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Subversive, rüpelhafte Chaoten

Die Jugend von Johann Sebastian Bach sei von Gewalt und Sadismus geprägt gewesen. Das behauptet der Autor einer neuen Biographie.

Was trieb ihn an? Über den Menschen Johann Sebastian Bach ist wenig bekannt.
Was trieb ihn an? Über den Menschen Johann Sebastian Bach ist wenig bekannt.

Johann Sebastian Bach könnte als Jugendlicher ein ziemlicher Rüpel gewesen sein. Das schreibt John Eliot Gardiner, Dirigent, Chorleiter und bekannter Bach-Interpret, in einem Buch über den berühmten deutschen Komponisten, das gerade in Grossbritannien erschienen ist.

Gardiner hat für das Buch «Music in the Castle of Heaven: A Portrait of Johann Sebastian Bach» gemäss der britischen Zeitung «The Guardian» Archivmaterial aus Bachs Schulen ausgewertet.

Die Quellen deuteten auf eine durch Gewalt geprägte Umgebung hin. An Bachs erster Schule im thüringischen Eisenach seien die Jungen subversive, rüpelhafte, biertrinkende Chaoten gewesen, die Messer auf sich trugen, den Mädchen hinterherjagten und Dinge kaputt schlugen. Als 12-jähriger Chorknabe sei Bach zudem einem sadistischen Lehrer ausgeliefert gewesen. Diese Erfahrungen haben bei Bach Narben hinterlassen, meint Gardiner.

In Strassenschlägereien verwickelt

Bach selbst sei mit 15 Jahren in Strassenschlägereien geraten und habe drei Jahre später gegenüber einem inkompetenten Bassisten seinen Degen gezogen, schreibt die Zeitung «The Independent». «Es ist mir ein Rätsel, warum die Standardbiografien das einfach ignoriert haben», sagte Gardiner dem «Guardian».

Gardiner thematisiert auch, dass Bach mit vielen Todesfällen in der Familien umgehen musste: Seine Eltern starben früh, später seine erste Frau und 12 seiner 20 Kinder.

Wie stark Gewalt und Verlust sich auf Bachs Musik auswirkten ist trotz Gardiners Erkenntnissen spekulativ. Zu wenig ist über Bachs Privatleben bekannt. Trotzdem seien die Informationen relevant, meint Gardiner: «Wir sehnen uns danach, zu wissen was das für ein Mensch war, der Musik komponieren konnte, die so komplex ist, dass sie uns verwirrt, so rhythmisch, dass wir sofort tanzen möchten und dann wieder so ergreifend, dass wir bis in unser Innerstes gerührt sind.»

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