Jacky rockt unter Truckern

Ueli Schmutz, genannt Jacky, ist Berns Rock-’n’-Roll-Urgestein. Wie jedes Jahr spielt der mittlerweile 70-Jährige am Trucker- und Country-Festival Interlaken, das heute Freitag beginnt.

Runder Geburtstag und Bühnenjubiläum: Das Berner Rock-’n’-Roll-Urgestein Ueli «Jacky» Schmutz.<p class='credit'>(Bild: Beat Mathys)</p>

Runder Geburtstag und Bühnenjubiläum: Das Berner Rock-’n’-Roll-Urgestein Ueli «Jacky» Schmutz.

(Bild: Beat Mathys)

In Jackys Haus in Obergerlafingen steht im Salon ein weisser Flügel. Er dient zum Spielen. Derweil vergammelt im Gartenhaus das schwarze Klavier aus Jackys Kindheit. «That’s Rock’n’Roll», sinniert der Musiker.

Er weiss, wie nah Leben und Vergehen beieinander liegen. Er ist wiedergenesen nach schwerer Krankheit, von der er sagt: «Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals zurückkomme.» Doch nun ist er zurückgekehrt, er hat am 18. Juni runden Geburtstag gefeiert, und am Trucker- und Country-Festival stehen zwei Auftritte an. Wir blicken zurück auf 70 Jahre Jacky – in sechs Kapiteln:

1. Jacky und wie alles begann
1956 macht Familie Schmutz Ferien am Starnberger See in Deutschland. Der musikbegeisterte Ueli – damals 11 Jahre alt – hört aus der Jukebox erstmals Bill Haley und Konsorten. Wie die meisten Jugendlichen wird er vom Rock-’n’-Roll-Virus angesteckt. Nicht nur von der Musik, auch vom Lebensgefühl. Später wird Jackys Gitarrist Joe Schwach im Fernsehen erzählen: «Jacky spielt nicht nur Rock’n’Roll, er lebt ihn auch.» 1965 ist das Geburtsjahr der Jackys. Ihr Vorbild ist nicht Bill Haley, der mit «Rock around the Clock» den ganzen Rock-’n’-Roll-Hype auslöst, sondern Jerry Lee Lewis. Weil bei ihm «nicht die Gitarre, sondern das Piano im Zentrum stand».

2. Jacky und die Frauen
Am Anfang seiner Karriere arbeitet Jacky an Coverversionen von Lewis-Titeln und lebt nach dem Motto Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Die Groupies heissen noch Garderobenbekanntschaften, und Jackys Droge ist der Alkohol. Er habe damals keine Freundin gehabt und sei niemandem etwas schuldig gewesen, betont er lächelnd. 2015 feiert er Rubinhochzeit (40 Jahre) mit seiner Frau Marianne Schmutz – «meiner Bombenfrau».

3. Jacky und die Tonträger
Nachdem die Musikindustrie die Jackys entdeckt hat, wirft sie ab 1976 in rascher Folge Singles und LPs auf den Markt. Sie verkaufen sich blendend, die LP «20 Rock’n’Roll Hits» geht 25'000-mal über den Ladentisch, was den Jackys 1980 eine Goldene Schallplatte beschert. Jacky fährt in die US-Musikmetropole Nashville, besucht sein Idol Jerry Lee Lewis, nimmt mit dessen Musikern drei Alben auf und gibt Konzerte. Bis heute haben die Jackys 25 Alben veröffentlicht und insgesamt 250'000 Stück verkauft.

4. Jacky und der Jazz
Durch Jackys jüngere Schwester Ursula, die mit dem US-Jazztrompeter Clark Terry befreundet ist, knüpfte Jacky in der Jazzszene Kontakte. CT, wie Freunde den amerikanischen, kürzlich verstorbenen Trompeter nannten, ist ab 1979 Dauergast und Publikumsliebling am Berner Jazzfestival. «Clark war ein guter Erzähler. Er lehrte mich viel über die Hintergründe der afroamerikanischen Musik, die Rassendiskriminierung und so erstaunliche Sachen wie die Tatsache, dass die Jazzer den Gangster Al Capone verehrten. Er zahlte nämlich gut.» In Jackys Musik freilich hinterlässt der Jazz keine Spuren.

5. Jacky und der Dialekt
Polo Hofer rät Jacky Ende der Achtzigerjahre zum Rock’n’Roll auf Berndeutsch. Den Anfang macht 1992 «Going Back to Bümpliz». Nostalgischer Text und ulkige Reime in Kauderwelsch bringen grossen Erfolg: «I’m never going to Paris or London or Venezuela, I’m going home dört häre, won ig mi no cha gseh la.»

6. Jacky und die Trucker
Jacky ist seit 19 Jahren Teil des Trucker- und Country-Festivals. Heuer wird er seine neue CD «The Jackys – 50 Years» präsentieren. Lieblingstitel ist der «Hadacol Boogie», vielleicht weil er so charmant spinnig daherkommt. Mit ernster Miene erklärt er: «Hadacol ist in den USA ein Allerweltsheilmittel wie bei uns Klosterfrau. Beim Menschen setzt man es ein bei Zahnweh, Läusen und Hühneraugen, beim Hahn, wenn er keine Lust aufs Huhn verspürt.» Auch am traditionellen Festivalgottesdienst wird Jacky dabei sein. Mit dem lieben Gott komme er klar, mit dem Bodenpersonal habe er aber oft Mühe. Der Song «I kenne e Prieschter» von 1992 erzählt davon. Das Lied bescherte ihm in katholischen Kantonen die bisher grössten Proteste. Die Trucker hingegen lieben ihn. Und er sie.

Berner Zeitung

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