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Intimacy von Bloc Party: Genetisch bedingte Funkyness

Bloc Party zeigen mit ihrem neuen Album Intimacy ihre kühle Könnerschaft. Und schaffen es gerade darum nicht, den Zuhörer in Euphorie zu versetzen.

Eine Band will sich dringend weiterentwickeln: Album-Cover «Intimacy» von Bloc Party.
Eine Band will sich dringend weiterentwickeln: Album-Cover «Intimacy» von Bloc Party.

Bloc Party sind nah dran, aufregend zu sein. Einmal mehr, ist man versucht zu sa­gen. «Intimacy», das dritte Album der Band aus Borough Of Islington im Norden von London, beginnt mit «Ares», einem wilden, heulenden Song mit schweren Tanzbeats, mit Raps, die den Rocksänger dahinter nicht verleugnen, und mit einer hysterisch geifernden Gitarre. Der Song ist gut gebaut und intensiv, aber auch von einer lauten Aufdringlichkeit, von der man dann doch lieber etwas Abstand nimmt: der Tod jedes Tanzsongs.

Vom Aktionismus zum Ambitionspop

Auch in anderen Songs ist ein gewisser Aktionismus nicht zu überhören. Da will sich eine Band dringend weiterentwickeln, und das führt dann zu Songs wie «One Month Off», der zwischen einem fetten Gitarrenriff in allerhand elektronischen Klängen fistelt. Der Song baut einen guten Druck auf, und es gibt daran überhaupt wenig auszusetzen, ausser, dass er etwas gar abgekartet klingt. Ganz ähnlich «Ze­phyrus », das als eine Art Minimal-Electro beginnt, mit breiten Synthesizer-Schwa­den und opulenten Chören dann aber auch gehörig ernstelt und als verschmockter Ambitionspop endet.

Aufschrecken durch Gitarrenabstinenz

Manchmal aber bündeln sich die vielen Talente der Band zu sehr griffiger und sehr schöner Popmusik. Die Single «Mercury» zum Beispiel, welche die Fans durch das Fehlen von Gitarren etwas aufgeschreckt hat, ist auf einem sehr zwingenden Riff auf­gebaut, das eben nicht durch Gitarren, son­dern durch Bläser gespielt wird. Zur Funk­yness, die dank Schlagzeuger Matt Tong dieser Band sowieso in die DNA einge­schrieben ist, kommt hier ein sexy Ruch von Rhythm ’n’ Blues. «Trojan Horse» ist eine dieser nervös flirrenden Nummern, die dieser Band so gut liegen, und «Ion Square» zum Schluss entfaltet sich über dem sanften Schub eines Elektrobeats als melancholisch verhangene Ballade. Auch in diesen Songs ist die kühle Kön­nerschaft stets mitzuhören, die in dieser Band steckt und die es diesen Songs so schwierig macht, die Tür zur Euphorie aufzustossen. Aber wie schon gesagt: Sie sind nahe dran.

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