Die Mavericks in allerbester Spiellaune

Interlaken

Die Erwartungen an die Headliner am Trucker- und Countryfestival in Interlaken waren hoch - und wurden fast alle erfüllt: Sowohl die Mavericks und die Derailers am Freitag als auch John Michael Montgomery am Samstag legitimierten ihr Renommee als superbe Künstler.

Fröhlich und versiert: Leadgitarrist Eddie Perez (l.) und Raul Malo von den Mavericks.<p class='credit'>(Bild: Bruno Petroni)</p>

Fröhlich und versiert: Leadgitarrist Eddie Perez (l.) und Raul Malo von den Mavericks.

(Bild: Bruno Petroni)

Eines hatten sie gemeinsam, die US-Stars des 22. Trucker- & Country-Festivals: Einmal mehr machten sie klar, dass Erfolg in den USA ein hohes Mass an Professionalität bedingt – höher jedenfalls als in Europa inklusive der Schweiz. Die riesige Anzahl von Country-Formationen, aber auch die Verwurzelung in dieser musikalischen Tradition mögen dafür die Hauptgründe sein. Dieses Jahr hatten sich die Organisatoren für ein besonders vielversprechendes Paket entschieden.

Das Fazit vorweg: Die Wahl hat sich gelohnt. Nicht unbedingt finanziell (das Hauptzelt war an beiden Abenden nur gut zur Hälfte gefüllt), dafür aber künstlerisch. Selten gab es an bisherigen Trucker-Festivals soviel originäre Volksmusik der USA zu geniessen. Den grössten Anteil daran hatten die Mavericks.

Fantastische Melange

«Dance the Night away» von 1998 ist einer der grössten Hits der Mavericks – und wurde denn auch grad zum Motto des Freitagabends. Was Sänger, Gitarrist und Komponist Raul Malo zusammen mit seiner siebenköpfigen Formation während eineinhalb Stunden an Spielfreude zelebrierte, war schlicht fantastisch. Neben den Hits vor allem aus den 90er-Jahren gabs auch tolle Kostproben aus dem aktuellen Album «Mono», so zum Beispiel das vom Bläsersatz präzis akzentuierte «All night long».

Und einmal mehr wurde an diesem Abend deutlich: Die Mavericks in eine musikalische Kategorie oder gar Schublade einordnen zu wollen, ist fast unmöglich und vor allem überflüssig. Brasiliens Bossa Nova, Puerto Ricos Salsa, Kubas Son, Mexikos Mariachi, Texmex, Rock’n’Roll, Country, Jazz – Raul Malo vereinigt viele Stile zu einer Americana-Melange, wie sie kaum jemand anders beherrscht. Sein Gesangsstil erinnert oft an Roy Orbison, wobei der Tenor auch oktavenmässig keinen Vergleich zu scheuen braucht. Ausstrahlung, ja Charisma, und seine grosse Freundlichkeit vervollständigen Malo als perfekten Entertainer.

Das spürte auch das Publikum und es liess sich schon rasch von der musikalischen Fröhlichkeit mitreissen. Vor allem nach dem ersten Drittel des Konzertes, denn zuvor schien der Tontechniker an akuter Hörschwäche zu leiden: Die Lautstärke war viel zu hoch, das sonst exzellente Gitarrespiel von Eddie Perez völlig übersteuert, so dass andere Instrumente wie zum Beispiel das für den typischen Mavericks-Sound wichtige Akkordeon kaum mehr zu erkennen waren. Schade. Ebenso schade auch, dass der Moderator die heftigen Beifallsstürme am Schluss des fulminanten Konzertes sehr abrupt unter- beziehungsweise abbrach, ohne eine Zugabe zu gewähren.

Henusode, wie der Oberländer zu sagen pflegt. Das Konzert geht trotzdem als eines der besten in die Geschichte des Trucker-Festivals ein. Wenn nicht sogar als das bisher beste überhaupt.

Für den adäquaten Auftakt hatten zuvor die Derailers gesorgt. Ihren rollenden Rockabilly und lüpfigen Honky Tonk servierten sie ohne Firlefanz, dafür ebenfalls in bester Spiellaune.

Grosse Routine

Sehr routiniert, für manche sogar zu routiniert, präsentierten sich die Stars vom Samstagabend. Aber merkwürdig: Trotz einwandfreier Darbietungen schien der berühmte Funken weder bei den Bellamys Brothers noch bei Balladenmeister John Michael Montgomery ins ganze Publikum überzuspringen.

Vielleicht hatten die Mavericks die Latte etwas gar hoch gelegt...

Klicken Sie sich durch die besten Bilder des Festivals in der Bildstrecke.

Berner Oberländer

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