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Die Wilden

Frankie Safari überfallen die Berner Mattebrennerei.

Laut, schräg, cool: Frankie Safari.
Laut, schräg, cool: Frankie Safari.
Nina Kobelt

«All good things are wild and free», sagt man, alle guten Dinge sind wild und frei. Ein schöner Gedanke, und man muss ihn nicht zwingend in der Natur haben. Es kann durchaus auch in der Stadt passieren, genauer in der Berner Mattebrennerei, dass einem derlei philosophische Gedanken um die Ohren fliegen. Was ja dann fast noch aufregender ist.

Direkt aus der Wildnis – und das ist eine Anspielung auf ihr Album «From the Wild Frontier» – in die Brennerei kamen am Samstag Frankie Safari. Ja, was heisst kamen? Plötzlich waren sie da, als die Vorband spielte, sie drängten sich durch sehr viele Leute auf sehr kleinem Raum, wurden an der Bar gesichtet, im oberen Stock, wo auch immer. Ja, fast schien es, als ob sie aus den Ritzen der alten Gemäuer gekrochen oder vom Ufer der Aare hinauf­geschlichen wären. Dottore Safari, Mr. Haymito, Monsignore Dies und Jungle Matsumi, die es nicht so mit richtigen Namen haben. Sie sind so frei.

Die exotischen Tiere feierten Album-Release, der zweite (im Dezember geschah es in Biel): Frankie Safaris erste, neue Platte wurde getauft, und das ist wörtlich zu verstehen, Bier kam irgendwann ins Spiel und Vinyl auch, wie es sich für eine richtige Rock-’n’-Roll-Band gehört. Alles auf wie erwähnt wenigen Quadratmetern – die beste Sicht hatten wohl die Ginflaschen, die an der Decke in der Mitte des Raums in einem Vogelkäfig fröhlich hin und her schaukelten.

Nun bedeutet Frankie Safari, um es in ihren eigenen Worten zu sagen, «Garage Punk der 60er-Jahre, zu den unwegsamen Feldern der Stoner-Wüste und den wilden Heimatländern des Rhythm ’n’ Blues – mit einer Verschnaufpause im Surf-In». Weiter läuft es darauf hinaus, dass man sich bewusst ins Chaos begibt – es ist nicht so, dass die Band wild drauflosspielt, es sieht aber zu jedem Zeitpunkt so aus.

Frankie Safari heisst aber auch, dass man sich auf ein vielleicht düsteres, aber grossartiges Rahmenprogramm einlässt. Im ersten Stock der Brennerei fand noch Jahrmarkt statt, weit vor dem eigentlichen Konzert, zu einem Zeitpunkt, als allenthalben noch Pläne geschmiedet wurden für den weiteren Verlauf des Abends und die Zukunft allgemein. Diese konnte man sich nicht lesen lassen, aber so etwas wie eine Antwort bekommen auf eine Frage, die man einer gewissen Buglady stellte. Die Berner Künstlerin zeichnet mit Vorliebe Insekten, ihre Käfer-Tarotkarten sind hübsch anzusehen. Wie das Stinkkäferkleid der Designerin von Couture Lui Luis, die auch herumschwirrte zwischen dem Merch-Stand (mit dem Comic zu «From the Wild Frontier») und R.J.s Tattooshop.

Zurück zum Konzert. Das war laut. Viel Gitarre, Drums, Lärm, Stimme. Die Band versprühte – die schaukelnden Ginflaschen würden das bestätigen, wenn sie denn sprechen könnten – dunkle Lebenslust, seltsamerweise recht nachhaltig. Vielleicht, weil man gelernt hat, ruhig zu bleiben, wenn einem etwas auf den Kopf tropft (selber schuld, wenn man unter einem Rohr steht), oder aber sich nachher fragt, ob man sich eventuell den ganzen Abend nur eingebildet hat – dieser Überfall von Frankie Safariin die Matte. Womöglich ging da ja die Fantasie mit einem durch, galoppierend, wie ein ungezähmtes Pferd. Doch auch wenn. All good things are wild and free.

Nächste Konzerte: 16.1., Support von Hillbilly Moon Explosion, ISC, Bern; 25.1., Improvisorium, Huttwil.

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