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Rotziger Brienzer Blues und viel sonntäglicher Mundart

Am Sonntag ging eine erfolgreiche Jubiläumsausgabe des Brienzersee Rockfestival zu Ende. Das Erfolgsrezept schlug auch diesmal an: Vielfältige Musik lockte ein breites Spektrum von Besuchern an den See.

Hanery Amman spielte am Sonntag ein starkes Konzert.
Hanery Amman spielte am Sonntag ein starkes Konzert.
Christoph Buchs
Zu Ammans Klängen lauschten auch die jüngsten Rockfest-Besucher andächtig.
Zu Ammans Klängen lauschten auch die jüngsten Rockfest-Besucher andächtig.
Christoph Buchs
Die Helfer an den Verpflegungsständen hatten bereits am ersten Abend alle Hände voll zu tun.
Die Helfer an den Verpflegungsständen hatten bereits am ersten Abend alle Hände voll zu tun.
Christoph Buchs
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Bei Formationen wie Kick Down, Station Quo oder Kiss Forever Band ist der Fall sonnenklar: Das sind Coverbands. Sie alle traten am 30. Brienzersee Rockfestival auf.

Bei Dire Straits Experience ist die Sache etwas komplizierter. Der grosse Mark Knopfler ist nicht dabei. Und ohne Mark Knopfler keine Dire Straits – eigentlich. Doch zwei Musiker, die mit genau diesen Dire Straits auf den grossen Bühnen der Welt gespielt haben, spielen jetzt eben bei Dire Straits Experience, der Coverband, die also nicht ganz eine Coverband ist. Und die beiden Musiker heissen auch noch fast gleich: Chris Whittin sitzt am Schlagzeug, Chris White spielt Saxofon.

White war sechs Jahre lang ein ­Livemitglied der britischen Legenden. An Bob Geldofs Live-Aid-Konzert 1985 im Wembley, einem monumentalen Moment der Rockgeschichte, sieht man den ­Saxofonisten ganz rechts auf der Bühne in ein pinkfarbenes Jackett gekleidet. Damals war er Ende zwanzig.

Jetzt ist er Anfang sechzig und liefert mit seiner Band den Beweis, dass es überhaupt keinen Grund gibt, die Hits wie «Walk of Life» oder «On Every Street» in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit ­Terence Reis ist ein Sänger und ­Gitarrist an Bord, den man bei geschlossenen Augen durchwegs für Mark Knopfler halten könnte. Somit wurde «Sultans of Swing» zu einem energiegeladenen Höhepunkt des Konzerts am Samstagabend im Festzelt. Doch auch die ruhigen Sequenzen, in denen Keyboard- und Querflötentöne dominierten, sorgten für Emotionen.

In solchen Momenten wollten die Bierharassen, die draussen per Hubstapler zum Getränkestand gefahren wurden, nicht mehr richtig zum Rockfestival passen; man wähnte sich eher bei Cüpli oder einem gediegenen Rotwein. Es herrschte eine ganz andere Stimmung als noch am Freitagabend, als mit Hardline oder den Pretty Maids schwerer Hardrock das Festzelt füllte. Doch der omnipräsente Duft nach Bratwurst und Chäsbrätel liess einen dann doch nie vergessen, wo man sich gerade aufhielt. Dire Straits Experience waren ein grosser Höhepunkt nicht nur der Jubiläumsausgabe, sondern der ganzen 30-jährigen Geschichte dieses Events.

Quasi als Vorgruppe der Briten trat einer der vielen Oberländer im diesjährigen Line-up auf, und erst noch ein waschechter Brienzer: Marc Amacher, international bekannt seit «The Voice of Germany» 2016, der eine Eigenart entwickelt hat, seine Konzerte zu beginnen: Alleine mit Gitarre, viel Hall und Verzerrung rotzt er die Klas­siker «Personal Jesus» und «Roll Over Beethoven» hin, ehe er in den abgedunkelten Bereich der Bühne verschwindet, um seine Band ins Rampenlicht zu bitten.

Es folgte eine einstündige Hommage an den Blues. Was Amacher genau ins Mikrofon krächzte, war praktisch nie zu verstehen und eigentlich sowieso egal – es ging ums Gesamtpaket, und dieses stimmte. Und wenn beim Publikum das Feuer zu erlöschen drohte, erzählte Amacher die Geschichte des Boogie-Woogie, die eng mit dem Schnaufen einer Dampflokomotive verbunden sei. Dafür habe er sich schon als kleiner Junge auf der «Rothoorenbahn» begeistern können. «Und übrigens», krächzte Amacher, «in der Lok herrschte die gleiche Hitze wie heute!» Der Himmel schien ihn erhört zu haben. Kurz nach 20 Uhr setzte Regen ein. Und brachte etwas Abkühlung nach Brienz.

Womit wir beim Wetter wären. Unter dem Strich könnte man für das 30. Brienzersee Rockfestival sagen: gut bis sehr gut. Donnerstag und Freitag hervorragend bei heissen Temperaturen, Samstag wie angesprochen: zuerst heiss, dann nass, dann ein abgekühlter Spätabend.

Der Sonntag hingegen war verregnet. Was zur Folge hatte, dass das ohnehin hervorragende musikalische Programm noch etwas stimmungsvoller wurde, weil praktisch alle Festbesucher ins Zelt strömten, wo die Musik spielte. Es begann um 11.40 Uhr mit Christian Häni, einem weiteren Oberländer, der seine Formation Halunke dabei hatte und ordentlich aufs Gaspedal trat. Hänis Entertainerqualitäten sind bekannt und verfehlten ihre Wirkung auch in Brienz nicht. Aber ein derart grosses Publikum hätte der Lauterbrunner angesichts der Uhrzeit dann doch nicht erwartet.

Weitere wohlbekannte Namen der Schweizer Mundartszene liessen das Festival ausklingen. Zuerst George, der «Buuregiel» aus dem Seeland, dann Hanery Amman, der so oft auf der Brienzer Rockfestbühne stand wie kaum ein anderer Musiker – gemäss Website des Veranstalters war es sein neunter Auftritt. Bassist Bernhard Kiener übrigens unterstützte am Sonntag sowohl George als auch Hanery.

Bevor Dabu Fantastic den Schlusspunkt des Festivals setzten, hatte auch der Jodlerklub Brienz einen Auftritt: Zu seinem 90-Jahr-Jubiläum durfte er das «Brienzerburli» singen, wofür die Jodler ­viele Sympathien ernteten.

Apropos: Sympathisch war auch die Geste der Brienzer Band N8, die am Samstag eine einmalige Reunion feierte. Sie spendete ihre Künstlergage vollumfänglich dem Verein Wildpark Brienz.

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