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Jazz Ladies

In einem Monat startet das 44. Jazzfestival Bern. Das Programm lockt mit viel Blues, Soul, Latin – und viel Frauenpower. Mit Blick auf die Grammyverleihung ein Volltreffer.

Am Sonntag hat Cécile McLorin Salvant zum wiederholten Mal den Grammy für das «Best Jazz Vocal Album» gewonnen. Im Mai kommt sie ans Jazzfestival Bern.
Am Sonntag hat Cécile McLorin Salvant zum wiederholten Mal den Grammy für das «Best Jazz Vocal Album» gewonnen. Im Mai kommt sie ans Jazzfestival Bern.
Urs Baumann

Drei Damen prangen auf dem Plakat zum diesjährigen Festival, alles Koryphäen auf ihrem Gebiet: Die Sängerin Cécile McLorin Salvant, die am Sonntag mit «The Window» gerade zum dritten Mal, nach 2018 und 2016, den Grammy Award für das «Best Jazz Vocal Album» holte. Die Klarinettistin Anat Cohen, die mit «Happy Song» 2018 auf dem zweiten Platz landete, und die Spätzünderin Bettye LaVette.

Als LaVette letztmals in Bern war, antwortete sie auf die Frage nach dem Geheimnis ihres späten Durchbruchs: «Als ich von meinem Manager erfuhr, dass der junge Joe Willams, bei einem Gesangswettbewerb in Harlem siegte, nicht weil er besser sang, sondern länger durchhielt, begann auch ich zu kämpfen. Mein Kampf dauerte 45 Jahre!»

Heute steht sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und ist eine der gefragtesten Sängerinnen. Manche nennen sie Soulqueen. Das mag sie nicht. «Was heisst Soul? Schon Enrico Caruso war ein Soulsänger, denn er sang mit viel Seele. Ich bin eine Rhythm-and-Blues-Sängerin, wenn das Publikum schreit und mitklatscht; wenn ich es aber da­zu bringe, nachzudenken und die inneren Dinge zu ordnen, dann bin ich eine Blues-Sängerin.»

Mit Flöten und Trompeten

Die Flötistin und Saxofonistin Jane Bunnett aus Kanada, nach vielen Kuba-Aufenthalten anerkannte Spezialistin für Cuban Jazz, und die junge Trompetenvirtuosin Andrea Motis vervollständigen die Crew weiblicher Bandleader am Festival. Das ist angesichts der männerdominierten Jazzszene sehr beachtlich.

Die Eröffnungswochen stehen im Zeichen zweier Afroamerikaner. Beide machen Black Music. Organisator Benny Zurbrügg ortet Unterschiede: «R&B-Sänger Sugaray Rayford reisst mit seiner Bühnenpräsenz jedes Publikum von den Sitzen, während Walter «Wolfman» Washington durch tief empfundene Blues-Titel seiner Heimat New Orleans besticht.» Für Latinstimmung sorgen die New York-Havana-Connection von Drummer Herlin Riley und das Afro-Carib­bean Jazz Sextet des Pianisten Eddie Palmieri. Der Salsakönig aus dem New Yorker Stadtteil Spanish Harlem war letztmals am Festival 2002 dabei. Das damals im Kursaal entfachte Feuer brennt noch in manch einem Herzen.

Generation Smartphone

Jazz erlebt einen Aufschwung, gerade auch bei den Jungen findet er wieder vermehrt Anklang. Die Verpflichtung vieler eher junger Künstler kommt da nicht von ungefähr und soll die Smartphone-Generation animieren, die Livekonzerte im Marians und im Jazzzelt (Eintritt frei) zu besuchen. Hat die Digitalisierung auch Einfluss auf das Festival? Benny Zurbrügg meint: «Für die Programmgestaltung nicht, wohl aber bezüglich Hörverhalten.» Ältere Semester würden einen Song als Bestandteil eines ganzen Albums hören, egal, ob Platte oder CD. Die Handygeneration hingegen suche sich im Internet einen Titel und konsumiere ihn, ohne zu wissen, woher er stamme und welche Rolle ihm auf dem betreffenden Album zukomme. Livekonzerte aber folgen wie LP oder CD einem Konzept. «Der Künstler schafft mit der Reihenfolge der Nummern einen Spannungsbogen. Den gibts beim heutigen Konsumverhalten nicht mehr.»

Das Jazzfestival Bern kann auf viele wiederkehrende Künstler zählen. Das hat auch mit der Dauer des Festivals zu tun. Nicht so sehr wegen des unbeliebten Kofferpackens als vielmehr ­wegen der reisefreien Zeit. Sie ermöglicht künstlerisches Schaffen. Jay Beckenstein, Leader der Fusionband Spyro Gyra, etwa meint, dass ein neues Album im Studio zu erarbeiten, nervtötend sei. «Hier in Bern sind meine Musiker, die zu Hause weit auseinander wohnen, eine Woche lang zusammen. Wir üben täglich, solange wir wollen, und probieren das Erarbeitete noch am gleichen Abend vor Publikum aus. Das gibts sonst nirgends!»

44. Internationales Jazzfestival Bern: 12. März bis 18. Mai. Der Vorverkauf läuft bereits. Programm mit über 200 Einzelkonzerten: www.jazzfestivalbern.ch.

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