Tabu-Themen in Trance

Die vier jungen Berner von Kohoba üben auf ihrem Debütalbum Gesellschaftskritik. Auch wenn das wegen des psychedelischen Sounds erstmal gar nicht so wirkt.

Das Video zur ersten Singleauskopplung «Hypocrites» wurde in Bern gedreht. <i>Quelle: Youtube.</i>

Martin Bürki@tinubuerki27

«Lass uns tanzen, wir tanzen die ganze Nacht», singen Kohoba im Refrain zu «Hypocrites» auf Englisch zu locker flockigen Electro-Klängen. Sie singen von neuen Schuhen, Armbanduhren oder einem Essen im Restaurant – kurzum dem gehobenen Lebensstandard in der westlichen Welt. Und dann: «Auf der anderen Seite der Welt, arbeitet ein Kind hart, um deine Uhr zusammenzubauen.»

Oder aber im Song «Syria»: «Renn um dein Leben. Spürst du das Messer in deinem Rücken?» Davon, dass ein Junge auf dem Schulweg eine Tellermine findet, die letztlich sein Bein wegsprengt. Alles zu ziemlich langsamer, melancholischer Musik. «Eine Gratwanderung», gibt Sänger Sebastian Wangler zu. «Unsere Art zu versuchen, unsere Hörer abzuholen und sie dazu zu bringen, über Themen nachzudenken, von denen man sich im Alltag in seiner Komfortzone nur zu gerne abkapselt.»

Verarbeiten, hinterfragen

Mit der Musik versuchen die vier Berner Jungs von Kohoba, ihre Träume, aber auch ihre Ängste zu verarbeiten. Dabei ist ihnen durchaus bewusst, dass sie nicht unbedingt «Radiomusik» machen, kein Mainstream, sondern tiefgründige Musik, die zum Mit- und Nachdenken anregt. Trotzdem richte sie sich nicht nur an Intellektuelle: «Jeder kann unsere Musik fühlen und verstehen», glaubt Sebastian Wangler. Wichtig sei primär die Bereitschaft, sich und die Gesellschaft zu hinterfragen.

Zwölf Songs präsentieren Kohoba auf ihrem gleichnamigen Erstlingswerk, das Ende letzten Jahres herausgekommen ist. Ein Album, das sich hören lässt und phasenweise ein wenig an Pink Floyd erinnert. Und genau wie die britischen Pioniere des Psychedelic beziehungsweise Progressive Rock, versuchen auch Kohoba mit einer speziellen Visualisierung ihrer Platte der Musik darauf zusätzlichen Ausdruck zu verschaffen.

In Zusammenarbeit mit dem Künstler Michael Gsteiger, den die Jungs vom Gymnasium her kennen, ist ein einzigartiges CD-Booklet entstanden: Gsteiger hat für jeden Song ein spezifisches Artwork kreiert, um eben den Inhalt des Liedes zu illustrieren. «Wir wollen den Leuten einen Grund geben, unsere CD zu kaufen, wenn sie sich mit unserer Musik auseinandersetzen wollen», erklärt Sebastian Wangler. Die bildliche Umsetzung sei ein Teil des Gesamtwerks.

Wie im Rausch

Passend zum psychedelischen Sound hat die Band ihren Namen gewählt: Wangler habe in einer Brockenstube einst ein altes Handbuch zu Rauschdrogen gefunden. Darin erwähnt: Cohoba, ein Kraut, das in der Karibik für Trance-ähnliche Rituale verwendet worden sei, angeblich von Medizinmännern. «Was ja auch ganz gut passt, schliesslich haben wir zwei Assistenzärzte in der Band», lacht Sebastian Wangler.

Obschon die Band Kohoba erst seit Dezember unter diesem Namen auftritt, im Geschäft sind die Jungs eigentlich schon länger: Zuvor hatten sie als «T.I.M. & Friends» fleissig Konzerte gegeben. Mit den Einnahmen hätten sie nun auch ihr erstes Studioalbum finanziert. Dass sie dereinst von der Musik leben können, da machen sich Kohoba keine Illusionen – die Band ist und bleibe eine Leidenschaft.

Derzeit sind Kohoba auf Release-Tournee, unter anderem spielen sie heute Sonntag in der Wöschmaschine in Langnau. Weitere Konzerte in Bern und Umgebung sind vorgesehen. Nicht gereicht hat es am Waldbühne-Contest fürs diesjährige Gurtenfestival: Von insgesamt 222 angemeldeten Bands schafften Kohoba mit Rang 27 aber dennoch einen Achtungserfolg.

www.kohoba.ch

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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