Komponist Jóhann Jóhannsson gestorben

Seine Kompositionen ritzten die Grenzen zwischen Elektronik und Klassik – und eroberten zuletzt Hollywood. Nun ist der Isländer Jóhann Jóhannsson im Alter von 48 Jahren gestorben.

Sein grösster Erfolg: Jóhann Jóhannsson mit dem Golden Globe für «The Theory of Everything». Foto: Keystone

Sein grösster Erfolg: Jóhann Jóhannsson mit dem Golden Globe für «The Theory of Everything». Foto: Keystone

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In seiner Musik verdunkelte sich die Sonne, und der Himmel konnte schwarz werden. Und dies nicht nur im frühen Requiem mit dem Titel «The Sun’s Gone Dim and the Sky’s Turned Black». Aber es war dennoch keine apokalyptische und brachiale Musik, die der Isländer Jóhann Jóhannsson komponierte. Vielmehr durchzog viele seiner Werke ein elegischer Ton, der auch die traumhafte Welt der grossen und gescheiterten Utopien streifte: Beispielsweise in seiner Komposition «Fordlândia», mit der er sich auf die Suche nach Henry Fords Geisterstadt in Brasilien machte. Es waren solche Kontexte, die Jóhannsson beschäftigten. «Musik-Musik oder absolute Musik» interessierten ihn nicht, sagte Jóhann Jóhannsson einst in einem Interview mit dem deutschen Webmagazin «Das Filter».

Jóhannsson ritzte von Beginn an Grenzen: Er war Gitarrist in Indiebands, die dem psychedelischen Drogenrock von Bands wie Spacemen 3 nacheiferten, zur Zeit, als Björk mit ihren Sugarcubes auf Reykjavíks Bildfläche erschien. Doch viel mehr interessierte ihn die Arbeit im Studio und die Schnittstellen zwischen Computer und Klassik. Er schrieb Musik für Theater- und Ballettgruppen, die als orchestrale Aufnahmen auch losgelöst von den jeweiligen Aufführungen funktionierten.

Eine seiner letzten Kompositionen: «Flight from the City» von Jóhann Jóhannsson. Video: Jóhann Jóhannsson (Youtube)

Schliesslich folgte der Ruf aus Hollywood: 2013 komponierte er den Score für den Thriller «Prisoners» des kanadischen Regisseurs Denis Villeneuve – jene für die Filme «Sicario» und «Arrival» sollten folgen. 2014 feierte Jóhannsson seinen grössten Erfolg mit der Musik für das Stephen-Hawking-Biopic «The Theory of Everything», für die er einen Golden Globe gewann. Jóhannsson sollte eigentlich ursprünglich auch für «Blade Runner 2049» komponieren, doch Regisseur Villeneue ersetzte ihn mit dem alten Hollywood-Schlachtross Hans Zimmer.

Jóhann Jóhannsson, dessen Musik sowohl auf dem Indielabel 4AD wie auch auf dem Klassiklabel Deutsche Grammophon veröffentlicht wurde, verstarb am Freitag im Alter von 48 Jahren in seiner Wahlheimat Berlin, wie sein Manager der Nachrichtenagentur dpa in der Nacht zum Sonntag bestätigte. (bsa)

Erstellt: 11.02.2018, 10:17 Uhr

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