Thun

Musiker helfen sich selbst

ThunViele Schweizer Popmusiker stecken im Dilemma: zu gross, um Kleinkunst zu sein, zu klein, um zu den Grossen zu gehören. Jesse Ritch und Lukas Eichenberger helfen sich deshalb selbst.

Lukas Eichenberger (l.) und Jesse Ritch veranstalten die «No Cover Night».

Lukas Eichenberger (l.) und Jesse Ritch veranstalten die «No Cover Night». Bild: PD

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Jesse Ritch stand schon im gleissenden Scheinwerferlicht von RTL, mit DJ Bobo auf der Bühne oder im Hallenstadion in Zürich. Und trotzdem sagt der Berner Musiker, der unter anderem in Thun als Produzent und Vocal­coach für die H2U-Studios arbeitet: «Es ist enorm schwierig, zu Konzerten zu kommen.» Denn: Die Veranstalter gehen lieber auf Nummer sicher und engagieren Hitparadenacts, «um wirtschaftlich zu funktionieren».

So sinnierte Jesse Ritch nicht nur vor kurzem im Gespräch mit dieser Zeitung, sondern auch im letzten Herbst bei einem Kaffee mit Lukas Eichenberger. Der «singende Soziologe» aus Seftigen hatte 2016 in den H2U-Studios von TJ Gyger in Thun sein Debütalbum «Prägt» aufgenommen. Und obwohl der Unternehmer und Familienvater mittlerweile voll auf die Karte Musik setzt, treiben auch ihn ähnliche Sorgen um wie den R’n’B-Sänger Ritch.

Bereit, anzupacken

Was Ritch und Eichenberger neben der Leidenschaft zur Musik verbindet, ist ihre Bereitschaft, Herausforderungen anzupacken und Neues zu wagen, wo andere vielleicht schon lange den Kopf in den Sand stecken. «Wir wollen auf die Bühne, also veranstalten wir unsere Konzerte halt selber», seien sie sich an jenem Tag im letzten Herbst deshalb rasch einig gewesen, erinnert sich Jesse Ritch.

Natürlich habe man nicht «an ganz gewöhnliche» gedacht, fährt er fort. «Wir wollen eine Plattform, welche es Schweizer Künstlern ermöglicht, ihr eigenes Schaffen zu präsentieren.» Dabei benutzt Jesse Ritch bewusst den Begriff «Schaffen», wie er präzisiert: «Wir wollen keine Interpretinnen oder Interpreten, die Songs darbieten, welche andere für sie schreiben. Wir wollen Musikerinnen und Musiker, die ihre eigenen Lieder auf der Bühne präsentieren.»

In Bern und Thun

Zum ersten Mal passiert das nun am 26. April im Bärehöfli in Bern; am 27. April folgt die Premiere in Thun im AEK Caffè. «Um zu sehen, ob unser neues Konzept funktioniert», wie Jesse Ritch es formuliert, stehen er selber sowie Lukas Eichenberger auf der Bühne; komplettiert wird das Line-up von Tiziana Gulino, die 2014 die TV-Show «The Voice of Switzerland» gewonnen hat und derzeit mit H2U ihr neues Album aufnimmt.

Beworben werden die Konzertabende unter dem Titel «No Cover Night», erklärt Jesse Ritch, der gemäss eigener Aussage für die kreativ-künstlerischen Aspekte der Organisation zuständig ist, während Lukas Eichenberger um Logistik und Marketing besorgt ist. «‹No Cover Night› deshalb, damit auch wirklich dem Hinterletzten klar ist, dass es hier nur Musik von uns gibt und sonst nichts», fährt Ritch fort – um augenzwinkernd anzufügen: «Was nicht heissen will, dass wir nicht die eine oder andere Überraschung im Köcher hätten.»

Die Möglichkeiten bieten sich auf jeden Fall. Denn um den Aufwand überblickbar zu halten und den verschiedenen Stilen der Protagonisten zum Trotz eine einheitliche musikalische Klammer zu bieten, treten alle drei Künstler mit derselben Band auf.

Ziel: Vier Events pro Jahr

«Wenn die ersten zwei Abende funktionieren – wovon wir selbstverständlich überzeugt sind –, ist unser Ziel, im Herbst dasselbe Programm noch einmal an zwei Abenden zu präsentieren», sagt Jesse Ritch. Danach sollen im nächsten Jahr im Idealfall wieder vier Konzertabende mit drei anderen Künstlern unter dem Motto «No Cover Night» stattfinden. «Bis es so weit ist, müssen wir aber noch einiges leisten», weiss Jesse Ritch. Zum Beispiel, genügend Leute davon zu überzeugen, sich einen musikalischen Abend in einem besonderen Rahmen zu gönnen.

Vorverkauf: www.no-covernight.ch. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 06.03.2018, 20:03 Uhr

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