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Ein Wechselbad der Gefühle

Konstantin Weckers Konzert im Schadausaal war eine Wucht. Seine mal tieftraurigen Lieder, mal humoristischen Texte versetzten das Publikum auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Innig und emotionsgeladen singt Konstantin Wecker seine Lieder. Dank seiner einnehmenden Bühnenpräsenz schickt er das Publikum auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Innig und emotionsgeladen singt Konstantin Wecker seine Lieder. Dank seiner einnehmenden Bühnenpräsenz schickt er das Publikum auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Markus Hubacher

Es dauert keine fünf Sekunden, da hat Konstantin Wecker das Publikum im ausverkauften Schadausaal schon in der Tasche. Vielleicht liegt es an seiner väterlichen Ausstrahlung, vielleicht an seiner mal kernigen, mal samtweichen Stimme, vielleicht an seiner Nahbarkeit. Wohl an allem ein bisschen, und auch daran, dass sich das Publikum ohnehin aus vielen Wecker-Fans zusammensetzt. Und wer noch kein Fan ist, sollte es im Verlauf des Abends werden.

Mit sich, Gott und der Welt – und Jo Barnikel

Eigentlich war Wecker «allein mit sich, mit Gott und der Welt» angekündigt. Doch weil er – Wecker – sich vor einigen Wochen an der Schulter verletzt hat, muss er momentan aufs Klavierspielen verzichten. Nebst Gott und der Welt leistet dem Münchner daher auch sein «musikalisches Alter Ego» Jo Barnikel am Flügel Gesellschaft auf der Bühne. Es ist nicht nur ein Konzert, das die beiden darbieten, sondern auch eine Lesung.

Konstantin Wecker zitiert immer wieder Passagen aus seiner Autobiografie «Die Kunst des Scheiterns»: Anekdoten über Ausreissversuche, Schilderungen seiner Konflikte mit dem Gesetz, Erzählungen von seiner jugendlichen Ambition, mit Musik und Poesie die Welt zu verändern. Diese hat Wecker, der überzeugte Pazifist, bis heute nicht aufgegeben. Nicht von ungefähr besingt er in seinen Liedern jene, die sich gegen Missstände auflehnen.

Das Lied «Die weisse Rose» ist Sophie und Hans Scholl gewidmet, die kurz vor dem Ende des Naziregimes in München hingerichtet wurden: «Ihr habt geschrien, wo andre schwiegen, obwohl ein Schrei nichts ändern kann, ihr habt gewartet, ihr seid geblieben, ihr habt geschrien, wo andre schwiegen – es ging ums Tun und nicht ums Siegen», lautet der Refrain. Es ist nicht das einzige Mal, dass es im Schadausaal mucksmäuschenstill ist.

Wecker, ein Idealist durch und durch

Natürlich ist Wecker auch im aktuellen Programm «Wut und Zärtlichkeit» hochpolitisch. Er kritisiert den Kapitalismus, das System generell, spart nicht mit Seitenhieben. Man ist geneigt, ihn als «Alt-68er» abzutun, wäre da nicht die Aufrichtigkeit, mit der Wecker seine Haltung vertritt.

Wer so tief aus dem Herzen spricht, hat Gehör verdient. Erst recht, wenn er dabei so selbstkritisch bleibt wie Wecker. Er weiss sehr wohl, dass seine Vorstellung einer gerechten Welt utopisch ist. Doch: «Eine Weltkarte, auf der das Land Utopia fehlt, ist keines Blickes würdig», zitiert er Oscar Wilde.

Ein Sprung ins Wechselbad der Gefühle

Konstantin Wecker brilliert bei seinem letzten Auftritt auf der aktuellen Schweiz-Tournee als mitreissende Bühnenpersönlichkeit. Von launigen Einsprengseln wechselt er zu berührenden Balladen, zu aufrührerischen Texten, zu sehr persönlichen Geschichten. Das Publikum lacht, weint, empört sich, es fühlt unmittelbar mit. Wecker taucht die Gäste in ein Wechselbad der Gefühle. Und das ganz ohne Pomp und Getöse, ohne irrwitzige Lichteffekte und durchgestyltes Showkonzept. Das gelingt ihm, weil er auf der Bühne einfach echt wirkt und ehrlich und schlicht.

Schlichtheit ist eines der Credos, das der gross gewachsene Bayer in manchem Lied besingt, und Schlichtheit ist es auch, was sein Konzert zu einem Erlebnis werden lässt. Und seine väterliche Ausstrahlung, seine mal kernige, mal samtweiche Stimme, seine Nahbarkeit.

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