Tommy Vercetti hat Spass an der Freiheit

Nach drei konzeptionell ausgereiften Alben frönt der Berner Tommy Vercetti auf «Rosario» mal wieder der puren Freude am Rap.

Tommy Vercetti - Der Song «Madonna Inbox» findet sich auf seinem neuen Mixtape «Rosario».

Seit bald 15 Jahren veröffentlicht Simon Küffer alias Tommy Vercetti Musik. Er hat Rap-Battles ebenso gewonnen wie einen Anerkennungspreis der kantonalen Literaturkommission. Er ist der Lieblingsrapper des politisch engagierten Reithallen-Publikums und spielt auf Festivalbühnen vor Tausenden Hully-Gully-Fans. Ja, Vercetti hat solo und als Teil der Glanton Gang und von Eldorado FM (EFM) Klassiker der Schweizer Rapgeschichte geschaffen.

Jetzt erscheint nach Jahren wieder einmal ein Gratismixtape des Mittdreissigers. Über 26 Tracks hinweg bedient Vercetti sich bei Instrumentals von Drake über Curtis Mayfield bis hin zu eigenen EFM-Beats. Er rappt mal ganz entspannt, dann wieder hart und ist sich auch nicht zu schade aufzuzeigen, dass es mit seinem Gesangstalent nicht weit her ist.

«Rosario» sei schlicht Ausdruck der Freude, zu zeigen, was Rap alles sein könne: «Der Testosteron-Maschinengewehrflow ist nicht das einzige Stilmittel. Gut rappen kann auch bedeuten, total entspannt auf einen Beat einzugehen», sagt Tommy Vercetti. Der Rapper profitiert auch inhaltlich von der Freiheit, solo und ohne den Anspruch an ein echtes Album agieren zu können: «Mein eigenes Album, die Scheibe mit Glanton und auch die EFM-Platte waren schon eher konzeptionell und entsprechend fokussiert.»

Auf «Rosario» reicht die Bandbreite von Battle-Rap, der die Mütter und den Rest der nationalen Rapgemeinde weit unter der Gürtellinie beleidigt, bis zu reflektierten Texten über den Status quo der Gesellschaft. Sein von jeher zwiespältiges Image zwischen Politrapper und pubertärem Punchline-King ist Tommy egal: «Ich mache nun mal keine Platten ausschliesslich für SP-Wähler.» Er gebe sich zwar Mühe, konsequent zu sein, doch er sei schlicht nicht von früh bis spät eine politische Person.

Es gibt Kritiker, die Vercetti vorwerfen, kindisch zu sein, weil er viele Kraftausdrücke braucht. «Diese Leute haben sich in keiner Weise mit Rap als Kunstform auseinandergesetzt», sagt der Rapper. Dies sei nicht minder ignorant als seine explizite Wortwahl. Wer sich vor Gegensätzen nicht scheut, ist mit «Rosario» bestens unterhalten.

«Rosario»als Gratis-Download: www.eldoradokiosk.ch. Taufe:Fr, 18. März, Dachstock, Bern.

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