Schlagendes Finale des Musikfestivals

Mit dem ersten Saisonkonzert beschloss die Camerata Bern am Sonntagabend das Musikfestival. Eine zukunftsträchtige Ausgabe, die immer wieder ins Schwarze traf.

Man musste schon einige Fantasie aufbringen, um in diesem Konzert einen genuinen Beitrag zum Festivalthema «Urknall» zu sehen.

Man musste schon einige Fantasie aufbringen, um in diesem Konzert einen genuinen Beitrag zum Festivalthema «Urknall» zu sehen.

(Bild: Keystone)

Oliver Meier@mei_oliver

Am Anfang war der Urknall, eine urwüchsige Lärmchoreografie in den Gassen der Altstadt. Und am Ende? Am Sonntag gastierten vier Perkussionistinnen und Perkussionisten bei der Camerata Bern und boten in ihrer präzisen Geschäftigkeit eine Choreografie der eigenen Art. Rodion Schtschedrins «Carmen-Suite» (1932) stand auf dem Programm.

Die Ballettmusik, in Sowjetrussland einst verpönt, im Westen bejubelt, verleiht dem Bizet-Klassiker ganz neue Farben, Rhythmen und Phrasen. Ein gewitztes Werk, das auch von der Unberechenbarkeit lebt. Es macht die bekannten Melodien zu Versatzstücken einer Rekomposition, in der Streicher und Perkussionisten spannungsvoll aufeinandertreffen.

Wie schwierig die Komposition zu spielen ist, war gestern erahnbar: Nicht alle Übergänge und Tutri klangen so punktgenau wie bei den anderen Werken des Abends, die von der Camerata Bern unter Antje Weithaas mit ungeheurer Intensität gespielt wurden: Bohuslav Martin?s «Concerto da camera» und die Schweizer Erstaufführung eines Streicherstücks von Alfred Zimmerlin.

Allerdings: Man musste schon einige Fantasie aufbringen, um in diesem Konzert einen genuinen Beitrag zum Festivalthema «Urknall» zu sehen. Bei einem dezidierter kuratierten Festival wäre es womöglich aussen vor geblieben. Genau diese Entschiedenheit aber tut Not, um dem Musikfestival jenes Profil zu verleihen, das seine Existenz kulturpolitisch rechtfertigt.

Im konsequenten Fokus auf überraschende, unkonventionelle Kooperationen der freien Szene könnte die Zukunft liegen – ein Bericht von Roman Brotbeck, der den Behörden demnächst vorgestellt wird, dürfte in diese Richtung gehen. Schon bei der Ausgabe 2015 indes ist manches richtig gemacht worden. Spannende Kooperationen und Kollisionen gab es zuhauf, und mit dem Festivalthema trafen die Veranstalter ins Schwarze.

Berner Zeitung

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