-Country-Szene ist am Festival auf dem Flugplatz Interlaken meistens nur marginal vertreten. Das Publikum bevorzugt Bekanntes und Bewährtes, allzu poppig oder gar modern sollte es nicht sein, man will ja mitsingen oder mindestens mitklatschen. Also am liebsten ab auf die «Country Roads».

Und trotzdem gibts Parallelen. Denn wie im Mutterland der Countrymusic gehts alljährlich auch auf Europas grösstem Country-Festival seiner Art immer wieder um den schwierigen Spagat zwischen Kommerz und Kunst. Meistens landet man beim Kommerz (was aber nicht immer nur schlecht ist). Doch dieses Jahr, in einem Monat, ist alles etwas anders: Der Spagat dürfte gelingen – den Mavericks sei Dank.

Hohe Anerkennung

Die Mavericks nur als Countryband zu bezeichnen, würde ihr nicht gerecht. Sie bedienen sich beim Rock’n’Roll und Rockabilly ebenso wie bei Tex-Mex und Latino, manchmal wirds bluesig, manchmal poppig. Verantwortlich für diesen hochgradig süffigen Mix ist Sänger, Gitarrist und Komponist Raul Malo, Floridianer mit kubanischen Wurzeln. Seine Songs, deren oft traurige Texte er gerne auf fröhliche Melodien und Rhythmen legt, sind Ohrwürmer. Und Malos oktavenreicher Stimmumfang legitimiert ihn definitiv zum Nachfolger eines Roy Orbison.

Die Mavericks begeistern Publikum und Musikkritiker gleichermassen schon seit den frühen 90er-Jahren. Ein Grammy (der Oscar der Musikindustrie) und zwei CMA Awards (die höchste Anerkennung für Countrymusic) sind nur drei von vielen Auszeichnungen, mit denen die Mavericks in den vergangenen zwei Jahrzehnten geehrt wurden. Auch die erst kürzlich veröffentlichte CD «Mono» erntete höchstes Lob. Raul Malo wird sie am Interlakner Festival wohl ausführlich vorstellen – hier, wo er vor vier Jahren bereits schon einmal für Begeisterungsstürme sorgte, damals allerdings mit einer anderen Begleitband.

Honky Tonk und Neo-Tradition

Doch an diesem Freitagabend, 26. Juni, geben sich nicht nur die Mavericks die Ehre. Freuen darf sich der Liebhaber von Americana-Musik auch auf die Derailers. Die Formation aus Texas passt hervorragend zu den Mavericks, denn ihr Motto heisst ebenfalls «Let’s Party». Aber auch sonst sind Ähnlichkeiten erkenn- beziehungsweise hörbar. Ihre Einflüsse reichen vom Honky-Tonker Buck Owens bis zu dem bereits erwähnten Roy Orbison und den Beach Boys, ihre musikalische Vorlieben gelten den 50er- und 60er-Jahren.

Und schliesslich gilt es, einen weiteren Spagatkünstler zu erwähnen, der am darauffolgenden Abend im Hauptzelt auftritt: John Michael Montgomery gilt als Neotraditionalist, der vor allem in den 90er-Jahren der Countrymusic neue Impulse gab und dafür mit Auszeichnungen überhäuft wurde. «I Swear» von 1993, der wohl grösste seiner vielen Hits, gehört auch heute noch zum festen Repertoire fast jeder Radiostation, auch in der Schweiz. Zu Recht: Das Stück ist Inbegriff einer nahezu perfekten Country-Ballade.

Berner Oberländer

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