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Die Vertonung des Sommers

Gipsy Kings? Ja, die gibt es noch. Die Schöpfer von Sommersongs wie «Bamboleo» und «Bem bem Maria» sind wieder auf Tour. Am Samstag treten sie in Spiez auf. Zehn Fakten vor der Show.

Maria Künzli
Die langlebigste Boyband der Welt: Die Gipsy Kings können grimmig dreinschauen. Ihr treibender Flamenco-Pop aber macht seit mehr als dreissig Jahren gute Laune.
Die langlebigste Boyband der Welt: Die Gipsy Kings können grimmig dreinschauen. Ihr treibender Flamenco-Pop aber macht seit mehr als dreissig Jahren gute Laune.
PD

1.Die Gipsy Kings kommen aus Spanien, denken Sie? Oder Mexiko? Falsch – sie kommen aus Frankreich. Die Musiker haben aber alle spanische Wurzeln: Ihre Familien flüchteten während des spanischen Bürgerkriegs nach Frankreich, wo ­alle Bandmitglieder heute noch leben.

2.Die Gipsy Kings sind eine reine Männergruppe und eine Familienband – gegründet 1975 als Begleitgruppe für den Patron: Die Söhne des Flamencosängers José Reyes – Nicolas, Paul, Canut, Patchaï und André – schlossen sich mit dessen Schwiegersohn Chico Bouchikhi zusammen, um José Reyes mit traditionellen Flamencorhythmen bei seinen Auftritten zu begleiten. Damals nannten sie sich José Reyes et Los Reyes.

3.José Reyes et Los Reyes spielten vorerst an kleineren Festivals in Südfrankreich, vor allem aber waren sie eine Strassen- und Hochzeitsband. Und es war auch an einer Hochzeit, als die Geschichte der Band eine Wende nahm. Hier entschieden sie, mit den drei Söhnen des Flamenco-Gitarristen Manitas de Plata zusammenzuarbeiten. Schliesslich blieb es ja in der Familie: Manitas de Plata ist der Onkel der Reyes-Brüder. Man einigte sich also mit den Cousins Diego, Paco und Tonino Baliardo auf eine Zusammenarbeit und einen neuen Bandnamen: Gipsy Kings. Das war 1982.

4.Die ersten beiden Alben wurden nicht gross beachtet, die Band spielte weiter eher kleinere Konzerte und blieb bei ihrer feurigen, aber im traditionellen Flamenco verwurzelten Musik. Die Bekanntheit der Zigeunerkönige stieg, als der französische Jetset auf die Gipsy Kings aufmerksam wurde. So kam es, dass die Musiker Mitte der Achtzigerjahre an der Geburtstagsparty von Brigitte Bardot auftraten.

5.Es war 1986, als der französische Produzent Claude Martinez alles veränderte. Er brachte den Gipsy Kings den Sound, der um die Welt gehen sollte: diese feurigen Folkmelodien mit Flamenco-Einschlag, eingepackt in Popstrukturen und angereichert mit einer sehr zeitgemässen Rhythmustruppe: Bass, Synthesizer und Perkussionsinstrumente.

6.Der weltweite Erfolg der Musiker begann in den Ferienorten rund ums Mittelmeer. Tausende Touristen tanzten nächtelang zu «Bamboleo» und «Djobi Djoba», tranken, feierten und flirteten. Und brachten die mit positiven Erinnerungen verknüpfte Musik nach Hause in ihre Länder, wo die Gipsy Kings die Hitparaden stürmten.

7.Doch: Was ist das eigentlich für ein Musikstil? Man könnte es umschreiben als eine treibende Flamenco-Pop-Salsa-Fusion mit Gipsy-Charme. Die Gipsy Kings waren eine der ersten Bands, die Flamenco hitparadentauglich aufbereiteten. Und eine der ganz wenigen ­Gruppen, die es mit einem rein spanischsprachigen Album in die amerikanischen Charts schafften.

8.Wer denkt, die Gipsy Kings haben mit ihrem Bandnamen – Zigeunerkönige – eigentlich gar nichts zu tun, liegt falsch. Alle Musiker haben Roma-Wurzeln. Mehr als das: Bis heute leben sie in Wohnwagen in ihrer Heimatstadt Aries in Frankreich – zumindest einen Teil des Jahres. Nur drei von ihnen haben feste Wohnsitze in ­anderen Teilen Frankreichs. Obwohl der Ausdruck Gipsy – ebenso wie Zigeuner – heute eher abwertend verstanden wird, ist die Band stolz auf ihren Namen, wie sie in Interviews immer wieder betont.

9.Einer der grössten Hits der Gipsy Kings ist ein ­Cover:«Volare» (1989) stammt ursprünglich vom italienischen Sänger Domenico Modugno (1955). Auch «Hotel California» von den Eagles wurde von den Gipsy Kings durch den Flamenco-Fleischwolf gedreht. Die Version ist auch im Kultfilm «The Big Lebowski» (1998) mit Jeff Bridges zu hören.

10.Auch wenn die Gipsy Kings ihre goldenen Zeiten hinter sich haben: Ganz von der Bildfläche waren sie nie verschwunden. In den letzten vierzig Jahren haben sie weltweit mehr als 60 Millionen Tonträger verkauft. Sie veröffentlichten bis heute nicht weniger als 23 Alben, 29 Singles und 19 Best-of-Alben. Damit sind die Gipsy Kings eine der erfolgreichsten Boybands der Welt. Und eine der langlebigsten.

Konzert: Samstag, 25. August, 23.30 Uhr, Seaside Festival, Spiez. www.seasidefestival.ch

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