Eine wortreiche musikalische Feier

4000 geladene Gäste füllten den Greater Grace Temple in Detroit. Zahlreiche Musikgrössen würdigten die am 16. August verstorbene Queen of Soul.

Ex-Präsident Bill Clinton bezeichnete sich an der Trauerfeier als Aretha-Franklin-Groupie. Fotos: Reuters

Ex-Präsident Bill Clinton bezeichnete sich an der Trauerfeier als Aretha-Franklin-Groupie. Fotos: Reuters

Bea Emmenegger@BeaEmmenegger

Hillary und Bill Clinton betraten die Baptistenkirche früh und wurden von den bereits Anwesenden mit einer Standing Ovation begrüsst. Dann stand der Ex-Präsident und wartete, bis die lange Schlange vor der Tür kürzer wurde und die Kirche voller. Es dauerte über zwei Stunden.

Video: Letzte Ehre für Aretha Franklin

Trauer um eine grosse Sängerin: Aretha Frankling wurde in Detroit die letzte Ehre erwiesen. (Video: Reuters)

Die Trauerfeier für Aretha Franklin war auf fünf bis sechs Stunden veranschlagt – denn «eine Frau wie Aretha, ein Leben wie ihres kann nicht auf die Schnelle gewürdigt werden», wie Hausherr Bischof Charles H. Ellis III. anmerkte.

Bill Clinton musste noch einmal fast zwei Stunden warten, bis er der Trauergemeinde erzählen konnte, dass er und Hillary «Aretha Groupies» waren, als Franklin ihren Durchbruch hatte, und daran erinnerte, dass sie anfangs kämpfen musste. Nach zwölf Minuten hielt er sein Smartphone ans Mikrofon und spielte «Think» ab.

Die Ex-Präsidenten Barack Obama und George W. Bush liessen Kondolenzschreiben verlesen, der amtierende wurde erwähnt, weil er R-E-S-P-E-C-T habe vermissen lassen, als er sagte, sie habe für ihn gearbeitet. «Sie ist für ihn aufgetreten. Gearbeitet hat sie für uns alle!», sagte Reverend Al Sharpton.

Park wird nach ihr benannt

Die Anwesenden waren gleicher Meinung. Aretha Franklins Rolle für die schwarze Bürgerrechtsbewegung wurde hervorgehoben, auch ihre Bedeutung als erste Frau in der Rock ’n’ Roll Hall of Fame, als schwarze Feministin in einer von weissen Männern beherrschten Welt, wie es Sharpton formulierte.

Ein Fan nimmt Abschied. Foto: Leah Millis (Reuters)

Country-Sängerin Faith Hill trat als erste der zahlreichen angekündigten Stars auf, gefolgt von Ariana Grande, deren Interpretation von «A Natural Woman» zuvor bei «Jimmy Fallon» Franklins Familie gerührt hatte. Bevor Smokey Robinson sich mit ein paar Takten des Songs «Really Gonna Miss You» an seine Freundin aus Kindertagen erinnerte und zahlreiche Familienmitglieder über ihre Mutter, Tante und Grossmutter sprachen, versprach der Bürgermeister von Detroit, Chene Park am Detroit River in Aretha Franklin Park umzubenennen. «Da hat sich jemand die Wiederwahl gesichert», scherzte Bischof Ellis und kündigte – nicht zum ersten Mal – Abweichungen vom Programm an.

Spalier mit Pink Cadillac

Die Reden von kirchlichen und politischen Würdenträgern aus Detroit waren zahlreich, Aretha Franklin war der Motor City stets verbunden geblieben. Und in Anspielung auf Franklins Hit «Freeway of Love» waren aus ganz Amerika Fahrer von pinkfarbenen Cadillac nach Detroit gerollt und hatten sich vor der Kirche postiert.

130 Pink Cadillac rollten nach Detroit, um Aretha Franklin zu ehren. Foto: Foto: Leah Millis (Reuters)

Eine Programmänderung hatte auch die Familie vorgenommen: Sie entschied, nicht nur geladenen Gästen, sondern auch 1000 Fans Zugang zur Kirche zu gewähren. Tausende campierten daraufhin vor dem Kirchenportal. Wer keinen Platz im Innern fand, verfolgte die Trauerfeier auf der Grossleinwand draussen.

Es brauchte Geduld: Nach fünfeinhalb Stunden trat Reverend Jesse Jackson ans Rednerpult und sprach länger als Bill Clinton. Stevie Wonder wartete sieben Stunden nach Beginn noch auf seinen Auftritt.

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