Jeans for Jesus – Songs für (fast) alle

Von Rap-Einlage über Pianoballade bis Clubtrack: Das alles und mehr bietet «Remix», das Doppelalbum der Berner Band Jeans for Jesus mit 42 Versionen der Songs ihres Debüts. Der Coup: Stephan Eichers zauberhafte Version von «L.A.».

Jeans for Jesus: Das Berner Quartett mit Marcel Kägi, Philippe Gertsch, Demian Jakob, Michael Egger (von links).

(Bild: Janosch Abel/zvg)

Nina Simone wurde kürzlich die Ehre zuteil, Paul McCartney ebenso: Als Hommage interpretierten Künstler aus diversen musikalischen und geografischen Himmelsrichtungen deren Songs neu.

Und jetzt also Jeans for Jesus. Genau: jene junge Berner Band mit gerade mal gut eineinhalbjähriger Geschichte und einem einzigen Album in ihrer Diskografie. Eines zwar, das mit seinen vielschichtigen, verspielten elektronischen Sounds hohe Wellen schlug, als «Statement einer neuen Mundartpopgeneration», wie diese Zeitung festhielt.

Trotzdem kommt es einigermassen überraschend, dass sich gleich dutzendfach Musikerkollegen der Songs des Quartetts angenommen und Remixes, Cover, Neuinterpretationen geschaffen haben. Auch wenn es sich vornehmlich um Protagonisten der Berner Musikszene handelt.

Bunte und breite Palette

Remixes in neuen Gewändern fanden sich bereits auf den Singles «Estavayeah» und «Nie meh». So entstand auch die Idee zu «Remix». «Wir haben einen breiten Musikgeschmack. Da war es spannend für uns, zu sehen, was andere Künstler mit unseren Liedern anstellen», sagt Sänger Michael Egger. Zudem habe die Band so mehr Zeit für das zweite Album, fügt er augenzwinkernd an.

Ein ausgeklügeltes Konzept bestand nicht, bloss offene Ohren und Türen, ein Netzwerk von befreundeten Musikern. So kam eine ebenso bunte wie breite Palette von Versionen der Lieder auf dem Jeans-for-Jesus-Debüt zusammen: von Dub bis Disco, von akustisch bis abgefahren, von Greis bis Gere Stäuble (Drummer von Züri West).

Labrador City verleihen «Erlösig» einen schmucken New-Wave-Touch, Rapper Baze hadert und flucht in «Nie meh», Pamela Méndez & Luzius Schuler interpretieren «Matrix» sehnsüchtig-hingebungsvoll – und mit plötzlichem Ausbruch.

Eichers Zauber

Dass «Remix» ohne internationalen Star auskommt, stimmt im Übrigen nicht ganz. Der eigentliche Coup ist nämlich die Präsenz von Stephan Eicher. Wie kam der Kontakt zustande? «Das war lustig», sagt Egger. Erst habe Eicher zur nicht geringen Freude der Band die «Nie meh»-Maxi mit Freiwilligbezahlung gekauft, dann habe über Facebook jemand moniert, Jeans for Jesus hätten den «Nie meh»-Text von Eicher geklaut.

«Wir waren verwirrt, haben gegoogelt und gemerkt, dass Stephan Eichers ‹Schlaflied› eine ähnliche Textstruktur hat. Also haben wir ihm geschrieben und betont, dass das keine Absicht war.» Es stellte sich heraus, dass der Star mit Berner Wurzeln die junge Band aus seiner Heimat von Beginn an gemocht hatte – und das mit der Textkopie überhaupt nicht so sah.

Er steuerte für «Remix» seine Version von «L.A.» bei: Aus dem atmosphärischen Elektropopsong formte er eine fast nur auf das Piano reduzierte Ballade, umweht von sehnsüchtiger Melancholie. Zauberhaft, wie Eicher die Fern- und Heimwehpoesie des Jeans-for-Jesus-Tracks umsetzt. «I cha nid wäg, i ha die Stadt im Koffer», singt er. Die Stadt im Koffer – und die Zuhörer im Sack.

Jeans For Jesus: «Remix», Irascible (digital; sowie komprimiert auf 60 Minuten als «Mixtape»).

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