Die Einsteins des Rap

Drei Viertel der ­Eldorado-FM-Crew veröffentlichen am Freitag ein neues ­Album. Tommy Vercetti, Dezmond Dez und CBN zeigen, wie intelligent Rap klingen könnte.

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Zeigen, wies geht: Tommy Vercetti, CBN und Dezmond Dez (von links).

(Bild: pd)

Dezmond Dez, Tommy Vercetti und ihr St. Galler Kollege CBN sind alle jenseits der dreissig. Ein Alter, in dem sich andere längst vom Rapzirkus zurückgezogen haben, Pop machen oder dann und wann einen dieser «Früher war alles besser»-Tracks veröffentlichen.

Die drei Viertel der Eldorado-FM-Crew – Manillio ar­beitet zurzeit an neuem Major-Material – wählen einen anderen Approach und spielen eine neue Rolle: das intellektuelle Gewissen des Rap.

Komplex und anspruchsvoll

Sie schaffen es auch im Jahr 2018 noch, aktuell zu klingen, ohne einem jeden Trend hinterherzuhetzen. Dezmond Dez beginnt den ersten Track mit einem dieser Triolen-Flows, wie man sie vom US-amerikanischen Hip-Hop-Trio Migos und seinen Klonen kennt.

Doch der Berner verbindet sie nicht mit den gängigen Reimen auf Kindergartenniveau, Einsilbigkeit und simplen Wortwiederholungen, sondern mit komplexen Reimstrukturen und anspruchsvollen Inhalten. In seinen Worten klingt das so: «Beim Schreiben liegt die grosse Her­ausforderung, da kann man sich ad infinitum verbessern. Es gibt immer einen besseren Vergleich oder einen präziseren Satz.»

Dezmond Dez, Tommy Vercetti und CBN sind zweifelsohne die belesensten Rapper des Landes. ­Referenzen an Sartre und Zola finden auf den dreizehn Songs genauso Platz wie die Auseinandersetzung mit dem politischen Weltgeschehen.

Die Bodenhaftung verlieren sie dabei aber nie. Die Metaphern kommen genauso oft aus der griechischen Mythologie wie aus der TV-Serie «Game of Thrones» oder aus dem aktuellen Sportgeschehen. «Die Balance war uns wichtig. Unser arroganter EFM-Swag ist für uns genau so essenziell wie die Inhalte», sagt Tommy Vercetti.

Zeitgemässes von früher

Musikalisch sollte das Vergangene ebenso hörbar sein wie das Hier und Jetzt: «Wir suchten einen zeitgemässen Sound, der dennoch unseren 90ies State of Mind widerspiegelt», sagt Dezmond Dez. Und Tommy Vercetti fügt hinzu: «Ich habe Beats gesucht, die tönen, wie ich mir ‹Outkast 2018› vorstellen würde.»

Die Mission ist gelungen, der EFM-Hausproduzent Sir Jay hat aus Instrumentals von The Cratez, DJ Pain und den Trackpros ein stimmiges Werk geschustert. Genauso klassisch und dennoch zeitgemäss, wie es sich die drei Hauptprotagonisten des digitalen Albums «Kaspar, Melchior, Balthasar» gewünscht haben.

Erstaunlich ruhig kommt das Ganze daher. Oft reduzieren sich die Beats auf eine Pianomelodie und dezent gesetzte Drums. Dann und wann kommen Synthesizer-Flächen, Bläser und gemein tiefe Bässe zum Einsatz. Das Wichtigste bleiben aber stets die Texte, das fühlt und hört man.

So anspruchsvoll könnte er also tönen, der moderne Rap. Natürlich sind Dezmond Dez, Tommy Vercetti und CBN nicht die Einzigen, die das Fähnlein dafür hochhalten. Aber sie drücken ihre Finger am direktesten in die offenen Wunden des aktuellen Rap-Geschehens.

DezTommyCBN:«Kaspar, Melchior, Balthasar», Eldorado Records. Erscheint am Freitag (nur digital).

Berner Zeitung

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