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Gehirnakrobatik und Groove vom Planeten Mars

Der Jazzer Steve Coleman hat sein neues Album im Internet veröffentlicht. Auf seiner Website gibt es auch sein Gesamtwerk. Gratis.

Die Wortmeldung lässt aufhorchen. Vijay Iyer, selber eine führende Stimme im heutigen Jazz, spricht im amerikanischen Jazzmagazin «Downbeat» im Superlativ. Es sei Steve Coleman, der seit John Coltrane den substanziellsten Beitrag zum Jazz geliefert habe. Kein anderer sei so innovativ und so kreativ gewesen. Kein anderer habe so breit gearbeitet und so breit ausgestrahlt. Vijay Iyer weist so auf einen überragenden Musiker hin, den man in Europa fast vergessen hat. Dabei ist kaum ein Musiker so leicht kennen zu lernen wie dieser Steve Coleman. Auf seiner Website gibts fast das ganze Werk des 1956 in Chicago geborenen Musikers im Download. Gratis. Auch künstlerisch ist Steve Coleman immer noch umtriebig. Er tourt, gibt Workshops. Nimmt Platten auf, wie «The Mancy of Sound», sein jüngstes Werk.

Dass Coleman wie vom Erdboden verschluckt schien, hat einen simplen Grund. Er ist nicht mehr, wie zwischen 1990 und 2000, bei BMG unter Vertrag, einem Major-Label. So wurde er zu einer Legende, an die man sich erinnerte, die aber nicht mehr präsent war. Man sprach von ihm in historischen Zusammenhängen, und wer ihn in den 90er-Jahren sah, in der Roten Fabrik in Zürich oder am Jazzfestival in Willisau, wusste, dass er seinen Platz in der Geschichte hatte. Wer ihn damals hörte, war perplex. So perplex, wie Steve Coleman es einst selbst wohl war, als er die Musik von Bebop-Pionier Charlie Parker erstmals hörte: Wie vom Planeten Mars sei sie ihm vorgekommen.

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