Zum Hauptinhalt springen

«Godfathers» Erben im teuflischen Streit

Die Nachkommen von James Brown sind in einen bitteren Streit verstrickt. Derzeit verdienen am Erbe des Godfather of Soul nur pensionierte Lehrer.

Der Streit um das Erbe von James Brown hat sich seit seinem Tod vor 18 Monaten dramatisch zugespitzt. Sechs Kinder bestimmte der Sänger zu seinen Erben, doch fünf fechten das Testament an. Die vierte Ehefrau – eine ehemalige Janis Joplin-Imitatorin – behauptet, der Sänger habe mit ihr ein weiteres Kind gezeugt und es müsse deshalb ebenfalls begünstigt werden. Ausserdem stehen die drei vom Godfather of Soul eingesetzten Willensvollstrecker vor Gericht, weil sie angeblich 14 Millionen Dollar für sich abgezeigt haben. Schliesslich ist ein Anwalt zu berücksichtigen, der das Testament zusammenschusterte, nun aber wegen Mordes für 30 Jahre hinter Gittern sitzt. Zu all dem Übel scheint das Interesse an den persönlichen Utensilien des Sängers rasch zu erlahmen. Eine Auktion von James Brown-Memorabilia durch Christies’ brachte letzte Woche gerade mal 857'000 Dollar ein – dreimal weniger als erhofft.

Anwesen verlottert

Der juristische Hickhack hat bereits derart viele Mittel verschlungen, dass wenig übrig bleibt, um das Erbe des grossartigen Künstlers adäquat aufzubreiten. Der Regisseur Spike Lee wälzte Pläne, das Leben des Sängers zu verfilmen. Er schrieb ein Skript und brachte es in Umlauf, doch wurde das Projekt auf Eis gelegt, weil sich die Nachkommen nicht einigen konnten. Einige Kinder des Sängers hoffen, sein Anwesen auf Beech Island in South Carolina zu einem Museum umzubauen, ähnlich wie dies mit Elvis Presleys Graceland in Memphis gelungen war. Das Projekt gedieh nicht weit, das Haus steht leer und zerfällt; der Wert wird auf weniger als ein Million Dollar veranschlagt.

Keine Godfather-Golfschläger

Eine Fernsehgesellschaft wollte eine Serie mit Nachwuchskünstlern auf die Beine stellen, um «den nächsten Godfather of Soul« zu küren. Die Nachkommen gingen gar nicht erst auf den Vorschlag ein. Ein Enkel des Sängers, der 22 jährige Forlando Brown, hatte mit seinen Plänen bisher ebenfalls keinen Erfolg. Er engagierte einen Investor, der bis zu 100 Millionen Dollar für alle Rechte und Ausbauprojekte hätte aufbringen sollen. Gedacht wurde an eine Show, eine Hotel- und Restaurantkette sowie Golfplätze mit den Markennamen des Sängers. Die Sachwalter des Testamentes, so der Investor Terry Cox, hätten seine Ideen gar nicht erst angeschaut.

Kümmerliche Auktion

Das einzige greifbare Produkt ist eine Slotmaschine mit einem integrierten Video, die eine halbe Million Dollar aus den Musikrechten einspielen soll. Und dann war da noch die Auktion von letzter Woche: Ein Cape ging für 47'500 Dollar weg, ein weiteres ersteigerte für 35'000 Dollar Paul Schaffer, der Chef von David Lettermans Showband. Ein Armband kam für 32'500 Dollar unter den Hammer, es wies auf die Diabetes-Erkrankung des Sängers und seine Penicilin-Allergie hin. Eines der Topstücke der Auktion, die Grammy-Statue für die Single «Living in America« wurde aus unbekannten Gründen zurückgezogen.

Lehrer schlugen 1999 zu Das heillose Durcheinander um das Erbe spiegelt das verschlungene Privatleben des Sängers, aber auch sein Unbekümmertheit in finanziellen Angelegenheiten. Obwohl Brown zu seinen besten Zeiten bis zu 80 Millionen Dollar pro Jahr einspielte, liess er wenig Vermögen zurück. Statt sein gewaltiges musikalisches Erbe aufbereiten zu können, schlagen sich die Nachkommen um das Wenige, was geblieben ist, und werden es wahrscheinlich an die Anwälte verlieren.

Die einzigen, die sicher profitieren, sind Aussenstehende. Die grosse Lehrerpensionskasse des Landes (TIAA Cref) nahm 1999 eine Brown-Anleihe von 26 Millionen Dollar auf und liess sich die Musikrechte des Sängers als Sicherheit geben. Was Brown mit diesem Vorschuss machte, ist unklar. (Der erste, der seine Rechte auf diese Weise versilberte, war David Bowie). Die Anleihe spült den Lehrern pro Jahr rund fünf Millionen in die Kasse. Je nach Musikumsatz dürfte es noch fünf bis zehn Jahren gehen, bevor der Restbetrag von 15 Millionen getilgt ist und die Geldquelle versiegt.

Tröstlich ist nur, dass das Publikum dem Sänger die Treue hält. Seit seinem Tod an Weihnachten 2006 hat sich der Absatz seiner Alben mehr als verdoppelt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch