Ein Ast treibt neue Blüten

Ein Rebell wird erwachsen: Florian Ast zeigt sich auf seinem neuen Album «Kurz&Bündig» von seiner ruhigen Seite. Im Gespräch macht der frischgebackene Vater reinen Tisch - mit der Vergangenheit und dem Jetzt.

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Am Freitag erscheint nach drei Jahren Ruhe um Ihre Person ihr zehntes Album «Kurz&Bündig». Deshalb sind Sie in diesen Tagen ein vielgefragter Mann. Wie stressresistent und medienfreundlich sind Sie noch? Promotouren und Medientermine sind ein Teil meines Jobs. Stressig sind nur die Fahrten von Termin zu Termin. Ich bin sehr medienfreundlich und dankbar, dass ich als Musiker arbeiten kann. Es ist schön, dass sich die Leute und die Medien sich für meine Musik interessieren. Das weiss ich zu schätzen.

Sie haben Sich im Jahr 2013 nach 18 Jahren aus dem Musikgeschäft zurückgezogen. Wie haben Sie die letzten drei Jahren verbracht? Es war nicht so, als hätte ich in den letzten drei Jahren nichts gemacht. Ich habe vor allem im Hintergrund an meinem neuen Album gearbeitet und mir ein zweites Standbein als Musikproduzent aufgebaut. In dieser Zeit habe ich auch Unplugged-Konzerte gespielt. Diese Auftritte im kleinen Rahmen waren eine schöne, neue Erfahrung. In diesen Momenten geht es wirklich nur um Musik. Das war vorher nicht immer so. Meine privaten Geschichten mischten immer mit. Daran war ich natürlich auch selber schuld.

Sie haben tatsächlich seit ihren Anfängen polarisiert. Damit haben Sie sich einen grossen Fankreis, aber auch viele Kritiker erschaffen. Was würden Sie heute nicht mehr sagen wollen? Man kann nichts, was man gesagt oder gemacht hat, jemals wieder ändern oder zurückziehen. Die ersten 18 Jahre konnte ich mein Privatleben von meinem Leben als Musiker trennen. Irgendwann gelang mir das nicht mehr. Ich habe gelernt, dass dieser Schutz wichtig ist und will mein Privatleben nun für mich behalten.

Seit Anfang Jahr sind Sie wieder im Gespräch. Sie sind Vater geworden. Wie haben Sie sich in Ihre neue Rolle eingelebt? Sehr gut. Ich bin sehr, sehr glücklich darüber, ein Kind haben zu dürfen. Für mich ist es die schönste Erfahrung, die es gibt.

In derselben Zeit haben Sie an Ihrem neuen Album «Kurz&Bündig» gearbeitet. Wie haben Sie es geschafft, als frischgebackener Vater alles unter einen Hut zu kriegen? Es war alles Zufall und hat sich so ergeben. Ich muss, wie jeder andere Vater auch, arbeiten und habe immer wieder Feierabend. Nur habe ich das Glück, dass ich meine Arbeitszeiten selber einteilen kann. Die Konzerte finden vor allem an den Wochenenden statt. In der Schweiz ist es nicht möglich, zwei Monate am Stück auf Tournee zu gehen. Ich habe ein Familienleben wie jeder andere auch.

Was mögen Sie am Familienleben besonders? Es gibt einem Halt.

Im neuen Song «I dräiie mi» hört man heraus, dass Sie sich nach turbulenten Jahren selbst gefunden haben. Wie haben Sie das geschafft? Der Song ist nicht so autobiografisch, wie er vielleicht scheint. Ich beobachte sehr viele Menschen und habe festgestellt, dass viele Leute im Leben einmal eine Krise haben. Bei manchen läuft es nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben, andere verlieren sich selber und sagen irgendwann: «Das bin ja nicht ich.» Es ist wichtig, dass man den Boden unter den Füssen findet. Nur so kann man sicher durchs Leben gehen.

Sie mussten öfters «Ade säge». So heisst auch einer der neuen Songs. Sie scheinen sich mit Abschieden abgefunden zu haben und können in diesen auch Positives erkennen. Ist dies wirklich so oder sind Sie Abschieden nicht langsam überdrüssig? Abschiede sind nie schön. Es ist aber wichtig, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt und diese nach einer gewissen Zeit mit Abstand betrachtet. Es ist nie nur jemand schuld, für ein Beziehungsende braucht es immer zwei. Ich finde es einfach schön, wenn ein Paar in Frieden auseinander gehen und später vielleicht wieder miteinander reden kann.

Der Song handelt also nicht von Ihnen? Nein, ich habe nicht über mich geschrieben. Man stellt mich oft als Super-Casanova dar. Ich habe von mir, unter anderem wegen meiner Beziehung zu Francine Jordi, Reden gemacht. Von mir weiss man von zwei Beziehungen, ein Casanova aber hat mehr davon.

Auf dem neuen Album wirken Sie reifer, erdiger und sanfter als auf Ihren Voralben. Wo ist der Rebell geblieben? Es hat viel mit dem Alter zu. Wenn man 40 ist, ist man einfach nicht mehr 20. Im Moment habe ich das Bedürfnis, authentisch zu bleiben. Es würde nicht mir entsprechen, wenn ich mich anders geben würde, als ich bin. Klar, mit 20 habe ich dies gemacht, aber diese Zeit ist vorbei.

Der ultimative Rock-Song, der sich bis jetzt immer auf Ihren Alben finden liess, um das Publikum anzuheizen, fehlt. Wie werden Sie das Publikum in Schwung bringen? Ich schliesse nicht aus, dass ich wieder rockigere Songs komponieren werde. «Kurz&Bündig» ist nun aber ein ruhiges Album. Für die Konzerte werde ich aber auch die neuen Songs rockiger gestalten.

Werden Sie mit den alten Hits auftrumpfen? Natürlich werde ich meine älteren Songs live weiterhin spielen. Wenn ich ein Konzert besuche, erwarte ich vom Künstler, dass er seine grössten Hits spielt, sonst bin ich enttäuscht. Aber alle gehen leider nicht. Da sind anderthalb Stunden einfach zu wenig. Der Song «Bali» hört sich nach ihrem persönlichen Hit an: Ist «Bali» ein heimlicher Heiratsantrag an ihre Partnerin? (Lacht). Ich war noch nie in Bali und habe einfach als Träumer und Romantiker einen Song geschrieben. Als der Song fertig war, landete ich aber wirklich in Bali und das Witzige an der Geschichte ist: Die Insel hat mir bis auf eine Ausnahme gar nicht gefallen. Man muss also nicht so weit fliegen, um Ferien zu machen.

Florian Ast: Rolling Stone

Quelle: Youtube

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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