Gesucht: Freestylende Frauen

Am Freitag findet im Gaskessel die Vorausscheidung für die inoffizielle Schweizer Meisterschaft im Freeystyle-Rap statt. Traut sich nach 2014 endlich mal wieder eine Frau auf die Bühne?

Die Berner Rapperin Sophie alias Yvette Beef nahm 2014 als bislang einzige Frau am «BärnCityAllstars», der Vorausscheidung für die inoffizielle Schweizermeisterschaft im Freeyste-Rap, teil.
Sibylle Hartmann@sibelhartmann

MC-Battle Die Klimawahl war genauso eine Frauenwahl. Im Nationalrat ist der Frauenanteil um 10 Prozent auf 42 gestiegen. Der Frauenstreik, anfangs eher belächelt, hat das Thema wirksam auf die politische Bühne gebracht. Aber längst noch nicht auf alle Bühnen. So etwa in der Musik, wo man zum Beispiel an den grossen Festivals von einer solchen Frauenquote noch nicht mal zu träumen wagt. Und wo es Nischen gibt, in denen der Frauenanteil so gut wie nicht existiert.

Die Rede ist von der Freestyle-Battle im Hip-Hop, die der breiten Masse durch den Film «8 Mile» von 2002 mit Rap-Superstar Eminem ein Begriff ist. Knapp zwanzig Jahre später gibt es in den Vereinigten Staaten durchaus auch Frauen an solchen Battles, wo jeweils zwei MCs gegeneinander antreten und sich im Vierzeilentakt einen verbalen Schlagabtausch liefern.

Aber diese Vorbilder sind dann doch etwas gar weit weg. In den ganzen siebzehn Jahren, seit es die «Ultimate MC Battle», die inoffizielle Schweizer Meisterschaft im Freestyle-Rap, gibt, hat sich mit Sophie vom Berner Rap-Kollektiv Chaostruppe genau eine einzige Frau auf die Bühne getraut. Angetreten war sie im Jahr 2014 bei der Vorausscheidung in Bern unter dem grandiosen MC-Namen Yvette Beef – und hat es dortbis ins Halbfinale geschafft.

Eine Mentalitätsfrage

Seit ihrem Auftritt macht Baldy Minder, der Gründer der «Ultimate MC Battle», Jahr für Jahr einen Aufruf, um Rapperinnen zu finden, die sich in den Battle-Ring trauen. «Es ist in erster Linie eine Mentalitätsfrage. Man muss schon dafür gemacht sein, richtig austeilen, aber genauso einstecken zu können», sagt Minder. Und diese Züge seien unter Frauen einfach seltener zu finden. «Frauen prügeln sich ja auch nicht.»

Dass sich Frauen generell weniger in den Vordergrund drängen, ist für Minder auch eine Erklärung, warum der Frauenanteil in der ganzen Musikbranche so tief ist. Und was ist mit der Tatsache, dass Frauen untereinander eigentlich viel grössere Konkurrenzkämpfe haben als Männer? «Ja, das stimmt, aber Männer sagen sich auch sonst eher etwas mitten ins Gesicht, und Frauen tun dies eher ‹hingedüre›.»

Oder haben Frauen an einer Veranstaltung, wo es im übertragenen Sinn um den Vergleich der Penislänge geht, schlicht nichts verloren? Sophie alias Yvette Beef habe ihre Gegner bei den Eiern gepackt und sie mit den eigenen Waffen geschlagen, erzählt Baldy Minder. Es geht also doch. Drum auch hier der Aufruf: Wo ist die nächste Yvette Beef?

«BärnCityAllstars», Berner Vorausscheidung für das nächste «Ultimate MC Battle», Freitag, 1. November, 22 Uhr, Gaskesseln Bern.

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