Rascher Blick auf den Sinn des Lebens

Musik, die fesselt und verblüfft: Das Trio A. Spell um die Berner Sängerin Nadja Stoller ist mit dem neuen Album «The Meaning of Life» in Thun und Bern zu Gast – und entführt in eine eigenwillige musikalische Zauberwelt.

Passen in keine Schublade: Das Trio A. Spell mit der Berner Sängerin Nadja Stoller in der Mitte.

Passen in keine Schublade: Das Trio A. Spell mit der Berner Sängerin Nadja Stoller in der Mitte.

(Bild: zvg)

Der Sinn des Lebens ist dann mal weg, er geht mit Fräulein Ver­trauen spazieren. Dafür steht der hässliche Herr Zweifel vor der Tür, macht es sich alsbald auf dem Sofa bequem. Und durch das Fenster verschafft sich die alte Dame Traurigkeit Zutritt, spinnt ihr Netz, bereitet ihren tödlichen Biss vor . . . Moment – was ist hier los? Die Antwort: Nadja Stollers Fantasie! Gewitzt und sprachlich meisterhaft sind ihre Lyrics zu «The Meaning of Life» – jenem Song, der dem neuen Werk des Trios A. Spell den Namen gab.

­Inspiriert wurde die Berner Sängerin von Andy Fischlis Comic «Der Sinn»: «Ich fand die Idee ­umwerfend, dass verschiedene Seinszustände mich als wirkliche Personen besuchen – oder je nachdem heimsuchen», erzählt Stoller. Ihre klare Stimme trägt und prägt das Stück, der Süd­afrikaner Ronan Skillen steuert verspielte Perkussion bei, der in Kamerun geborene Jazzmusiker Jan Galega Brönnimann koloriert den Song mit dunklen Bass- und Kontrabassklarinetten-Klängen.

Ureigenes Universum

Ein «Spell» bezeichnet auf Englisch einen Zauberspruch. Und etwas Zauberhaftes wohnt auch den Sounds dieses Trios inne, das vor drei Jahren mit dem Debüt «Where the Strange Creatures Live» überraschte. Da ist Stoller, die singt, Akkordeon und Keytar – ein Umhängekeyboard aus den 80ern – spielt.

Da ist der Tabla­virtuose Skillen, der ein eigenes «Hybrid Drum Kit» entwickelt hat – mit unzähligen Perkussionsinstrumenten. Und einem Didgeridoo. Da ist Brönnimann mit den verblüffenden Effekten seiner Klarinetten und seinen Elektrotüfteleien. «Daraus entsteht eine Art elektronische Weltmusik, die das Publikum auf eine Reise in unser ureigenes Universum mitnimmt», sagt Stoller.

Ein Universum, das sich am 14. April im Thuner Mokka und am 20. April im Berner Bee-Flat erkunden lässt. Und in dem A. Spell experimentelle Musik mit verblüffend arrangierten akustischen Instrumenten schaffen. Ist es Pop? Jazz? Experi­mentalmusik? Egal. Schubladen wurden nicht dazu erfunden, Künstler wie Stoller, Skillen und Brönnimann darin zu verstauen. Sie passen sowieso nicht rein.

Und wie geht die Geschichte mit dem Sinn des Lebens aus? Als die alte Dame Traurigkeit das Zepter übernehmen will, kracht Lord Furor in die Szenerie, Angst und Erleichterung nehmen die Protagonistin bei der Hand, sogar die scheue Frau Hoffnung lässt sich blicken.

Und alle feiern sie am Ende eine Party. Verrückt? Nun, das Schlusswort soll Nadja Stoller gehören: «Vielleicht ergibt das einen Sinn – dass man nicht immer nur nach dem sogenannt Positiven strebt, sondern auch die scheinbar unangenehmen Gefühle bewusst durchlebt, sich dabei besser kennen lernt. Und so vielleicht ab und zu einen raschen Blick auf den Sinn des Lebens erhaschen kann.

A.Spell: «The Meaning of Life», Everest Records. Live: 14. 4. Café-Bar Mokka, Thun, 20. 4. Bee-Flat, Bern.

Berner Zeitung

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