«I säge nei, nei, nei, nei, nei»

Die Berner Band Dnachtaktion spielt Indie-Rock mit fadengeraden Botschaften. Nächsten Samstag ist das Trio mit Durchschnittsalter 15 am Gugus-Gurte-Festival zu erleben.

Jung und wild und hungrig: Das Trio Dnachtaktion.

Jung und wild und hungrig: Das Trio Dnachtaktion.

(Bild: Hanspeter Zaugg)

Am letzten Anyone-Can-Play-Guitar-Festival auf der Kleinen Schanze war es heiss. Sehr heiss. Lediglich vor der kleinen Bühne, wo während der Umbaupausen Zwischentöne gespielt wurden, gab es etwas Schatten. Doch nicht nur deshalb war der Andrang gross, als dort ein Berner Trio namens Dnachtaktion loslegte, das noch mit dem Stimmbruch zu kämpfen hat und den eigenen Sound als «Depro-Pop» bezeichnet.

Von Depro war eher wenig zu hören, abgesehen von den Themen der Songs, die von globalen Problemen bis zum Ableben des einzigen fürs Teenagerbudget bezahlbaren Coiffeurs reichen. Vielmehr liessen die drei Angry Young Boys mit ihrem zu 100 Prozent selbst gemachten Indie-Rock schon bald die Tanzbeine zucken und die Köpfe wippen, wobei angesichts des jugendlichen Selbstbewusstseins ein allgemeines Strahlen und nach jedem Song überbordender Applaus einsetzte.

Wegen Hitzefrei verpasst? Schon nächsten Samstag gibt es erneut Gelegenheit, den Nachwuchs aus dem Marziliquartier am Gugus-Gurte-Festival bei der Heitere Fahne live zu hören. Hingehen empfohlen. Denn Dnachtaktion sind eine Band mit Zukunft. Die Mitglieder sind erst zwischen 14 und 16 Jahre alt, aber am Anyone-Can-Play-Guitar-Festival liessen sie den Hut schon für ihre zweite CD herumgehen.

Die erste, im Mai erschienen, tönt etwa so: «Froue spile ds gliche Spiu, verdiene nimau haub so viu» – die Forderung nach «equal pay» haben Dnachtaktion schon Monate vor US-Fussballerin Megan Rapinoe lanciert. Nur noch etwas radikaler. «Zu däm ganze Fifa-Züg säg ig nei, nei, nei, nei, nei», kracht der Refrain, «oder findet dir das öppe o.k.?» Bei der Fifa macht der jugendliche Sturm und Drang von Dnachtaktion aber nicht halt.

Das Trio Dnachtaktion mit «I säge nei, nei, nei, nei, nei» (Video: Youtube)

In «Zäme gäge Chrieg» attackieren sie die Waffenlobby («Uf wän die Chunde schiesse, isch ne gliich, Houptsach, si wärde drbi rich»), Klimaleugner («Kimawandel gitz nid, d Umwäut isch ihne egau, Houptsach, si verdiene optimau») und Artverwandte. Auch hier gibts einen fadengeraden Refrain: «Zäme gäge Chrieg, wüu mir dä Scheiss hasse, du ungerteilsch d Lüt immer no i Rasse, i welem Jahrhundert läbet dir? DNA, das si mir!»

Selbstzweifel hört man in diesen Songs (noch) kaum. Musikalisch werden sie von Indie-Rock-Gitarren und wuchtigen Trommeln angetrieben, auch wenn es immer wieder sanfte Einschübe von Piano, Cello und Vibrafon gibt. Dazu kontrastiert die noch mädchenhafte Stimme von Gitarrist Denis Schletti perfekt: Sie gibt den heftigen Refrains einen unschuldigen Pop-Appeal.

Denis ist selbstbewusst und fixiert das Publikum, er glaubt, was er singt. Sein Bruder Julian am Bass und Schlagzeuger Urban Zaugg sind noch etwas zurückhaltender, doch man spürt die Kraft, welche die drei aus dem Kollektiv schöpfen. Wie aber kommt die Band zu ihrem Namen? Eine Hommage an gefährliche nächtliche Streifzüge durch die Stadt? Nicht wirklich.

Ursprünglich hatte sich das Teenager-Trio DNA genannt, musste aber bald feststellen, dass es damit nicht wirklich über ein Alleinstellungsmerkmal verfügt. So suchte man einen Namen, für den DNA die Abkürzung sein könnte: Dnachtaktion war ge­boren.

Berner Zeitung

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