Keine Patina angesetzt

Alte englische Musik frisch zubereitet: Der Freitagsakademie gelang ein spritziger Start in die neue Saison.

Und ewig locken intime Tagebücher. Zu den bekanntesten gehören diejenigen von Samuel Pepys. Als Staatssekretär im englischen Marineamt kam er im 17. Jahrhundert zu Reichtum und führte ein prunkvolles Leben, das er vor seiner Ehefrau, so gut es ging, zu verheimlichen versuchte.

5000 Seiten umfassen seine in Stenografieschrift niedergeschriebenen Tagebucheinträge. Sie geben Einblicke ins London der Jahre 1660 bis 1669, als wegen der Schrecken bringenden Pest und des grossen Brandes jede Minute der verbleibenden Lebenszeit ausgekostet wurde.

Die schillernde Person Pepys ins Zentrum eines Konzertprogramms zu stellen – eine bessere Idee hätte die Freitagsakademie für ihr Saisoneröffnungskonzert kaum haben können. Die von Thomas Höft brillant gelesenen Auszüge aus Pepys’ Tagebüchern liessen sich nämlich perfekt mit passender Musik kombinieren.

So ertönte etwa mit der Sonate für Blockflöte von James Paisible Musik eines Komponisten, der Pepys dazu animierte, mit dem Blockflötenspiel zu beginnen.

Adlige Altmeisterin

Solch passende Querverweise verliehen dem Konzert am Donnerstag einen wohlüberlegten roten Faden. Wie frisch eng­lische Musik aus dem 17. Jahrhundert noch heute klingt, bewies das Berner Barockensemble in den einzelnen Stücken – leider allerdings nicht immer wohlintoniert. In einem britischen Pub wähnte man sich bei den Songs von Tobias Hume, die der charismatische Georg Kroneis sang und sich dabei gleich selbst auf der Gambe begleitete.

Und auch die Musik von Henry Purcell hat keine Patina angesetzt. Britische Königinnen und Könige kommen und gehen, die Musik Purcells hingegen bleibt. Vor allem, wenn sie so lebendig interpretiert wird wie von der Altmeisterin Emma Kirkby, die 2007 von Elisabeth II. in den Adelsstand erhoben wurde.

Nicht larmoyant oder pathetisch sang sie Partien aus Opern wie «King Arthur» oder «Fairy-Queen», sondern jugendlich spritzig. Sie kokettierte gekonnt mit den Musikern und machte einige stimmliche Schwächen mit ihrer Präsenz mehr als wett.

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