Mit einem Fuss in der Jazztradition

Seit Jahren ist das Swiss Jazz Orchestra Stammgast am Jazzfestival Bern. Als Gäste dabei sind heuer die renommierten Amerikaner Jeff Hamilton und John Clayton.

Perkussionist Jeff Hamilton, rechts Bassist John Clayton.

Perkussionist Jeff Hamilton, rechts Bassist John Clayton.

(Bild: zvg)

Es gibt kaum eine flexiblere Big Band als das 2003 gegründete Swiss Jazz Orchestra (SJO). Neben eigenen, lokalen Projekten, etwa den weit über Jazz­kreise hinaus erfolgreichen Alben «Buebetröim» mit einhei­mischen Popmusikern, stehen immer wieder Begegnungen mit amerikanischen Weltklassekünstlern auf dem Programm.

Unvergessen sind die Konzerte mit den Latin-Grössen Paquito D’Rivera, Claudio Roditi und dem Berner Michael Zisman, welche das Marians zum Beben brachten und auf CD erhältlich sind.

Orchestertypische Note

Mit dem Bassisten John Clayton und dem Perkussionisten Jeff Hamilton sind heuer zwei Gäste angesagt, die nicht bloss als Instrumentalisten, sondern auch als Orchesterleiter Weltruf haben. Was bringen sie mit? Till Grünewald, dienstältester Saxofonist des SJO, meint: «Für unser Orchester ist es immer spannend, auf die Musik der Gäste einzugehen.

Clayton und Hamilton verfügen über ein Riesenrepertoire. Ziel ist es, auch eine SJO-typische Note einzubringen. Da eigene Arrangements diesmal zurückstehen müssen, geschieht dies vor allem durch Soli.» Kenner wissen, dass jedes SJO-Mitglied ein guter Solist ist. Grünewald: «Das ist für Jazzorchester sehr untypisch.» Zur Zeit der Swing-Ära vor 80 Jahren wars anders.

Melodiebetontes Spiel

Aus John Claytons Arbeiten spricht seine jahrelange Tätigkeit als Solist bei den Amsterdamer Philharmonikern. Grünewald: «Das spürt man dann, wenn er mit dem Bogen spielt. Es ist sehr aussergewöhnlich.»

Mit dem Bogen spielt man Melodien. Deren Bedeutung betont auch Hamilton: «Viele ignorieren, dass Drummer melodiebetont spielen können. Für mich ist das Auf und Ab der Melodie ebenso wichtig wie der Rhythmus.» Markenzeichen seines Spiels ist der aus­geprägte Sinn für Finessen.

Bei vielen Schlagzeugern steht das Schlagen im Vordergrund, bei ihm gehts ums Zeugen, genauer ums Zeugen eines Ortes, wo Kreativität gedeihen kann. Während andere den Raum zudröhnen, öffnet ihn Hamilton mit schwebenden Rhythmen und präzisen Akzenten.

Johannes Walter, SJO-Trompeter der ersten Stunde, spricht aus Erfahrung: «Bei Schlagzeugern und Bassisten gibt es riesige Unterschiede. Gerade der Drummer hat entscheidenden Einfluss auf Sound, Dynamik und Energie des musikalischen Geschehens.»

Benny Golson, ebenso erfolgreich als Saxofonist wie als ­Komponist, meinte über John Clayton: «Er steht mit einem Fuss in der Gegenwart, mit dem an­deren in der Zukunft. Die Lust am Aufwärmen traditioneller Sachen geht ihm völlig ab.» Stehen dem Festival also musikalische Experimente bevor? Walter beruhigt: «Clayton steht mit mindestens einem Fuss in der Jazztradition!» Hamilton sieht es ähnlich: «John hat den Blues im Blut.»

Was ist also zu erwarten? «Ich freue mich auf die Stücke mit den Klangfarben der Flöten und gedämpften Blechblasinstrumente. John ist Meister dieser Paletten», so Walter. Sie hinzukriegen, erfordert vom SJO präzise Orchesterarbeit. Wie aber übt man mit Chefs, die jenseits des Atlantiks zu Hause sind?

Das Notenmaterial schicken und es individuell einstudieren ist das eine, das Proben des Ensembles das andere. Grünewald ist unbesorgt: «Die Band bereitet sich auf die erste Probe so weit vor, dass sie das Stück bereits gut spielen kann. Es wird nur noch an Dynamik, Abläufen und Soli gearbeitet. Mit den Gästen üben wir am Vortag des ersten Konzerts.»

Konzerte:Di, 11. 4., bis Samstag, 15. 4., jeweils 19.30 und 22 Uhr, ­Marians Jazzroom, Bern.

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