Gölä im Jodelstrudel

Gölä covert Trauffer und Span: «Urchig – Die beschtä Schwiizer Mundart-Hits» verbindet Pop mit Jodel.

Kühermutz und Krumme: Gölä hat das Schweizer Brauchtum entdeckt.

Kühermutz und Krumme: Gölä hat das Schweizer Brauchtum entdeckt. Bild: PD

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In den Kurven durchs Berner Oberland, zwischen grünen Hügeln und Chalets mit Geranien, den Blick auf die felsigen Berge gerichtet – da lässt sich leicht an Schweizer Brauchtum denken. Es ist die Heimatgegend von Mundartsänger Gölä.

Der von ihm gewählte Treffpunkt für das Interview zu seinem neuen Album «Urchig – Die beschtä Schwiizer Mundart-Hits»: ein öffentlicher Picknicktisch vor dem Krattiger Dorfladen, mit zwei ­angeschraubten Aschenbechern und atemberaubender Aussicht auf den Thunersee.

«Endlich mal ein Album, das ich nicht nur ­veröffentliche, ­sondern auch noch selber hören kann.»

Gölä

Gölä besorgt Plastikbecher und ein paar Dosen Bier. Urchiger gehts nicht.Traditionen? Daran habe er nicht gedacht, als ihm die Idee für «Urchig» kam, sagt Gölä. Das erste Album mit Jodelversionen seiner grössten Hits sei vielmehr «einfach passiert».

Und zwar nachdem ihm sein «Indianer» in der Version mit dem Jodlerklub Echo vom Glaubenberg «richtig krass eingefahren» sei. Und nicht nur ihm: Die Darbietung in der Sendung «Happy Day», der ein Wunschduett der Jodlerin Kathrin Burch mit Gölä zugrunde lag, wurde auf Youtube seither fast drei Millionen Mal angeklickt.

«Es hat mich aus den ­Latschen gehauen»

«Popmusik mit Jodel zu verbinden, wäre mir von selbst nie in den Sinn gekommen», sagt Gölä. Erst als er diese Schwingungen – für ihn etwas Weltverbindendes – selber spürte, die unglaubliche Kraft des Naturgesangs erfuhr, habe es ihn «aus den Latschen gehauen». Und es stand fest: «Ich muss eine ganze Platte machen.»

Der Trailer zum Film: «Gölä urchig» Quelle: www.youtube.com/Urichig Online

Ein geschlagenes Jahr nach dem mit Dreifach-Platin ausgezeichneten Erstling folgt nun die zweite Ausgabe von «Urchig». Darauf kombinieren Gölä und sein langjähriger Produktionspartner Thomas J. Gyger Jodel mit Hits anderer Künstler – etwa «Louenesee» von Span oder «Heiterefahne» von Trauffer.

«Endlich mal ein Album, das ich nicht nur veröffentliche, sondern auch noch selber hören kann», sagt Gölä. Bis nach Portugal hinunter und wieder hoch habe er sich die neuen «Urchig»-Lieder schon zu Gemüte geführt. Und er ist stolz: «Diesmal haben wir es noch besser gemacht.»

Dies dank mehr Erfahrung und dem Simmentaler Jodelmeister Ueli Moor, der die Coversongs mitgemischt und bis ins letzte Detail «jodelgeprüft» hat. Das Projekt sei eine grosse musikalische Herausforderung gewesen, erzählt Gölä – «und nicht etwa, weil wir eine neue Form von Jodel kreiert hätten». Doch die Verbindung der urchigen Schwingungen mit Modernem sei ein «Clash of Civilisations», ein Aufeinanderprallen unterschiedlicher Welten, sagt er.

Was in Wahrheit nur halb zutrifft. Die Originalsongs – darunter «Sternenträumer» von Andrea Berg, «Hüt u itz» von Volxrox oder «Hie bini deheim» von George – haben ebenfalls viel mit volkstümlichen Traditionen gemein.

«Wir sind bereit für Nummer drei»

Den Vorwurf, einen schon länger andauernden Hype nutzen und Traditionen kommerzialisieren zu wollen, lässt Gölä nicht gelten. Ein Projekt wie «Urchig» könne man nur aus Liebe machen.

Denn: Rund 700 Stunden haben er und Gyger mit den 260 Sängerinnen und Sängern aus zehn Chören im Studio gearbeitet – «in dieser Zeit hätte ich locker zwei Gölä-Alben aufnehmen und erfolgreich verkaufen können.»

Dazu komme, dass die Zusammenarbeit mit Jodelchören viel Aufwand bedeute. «Mit ihnen musst du nicht so organisieren wollen, wie man es sich im Musikgeschäft sonst gewohnt ist», so Chef Gölä. Der Chef, dem anfänglich so mancher Jodler skeptisch gegenübergestanden ist.

«Ich musste im Vorfeld ganz genau erklären, was wir vorhaben, was dieses Projekt bedeutet und was die Sängerinnen und Sänger erwartet, dann erst stimmten sie demokratisch über eine Teilnahme ab.»

Die Jodler seien heikel, und er und Gyger seien erst einmal Fremdkörper in ihrer Welt. «Doch jetzt, wo wir ihr Vertrauen gewonnen haben, sind sie glücklich – und wir bereit für Nummer drei.» Denn eins steht fest: Das «Urchig»-Projekt geht weiter, gehauen oder gestochen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.09.2018, 13:44 Uhr

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