Zum Hauptinhalt springen

Die Dead Brothers tanzen auf vielen Beerdigungen

Mit dem Folk noir ihres Albums «Angst» sprengen die Dead Brothers stilistische Grenzen und ­setzen neue Akzente. Am Wochenende gibt die beste Schweizer Begräbniskapelle zwei Konzerte im Kanton Bern.

Thematisieren Angst: Die Dead Brothers um Alain Croubalian (Mitte).
Thematisieren Angst: Die Dead Brothers um Alain Croubalian (Mitte).
PD

«Songs sollen von den wichtigen Momenten im Leben erzählen», sagte der Sänger und Multiins­trumentalist Alain Croubalian kürzlich im Interview auf Radio Rabe. «Und da gehört der Tod fraglos dazu.» Er muss es wissen: Seit zwanzig Jahren ist Croubalian, der einst mit der Genfer Band The Maniacs eine punkige Variante des Gitarrenrocks bretterte, die personelle Konstante der ­Dead Brothers.

Nun legt das ­Musikerkollektiv, das schon auf vielen Beerdigungen getanzt hat, sein siebtes reguläres Album vor. «Angst» heisst das in den Vogesen eingespielte Werk. Es the­matisiert ein Lebensgefühl, das sich derzeit wieder breitmacht und sich in Mauern – richtigen und virtuellen – manifestiert, die überall hochgezogen werden.

Croubalian, der Romand, gibt zu bedenken, dass die Angst, die er meint, etwas Germanisches sei: Die Angst, nicht das zu erreichen, was man sich vorgenommen hat.

Gainsbourg und Walser

Frohnaturen waren die Dead Brothers nie, doch sie sind auch keine düsteren Gruftis. Indem sie den Tod zum Thema machen, kämpfen sie gegen die Angst an, die ihn umgibt. Sie tun es mit einem Mix aus verschiedensten musikalischen und literarischen Einflüssen.

Tom Waits tanzt auf dem Friedhof einen Walzer mit Serge Gainsbourg, die Emmen­taler Zither von Dide Marfurt trifft auf das Harmonium von Resli Burri. Der Titelsong ist die Ver­tonung eines Texts des grossen Robert Walser, in dem sich dieser «schauerlich» nach Angst und Schmerz sehnt.

Auf dem Album gibt es uralte appenzellische «Zeirly», aber auch Voodoo-Chöre, tanzbare Schepper-Grooves und treibenden Alternativ-Sound, der von fern an Nick Cave erinnert.

Der Tod ist ein universelles Phänomen und die Musik der ­Dead Brothers ein Puzzle der europäischen Folklore. Alain Croubalian, der auch armenische Wurzeln hat, betont aber, dass sich die Dead Brothers sehr wohl als schweizerische Band verstehen.

Am Schluss bleibt der Blues

Ob mit Tuba, Hackbrett, Violine oder Dudelsack: Am Schluss ist es der Blues, der der Musik der Dead Brothers den gemeinsamen ­Nenner gibt. Am Wochenende gibt die beste Begräbniskapelle der Schweiz Konzerte in Biel und Thun. Ein Besuch dürfte sich lohnen: Auf der Bühne gewinnt der Folk noir der Dead Brothers noch an Intensität.

Dead Brothers: «Angst», Voodoo Rhythm. Konzerte:9. März: Le Singe, Biel; 10. März: Café Mokka, Thun.

sam

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch