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Herr der Streichinstrumente

Sie haben eine Violine geerbt und möchten wissen, ob sie wertvoll ist? Der Amerikaner Jason Price führt den bedeutendsten Onlinehandel für Streichinstrumente. Nächste Woche kann man in Bern Violinen und Co. bei ihm schätzen lassen.

Spielt selbst Cello: Unternehmer Jason Price.
Spielt selbst Cello: Unternehmer Jason Price.
zvg

Manch einer hat Grossvaters Geige geerbt und fragt sich, wie alt sie eigentlich ist. Ohne es zu ahnen, hält er vielleicht ein wertvolles Instrument aus dem 19. Jahrhundert in den Händen. Solche filmreifen Szenen hat Jason Price ­bereits erlebt.

Der Chef des Internetauktionshauses Tarisio wird nächste Woche nach Bern kommen, um Violinen, Bratschen und Celli genau unter die Lupe zu nehmen. Wer mit dem Gedanken spielt, sein Instrument zu verkaufen, kann es von dem Experten nach vorheriger Terminvereinbarung kostenlos schätzen lassen.

Musiker und Amateure

Price, der selbst Cello spielt und bei Geigenbauern in Cremona und Parma in die Lehre ging, gründete sein Auktionshaus 1999 in den USA. Inzwischen pendelt er zwischen den Unternehmenssitzen London und New York, wo jeweils sechsmal im Jahr hochwertige Streichinstrumente und Bögen versteigert werden. «Tarisio arbeitet nach demselben demokratischen Prinzip wie der Onlinemarktplatz Ebay», erklärt Price. «Die Hemmschwellen sind niedriger als bei klassischen Auktionen. Zu unserer Zielgruppe gehören vor allem Leute, die keine routinierten Bieter sind und die sich nur alle zehn oder zwanzig Jahre ein Instrument anschaffen.»

Die Kunden sind zumeist professionelle Musiker oder Amateure, die in dem virtuellen Auktionshaus Instrumente in unterschiedlichen Preislagen finden. Nicht alle sind so teuer wie das Guadagnini-Cello «Ex-Havemeyer» von 1743 (siehe Bild), das im Mai vergangenen Jahres zum Rekordpreis von rund 1,5 Millionen Franken einen neuen Besitzer fand. Oder wie die Stradivari-Violine «Lady Blunt», die im Juni 2011 rund 15 Millionen Franken erbrachte. An den Auktionen von Tarisio, in seinem Sektor mittlerweile weltweiter Marktführer, beteiligen sich Bieter aus mehr als 140 Ländern. Besonders teure Instrumente werden von dem Auktionshaus ausserdem bei Privatverkäufen angeboten.

Instrumente ausprobieren

Der Markt in der Schweiz sei vor allem in den vergangenen zehn Jahren deutlich gewachsen, sagt Price, der mehrmals im Jahr zur Begutachtung von Instrumenten nach Bern und Zürich kommt. In Bern trifft er auch Interessenten, die aus Städten wie etwa Lau­sanne anreisen. «Das Bildungsniveau im Land ist generell sehr hoch, in vielen Familien wird musiziert. Nicht nur Profis, sondern auch Amateure wollen daher Instrumente kaufen oder verkaufen. In der Schweiz findet man bisher aber kaum Händler, die auf ältere Streichinstrumente spezialisiert sind.» Price hat beobachtet, dass die Qualitätsansprüche seiner Kunden gestiegen sind. «Auch eine Gagliano-Geige erzielt heute nur noch dann einen Spitzenpreis, wenn sie in einem einwandfreien Zustand ist.»

Entscheidet sich der Besitzer einer Geige oder eines Cellos bei einem Ortstermin zum Verkauf, kümmert sich Tarisio um den Transport nach London und stellt Fotos mit allen notwendigen Daten auf der Website ein. Kaufinteressenten können die Instrumente nicht nur online ­anschauen, sondern auch in den Proberäumen des Auktionshauses ausprobieren. «Sotheby’s und Christie’s haben nur einen einzigen grossen Showroom. Bei uns können sich die Musiker dagegen zurückziehen und ungestört spielen. Oft kommen beispielsweise Mitglieder eines Quartetts, um gemeinsam den Klang einer Geige zu ­testen. Unser grosser Vorteil liegt darin, dass wir die Bedürfnisse von Musikern genau kennen.»

Bei den Auktionen treten die Bieter wie bei Ebay unter Pseudonym gegeneinander an. Tarisio bietet jedoch die Besonderheit, dass eine Auktion automatisch um eine Viertelstunde verlängert wird, wenn in den letzten zehn Minuten vor dem offiziellen Schluss noch ein Gebot abge­geben wird. Somit können sich Auktionen theoretisch immer weiter verlängern.

Termine für eine kostenlose Instrumentenschätzung am 6. September im Hotel Bellevue Palace können mit Tarisio unter der Telefonnummer 044 586 59 98 oder unter der ­E-Mail-Adresse info.london@tarisio.com vereinbart werden.

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