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Gsundheit!

Der Chlyklass-Rapper Serej ist auch ein vorzüglicher Liedermacher: das zeigte er in der Berner Bar Barbière: Ein Abend zwischen Herzschmerz und Schmelzkäse.

Martin Burkhalter
Liedermacher in Kapuzenpullover: Serej in der Barbière.
Liedermacher in Kapuzenpullover: Serej in der Barbière.
Martin Burkhalter

Serej ist erkältet. Der Schnupfen verleiht seinen leicht pathetischen Troubadour-Liedern einen näselnden Ton. Aber das spielt keine Rolle: Denn hier im Breitsch, in der Barbière, ist man ja unter sich. Sowieso ist die ganze Stimmung ungemein familiär. In der Szene-Quartier-Beiz riecht es nach geschmolzenem Käse. Vorher hat man hier noch Raclette gegessen.

Hinten sitzen die Leute nun und parlieren lautstark wie am Stammtisch. Vorne sitzen sie etwas schläfrig, wohl den Käse verdauend, und lauschen den zarten Balladen, die Cédric Marti alias Serej in einem Kapuzenpullover und Mütze am Klavier sitzend singt und zwischendurch halt auch mal husten muss.

Vielleicht waren die letzten Wochen ja auch ein bisschen viel für ihn. Der 42-jährige Lehrer gehörte einst zu Wurzel 5 und ist noch Mitglied vom Rapkollektiv Chlyklass, das im Januar ein sehnlichst erwartetes neues Album herausbringen wird. «Deitinge Nord» heisst es, und die Vorabsingle «Nümm normau»läuft schon jetzt heiss.

Während Chlyklass pausierte, hat sich Serej als Liedermacher und Chansonnier probiert. Und das mit Erfolg. Zuerst therapierte er sich mit Mani-Matter-Liedern durch eine schwierige Zeit, wie er das einst dieser Zeitung erzählte. Bis er dann mit diesen Interpretationen auftrat und kurzerhand die Berner Mahogany Hall gleich mehrmals füllte. Nach und nach kamen eigene Songs hinzu, bis es zu einem Album reichte. «I hane Idee gha» heisst es und kam letztes Jahr heraus. Mit diesem und einem Repertoire aus Matter-Liedern ist er nun in die Barbière gekommen.

Schon die Begrüssung ist schönste Berner-Liedermacher-Poesie: «I spile mau chly druflos. U irgendwenn mache mir ä Pouse», sagt er und klimpert auf den Tasten. Die vorweihnachtliche Zeit passt gut zu dem, was Serej dem Publikum nun eine gute Stunde lang bietet. Die Lieder handeln von grübelnden Bernern, von der Liebe und anderen Sehnsüchten.

Feinsinnig und witzig, die Grundstimmung ist meist melancholisch, aber mit einem Schmunzeln. Wer es balladesk mag und sein Spezialbier gerne mit Hühnerhaut trinkt, fühlt sich bei Serej in der Barbière wie zu Hause. Der harte Rapper hat nicht nur einen schmelzkäseweichen Kern, er ist auch überaus sympathisch und freut sich über jeden Applaus, wie ein Junge über das Weihnachtsgeschenk.

Den Song «Meitschi», der von einer lebenslangen Liebe handelt, singt er dabei mit einem verliebten Grinsen im Gesicht. «Anyway» ist eine Perle, weil es einen treibenden Grundrhythmus hat und wie eine traurige Rockballade klingt.

Sowieso steht dem verschnupften Serej eine gewisse Verwegenheit sehr gut, die Barfliege-Attitüde und die dazugehörige Raucherstimme passen hervorragend, was sich auch im Song «Eigentlich» zeigt, wo er davon erzählt, wie sich einer schwertut, seine Liebe zu gestehen. Bei den Matter-Klassikern wie «Alpenflug», «Sie hei dr Wilhälm Täll ufgfüert» oder «Dr Hansjakobli und ds Babettli» artet es in der Barbière nicht gleich aus, wie sich Serej das gewünscht hätte.

Zu schwer liegt wohl der Käse in den Mägen auf. Und doch singt oder zumindest summt die halbe Kneipe mit.«Geili Sieche», sagt Serej immer wieder, «I bi druf wine More!» Ja, das war er und ein bisschen erkältet.

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