Toni Vescoli: Der Swiss Beatle, «topfit»

Aufgefallen

Toni Vescoli ist inzwischen 77-jährig – und nach wie vor unglaublich aktiv. Am nächsten Donnerstag spielt er in der Berner Mahogany Hall ein Solokonzert.

Toni Vescoli spielte 2018 anlässlich der Abschiedsfeier für Pfarrer Ernst Sieber auf dem Zürcher Platzspitz.

Toni Vescoli spielte 2018 anlässlich der Abschiedsfeier für Pfarrer Ernst Sieber auf dem Zürcher Platzspitz.

(Bild: Doris Fanconi)

Toni Vescolis Rock-’n’-Roll-Herz schlägt nicht nur in der linken Brust, sondern auch in seinem rechten Fuss. Wenn der 77-jährige Singer-Songwriter aus dem Zürcher Oberland solo auftritt, gibt er den Takt mit dem Fuss an und tritt dabei auf eine Matte, die mit einem Triggermikrofon vernetzt ist. So entsteht ein Beat, der wie ein Schlagzeug tönt.

Auf den richtigen Beat legt Vescoli wert, schliesslich ist er seit 55 Jahren der Swiss Beatle schlechthin. Immer, wenn ein Jubiläum rund um Flower-Power, Hippies und ’68 an­gesagt ist, wird er als Zeitzeuge angefragt. Doch auch wenn Toni ein Blumenkind war: Keiner ist so gut organisiert wie er.

Jedes Kabel hat seine Schachtel, die Mundharmonikas sind in einem Ledergurt verstaut, die nicht mehr ganz rostfreien Gitarren Ätti und Grosi, die etliche Jahre mehr auf dem Buckel haben als Vescoli selbst, bedürfen be­sonderer Pflege.

Unglaublich, wie aktiv «Vesci», der seine Rocker-Karriere einst in einer Jeanskluft begann, die er vor dem strengen Vater in einem hohlen Baum versteckte, noch ist. «Die neuen Alten sind eben topfit, trotz Shit», kommentiert der «Adrenalin-Junkie» ein Lied auf dem neuen Album «Gääle Mond», das ihn von seiner bluesigen, nachdenklichen Seite zeigt und für das er viele Songs allein eingespielt hat.

Vescoli ist immer noch mit den 1962 gegründeten Les Sauterelles unterwegs, daneben hat er eine eigene Band und ein Duo. Doch am nächsten kommt er seinem Publikum, wenn er solo auftritt, wie in den Anfängen seiner Karriere, als er auf einen Tisch stieg und Elvis-Songs intonierte.

Oft geht vergessen, dass Vescoli auch in Sachen Mundart ein Pionier war. Anfang der Siebziger zog er aufs Land, beendete seine Popstar-Karriere und begann, folkige Songs im Zürcher Dialekt zu singen, von «Susann» bis «Scho root».

Toni Vescoli spielt während eines Konzerts im Jahr 1974 seinen Song «Susann». Video: Youtube/Lerche48 al. Werner S.

Gut möglich, dass er den einen oder anderen dieser Oldies bei seinem Solokonzert in der Mahogany Hall am nächsten Donnerstag spielen wird. Daneben werden aktuelle Lieder über «Indigo-Chind» und Pfarrer Sieber im Zentrum des Auftritts stehen. Und hoffentlich seine hinreissende Version von Elvis’ «One Night with You».

Konzert: Donnerstag, 7. 11., 20 Uhr, Mahogany Hall, Bern.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt