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«Geeignet für Hörende und Nichthörende»

Das Performanceduo Jonathan Burrows und Matteo Fargion präsentiert als Artists-in-Residence drei Stücke. Im Schlachthaus-Theater übersetzten sie ­Morton Feldmans Stück «For John Cage» in Bewegung. Ist das noch Tanz?

Matteo Fargion und Johnathan Burrows brachten das Publikum am Musikfestival «in einen Rahmen gesetzte Ungeschicklichkeit» zum Nachdenken.
Matteo Fargion und Johnathan Burrows brachten das Publikum am Musikfestival «in einen Rahmen gesetzte Ungeschicklichkeit» zum Nachdenken.
zvg/Ben Parcs

Vereinzelt lacht jemand im Publikum in gekünstelter Euphorie laut auf. Ansonsten herrscht andächtige Stille. «Geeignet für Hörende und Nichthörende» ist die Performance «Both Sitting Duet» laut Programmheft. Die Performer Johnathan Burrows und Matteo Fargion sind Artists-in-Residence am diesjährigen Musikfestival Bern. «Irrlicht» lautet das Motto, das den Besucher musikalisch «dorthin führen will, wo er noch nie war».

Challenge fürs Publikum

Irritation – das gelingt dem britischen Choreografen Burrows und dem italienische Komponisten Fargion am vergangenen Donnerstag im Schlachthaus zwei­felsohne. Auf rudimentären Holzstühlen sitzend, setzen sie während langer 35 Minuten Note für Note und Takt für Takt Morton Feldmans Stück «For John Cage» in Bewegung um. Da arbeiten sich offensichtlich zwei Aficionados an der Avantgarde ab. Oder sind wir in einem Workshop für Musikologen?

«Both Sitting Duet» besteht aus minutenlangem Fingerspitzenberühren, Wegwischbewegungen, hochgehaltenen Händen, Zuckimpulsen, Fäusten, Fin­gerzählübungen und am Ende ein wenig bellendem Gesang. Halleluja, ist das verschroben!

Gewollt ungeschickt

Während der ganzen Performance liegt am Boden die Partitur, deren Seiten in regelmässigen Abständen gewendet werden. Mal scheinen die beiden Performer aufeinander zu reagieren, mal drehen sie sich um ihre eigene Achse, mal heben sie die Arme, als würden sie Balletttänzer karikieren. Am Ende steht ein letztes ironisches Fingerschnippen. Ist das Tanz? Ungeschickt und ­peinlich?

Das ist Programm, wie man im anschliessenden Publikumsgespräch erfährt. Die Künstler sprechen von «Framed Awkwardness» – was sich mit «in einen Rahmen gesetzte Ungeschicklichkeit» übersetzen lässt. Gertrude Stein wird zitiert und Schubert besprochen. Und etwas sehr Irritierendes lässt sich beobachten: Fargion trommelt und zählt während des Gesprächs immer wieder auf seinen Fingern. Visualisiert er womöglich gerade Beethovens Neunte?

Musikfestival Bern: bis 10. September. www.musikfestivalbern.ch

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