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«In die Nase pinkeln» und die Freundin Schlampe nennen

SRF bot gestern Schweizer Rappern eine Bühne. Gingen sie zu weit?

Tim Wirth
Der «Cypher» hat sich als Event der Schweizer Rapszene etabliert. Hier performen 24 Dias am «Cypher 2018». Foto: Alan Sahin (SRF)
Der «Cypher» hat sich als Event der Schweizer Rapszene etabliert. Hier performen 24 Dias am «Cypher 2018». Foto: Alan Sahin (SRF)

«Auch dieses Jahr gab es sexistische Ausreisser», sagt Pablo Vögtli. Er hat gestern den «Virus Bounce Cypher» von SRF moderiert, bei dem über 80 Schweizer Rapperinnen und Rapper aufgetreten sind. «Bei ein paar Texten habe ich mir an den Kopf gegriffen», sagt Vögtli. Der Aargauer «24 Dias» etwa bezeichnet eine ganze Strophe lang eine Freundin als Schlampe.

Mehr als sieben Stunden dauerte der «Virus Bounce Cypher» 2020. Hier kann er in voller Länge nachgeschaut werden. (Video: SRF)

Tilt von der Berner Chaostruppe rappte: «Und bini z high zum wixe den figgi dini Schwost» oder «Dini Muetter loht sich für gratis Züpfe it Nase brünzle.» Pablo Vögtli sagt, er würde niemals in die Kunst der Interpreten eingreifen. Ausserdem sei der Kontext wichtig. Zudem habe es viele Statements gegeben, die genau in die andere Richtung gingen. Der Rapper Benji Bonus forderte etwa gleiche Löhne.

Nemo startete am Cypher durch

Das Treffen der Schweizer Rapszene hat gestern zum siebten Mal stattgefunden. Während mehr als sieben Stunden traten Rapperinnen und Rapper in allen Landessprachen auf. Alle ihre Songs sind noch nicht veröffentlicht, so ist die Regel. Auf einem Livestream konnten die Zuschauer den Abend verfolgen. Im vergangenen Jahr haben 75'000 Menschen zugesehen.

Livio Carlin und Pablo Vögtli haben den «Virus Bounce Cypher» moderiert. (Foto: SRF)
Livio Carlin und Pablo Vögtli haben den «Virus Bounce Cypher» moderiert. (Foto: SRF)

«Es ist wirklich geil, was ihr für die Kultur unseres Landes macht», sagte Stress und legte dann mit seinem Rap los. Der «Cypher» hat sich etabliert. Auch gestern nahmen wieder grosse Namen teil: Mimiks, Tommy Vercetti, KT Gorique oder Knackeboul etwa. «Mimiks und Lo waren wieder unglaublich», sagt Pablo Vögtli, aber er könne so kurz nach dem Event noch keine objektive Wertung abgeben.

Sehr wichtig ist der Event auch für weniger bekannte Künstler. Dem Bieler Nemo gelang hier 2016 der Durchbruch. Im Alter von 16 Jahren überzeugte er selbst gestandene Rapper – das Video seines Auftritts ging viral. Seither hat er auf den Bühnen der grossen Open Airs gespielt und vor einem Jahr vier Swiss Music Awards abgeräumt.

Durch seinen Auftritt am «Cypher» wurde Nemo einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Danach startete er durch. (Video: SRF)

«Es ist wirklich geil für die Kultur unseres Landes, was ihr macht», sagte Stress am «Cypher», und rappte dann. (Video: SRF)

Auch am «Virus Bounce Cypher» 2020 gab es viele Newcomer. Die Zürcherin Naomi Lareine etwa, die SRF 3 als Best Talent erkoren hat. Ihre Musik bewegt sich zwischen Soul, R’n’B und Electropop. Am «Cypher» rappte sie auf Englisch. Oder Manuel Gagneux. Der Basler ist durch sein Projekt «Zeal & Ardor» bekannt geworden, einer Mischung aus Gospel und Black Metal. Gestern trug er seine Raptexte in Dialekt vor.

Eigentlich macht Manuel Gagneux als «Zeal & Ardor» Metal. Am Cypher rappte er. (Video: SRF)

Keine Zensur

Die Bandbreite der Texte beim «Cypher» ist riesig. Einige verachten Frauen und verherrlichen Gewalt. «Der Spiegel» hat kürzlich eine Debatte über Gangsterrap ausgelöst. Capital Bra, Farid Bang, Raf Camora und weitere machen einen riesigen Umsatz mit ihren Songs über Frauen, Autos und Waffen.

Manuel Thalmann, Bereichsleiter Jugend, sagt zum «Cypher»: «Die teilweise harte Sprache ist ein Teil der Ausdrucksform im Rap. Wir möchten nicht zensieren und der Kreativität der Rapperinnen und Rapper freien Lauf lassen.» Viele Wörter würden häufig als Synonym für etwas anderes stehen, was sie vorgeben. Ausserdem thematisiere SRF Virus die Sprache des Raps immer wieder und ordne sie ein.

Auch politische Referenzen gab es am «Cypher»: 1. Mai, Solidarität mit Rojava, Enteignung. Der Rapper Knackeboul schreit «I bin Antifa» ins Mikrofon, nachdem er seinen Track beendet hat. Manuel Thalmann von SRF verweist auf die Meinungsfreiheit. Moderator Pablo Vögtli sagt: «Die Frage, ob wir einen Rechts-Rapper einladen würden, musste ich mir bis jetzt nicht stellen.» Noch nie sei einer musikalisch interessant genug gewesen.

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