Funky Schnitzel

Soundcheck

The New Movement zeigten im Bären Buchsi, wie man den Groove ins neue Jahrtausend holt.

Groovy! Funky! The Next Movement! Foto: o.h.

Groovy! Funky! The Next Movement! Foto: o.h.

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Man weiss gleich, dass man unter Gleichgesinnten ist,wenn Drummer und SängerJ.J. Flueck das Konzert mit den Worten beginnt: «Das Schnitzel war köstlich. Zeit, sich ein bisschen zu bewegen.» Offensichtlich sind die drei Typen von The Next Movement nicht die Einzigen, die sich vorab unten im Restaurant lukullischen Freuden hingegeben haben.

Zu diesem Zeitpunkt sitzen nämlich die drei Dutzend Zuschauer noch ver­dauend und leicht schläfrig auf ihren Stühlen und Sofas hinten im Konzertlokal und nippen an ihren Getränken. Aber das gehört schliesslich zum Konzept des Bären Buchsi, wo die Schnitzel die Kultur seit zwanzig Jahren quasi quersubventionieren. Aber J.J. Flueck muss nicht zweimal bitten, man möge doch etwas näher rücken.

Bereitwillig bilden die Zuschauer gleich einen Halbkreis um die schmucke Bühne, und dann wird niemand mehr auch nur eine Sekunde daran denken, sich je wieder hinsetzen zu wollen. Am Schluss werden die obersten Hemdknöpfe offen, die Wangen gerötet und die T-Shirts nass sein.

«The hardest working backing band». So kennt man das Trio bestehend aus J.J. Flueck (Vocals, Drums), Pascal Kaeser (Bass, Vocals) und Sam Siegen­thaler (Gitarre, Vocals) eigentlich – als J.J.s Hausband und somit Rhythm-Section von Leuten wie Greis, Steff La Cheffe oder Manillio. Geliebt und verehrt sind sie auch als die wilden Hunde der «James Brown Tribute Show».

Fünfzehn Jahre lang gehören sie schon zur Szene. Nie hatten sie die Zeit, ihr eigenes Ding zu machen – bis vor gut einem Jahr. Da brachten sie als The Next Movement (TNM) endlich ihr erstes Album «Loud» heraus. Inzwischen sind sie mit ihrer neuen EP «No Sleep till Paradiso» auf Tour.

Quelle: Soundcloud/TNM

Ein bisschen aus der Zeit gefallen ist das Ganze ja schon hier im Bären Buchsi. Die holzvertäfelte Bar erinnert an eine Flüsterkneipe aus Prohibitionszeiten. Die Drinks sind stark, das Licht schummrig. Das Konzertlokal mit schweren samtroten Vorhängen ausgestattet. Auch TNM kümmern sich wenig um Zeitgemässes. Groove und Funk heissen die Götter, denen bereitwillig Opfer dargebracht werden. Später wird James Brown kurz über das rote Telefon, das da auf der grossen Trommel steht, anrufen und seinen Respekt zollen.

J.J. Flueck trägt eine Art schwarzgrünen Pyjama mit asiatischen Zeichen und Drachen drauf. Gitarrist Sam Siegenthaler trägt Vollbart und so was wie ein indisches Gebetstuch um die Schultern. Das Motto des Abends ist somit klar: Everything goes, nur keine Konformität. Flueck sagt es nach einem funkigen «Like a Rolling Stone»: «Ruft die Radiostationen an, und wünscht den Song, sonst spielen die eh nur wieder «Büetzer Buebe.»

Sowieso ist der Zeitgeist irgendwie Thema an diesem Abend. TNM haben einen mobilen CD-Verkaufsstand mitgebracht, der auch Salatgurken in der Auslage hat, als Referenz zum Song «Cucomber». «Wir haben festgestellt, dass sich Gurken weit besser verkaufen als CDs», so Flueck.

«Wednesday She Left», die einzige Ballade auf dem Album, hat Hitpotenzial. Quelle: Soundcloud/TNM

Auch musikalisch ist schnell einmal klar, dass sich die drei wenig darum scheren, was heute in den Playlisten geliked wird. Ihre Songs «Dreamer», «Voodoo», «I Wanna See You Move» oder das soulige «Superfly» sind ganz selbstverständlich von den guten alten Seventies befruchtet – da funkeln neben Prince gar Bootsie Collins und freilich Curtis Mayfield mit. Und doch sind ihre Songs auf eigentümliche Weise von heute.

Und TNM können auch Hip-Hop, und sie zeigen, wie man 1990er-Jahre-R’n’B elegant ins neue Jahr­tausend herüberholt: Der Song «Wednesday She Left» hat Hitpotenzial: smooth, groovy, ein bisschen trashig und ge­rade deshalb so sexy. So war das im Bären Buchsi. Da bleibt nur noch eines zu sagen: Play that funky music, white boy!

Nächstes Konzert im Bären Buchsi: Fogosch, mit Patent-Ochsner-Trompeter Daniel Woodtli, Sa, 18.5., 21 Uhr.

Berner Zeitung

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