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«Moments of Music»: Einmal top, einmal flop

Gegensätzliche «Moments of Music»: Jazz­pianist Jamie Cullum und das Swiss Jazz Orchestra spielten im Kursaal ein streckenweise begeisterndes Konzert, bevor der betrunkene Poppianist Tom Odell langweilte.

In Hochform: Jazzer Jamie Cullum.
In Hochform: Jazzer Jamie Cullum.
Enrique Muñoz García

Zwei zu zwei wars am Schluss, aber bei weitem nicht unentschieden: Die neue Konzertserie war schon zwei Tage alt, als sich am Samstag zwei Männer am Piano über den Abend duellierten.

Der die Welt umarmende Franzose Christoph Maé hatte am Donnerstag vor der sehr ange­heiterten Lisa Stansfield seinen Auftritt absolviert, am Freitag waren die amerikanische Rockröhre Anastacia und die erblondete Stefanie Heinzmann zu Gast. Und dann kam es zur interessantesten Affiche der ersten Ausgabe von «Moments of Music»: Jamie Cullum und Tom Odell. Die beiden Briten ver­bindet die Berufswahl: Beide sitzen am Klavier und singen. Unterschiedlicher hätten aber die Darbietungen nicht ausfallen können.

Erspriesslich

Zuerst trat Jamie Cullum (37) auf die Bühne, zusammen mit seiner Band und einem knappen Dutzend Bläser des örtlichen Swiss Jazz Orchestra. Trotz der knappen An­gewöhnungszeit von einer Probe war das eine durch und durch erspriessliche Zusammenarbeit. Jazz-As Cullum wirbelte und sang, behämmerte den Flügel, spielte Trommel und warf seinen neuen Berner Mitarbeitern die Einsätze zu. Er behandelte sie in bester Gastgebermanier und stellte alle vor. Der grösste Job sprang für Saxofonist Adrian Pflugshaupt heraus, der im zweiten Song «Get your Way» solierte.

Schade, dass Cullum wenig später seinen Superhit «Don’t Stop the Music» ohne Unter­stützung der Bläser vortrug. Doch auch so tat er es virtuos. Und als das Blech einen Song später wieder einsetzte, war der Bann im schwierig zu bespielenden Kursaal gebrochen. Das Publikum erhob sich von den Stühlen, plötzlich war da neue Energie, Cullum nahm sie auf und geriet in Hochform, bis er nach einer Stunde mit einer langen improvisierten Zugabe überzog.

Betrunken

Nach der Umbaupause gings weiter. Tom Odell hatte in der Wartezeit offensichtlich ordentlich das Angebot der Minibar geprüft, was seinem Auftritt wenig zuträglich war. Zunächst ging es noch. Die Band drückte dem Publikum ein paar auf Stadion getrimmte Rocknummern aufs Ohr. «Alle Regler hoch» hiess die Maxime für den Tontechniker am Mischpult. Im ruhigeren Mittelteil spielte Odell dann seine Singer-Songwriter-Qualitäten aus. Zumindest war das der Plan.

Nur zeigte sich leider das Ausmass von Odells Trunkenheit, die Spannung sank in den Keller. Zwischen zwei Songs stammelte der 27-Jährige dergestalt Unsinn vor sich hin, dass man sich eine einschreitende Instanz (mutigen Tontechniker) herbeisehnte. Auch bei Odells Superhit erhob sich das Publikum, nur ergriffen danach einige Zuhörer die Ge­legenheit zu gehen, als sie schon mal standen. Denn «Another Love» war nicht mehr als ein Spritzer in einem vor sich hinplätschernden Rinnsal. Dass die Band zum Schluss nochmals mit voller Dröhnung die Haftung der Haarteile auf die Probe stellte, rettete den Auftritt keinesfalls.

Zwiespältig

Auch die Torkeleinlagen halfen nicht. Tom Odell wie Jamie Cullum bestiegen zweimal den Flügel. Beim höchst vitalen Cullum im ersten Konzert des Abends war das lustig, bei Odell war ein Knochenbruch zu befürchten. Das Duell ging klar an den Jazzer. Schade, waren an diesem zwiespältigen Abend die Konzerte nicht umgekehrt angesetzt. Für die Veranstalter ging die Rechnung auf. Nächstes Jahr soll es weitergehen mit den «Moments of Music», wie sie am Sonntag verkündeten.

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