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Die Veredelung der Bravo-Hits

Die Berner Mezzosopranistin Stephanie Szanto und der Pianist Simon Bucher spielen Bravo-Hits-Parodien für ein neues Publikum.

Mit Augenzwinkern: Stephanie Szanto und Simon Bucher.
Mit Augenzwinkern: Stephanie Szanto und Simon Bucher.
PD

Die Idee ist beim Herumblödeln entstanden. Stephanie Szanto stand vor einem Auftritt, befand sich mit Freunden in einer Bar, sie war nervös. «Da stimmte ich spontan ‹The Rhythm of the Night› von Corona an.» Natürlich mit der Attitüde einer Opernsängerin. Alle lachten, ihre Anspannung löste sich. Und Stephanie Szanto hatte ein neues Genre erfunden: die Bravo-Hits-Parodie.

Nun erscheint das erste Album der Berner Mezzosopranistin und des Pianisten Simon Bucher. Gemeinsam haben sie Bravo-Hits neu arrangiert, mit Klassik veredelt. Oder doch verschandelt? Am Samstag kann man das live überprüfen, dann spielen The High Horse, wie sich die beiden Musiker nennen, in Bern Lieder von ihrem ersten Album «Best of Worst, Vol. 1».

Es gibt viel zu lachen

Zum Beispiel wird da eine fast nicht wiederzuerkennende Version von «Looking for Freedom» von David Hasselhoff zu hören sein. Noch nie hatte dieses Lied so viel Tiefe, so viel Dringlichkeit. Man wird den bereits in Vergessenheit geratenen Song «Mädchen» von Lucilectric (1994) wiederentdecken können. Er würde sich in dieser Version auch gut in einer modernen Oper machen. Genauso wie «Ich find’ dich scheisse» von Tic Tac Toe, das in diesem Arrangement an Dramatik nicht zu überbieten ist. Es gibt viel zu lachen. Man muss sich nur mal die Interpretation des Bumm-Bumm-Lieds «I like to move it, move it» anhören. Grossartig grotesk!

Und hier liegt auch das Interesse von Szanto und Bucher: «Wir wollten genau die Songs, von denen man denkt, dass man daraus wirklich nichts machen kann, neu arrangieren.» Wie eben der Hit der Gruppe Reel 2 Real. Ein Song, der im Original aus einem Akkord besteht und jetzt – Gott sei Dank! – aus einigen mehr.

Die satirischen Nachahmungen sind gut erprobt. Seit ein paar Jahren haben sie Bucher und Szanto immer wieder an Konzerten gespielt. Früher noch unter dem Namen Petting Goes Classic. Für das Album aber musste ein seriöserer Name her. «The High Horse fasst eigentlich ganz gut zusammen, was wir machen», findet die 33-Jährige. «Wir steigen vom hohen Ross der Klassik und nähern uns diesen verpönten Hits mit Seriosität und Augenzwinkern.»

Und die Klassikszene?

Und warum eigentlich? Stephanie Szanto holt Atem: «Ich habe eine riesige Liebe zur Klassik, sie fliesst durch mich wie Blut», sagt die mehrfach ausgezeichnete Mezzosopranistin. Aber? «Es gibt Nebenwirkungen. Dieser ganze Drill, die fixen Formen, die starren Vorgaben.» Und als Nebeneffekt kommt durch The High Horse ein neues Publikum mit Klassik in Kontakt, eines, das die Parodien lustig findet, weil es vielleicht an die Schülerdiscos in der Jugend erinnert wird.

Und die Klassikszene? «Viele können sich nicht vorstellen, was wir machen.» Aber wenn sie dann mal an ein Konzert kämen, seien sie positiv überrascht. «Im besten Fall reissen wir Grenzen nieder, räumen auf mit dem Schubladendenken, dass Klassik so sein muss und Pop so.» Und, was Szanto auch gemerkt hat: «Aus einem simplen Lied kann man ebenso eine emotionale Stimmung kreieren wie aus einer grossen Sinfonie.»

The High Horse: «Best of Worst, Vol.1», Ars Produktion. Konzert: Sa, 23.11., 20.30 Uhr, Turnhalle im Progr, Bern.

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