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Der Rosenstolz der Popmusik

Das Berliner Popduo Rosenstolz über den Verlust einer ihm nahestehenden Person, das traurigste Lied, wahre Werte und Giraffen auf der Bühne.

Woher kommt die Sehnsucht, die Sie im Stück «Gib mir Sonne» so bewegend ausdrücken?

Peter Plate: Nachdem die Mutter meines Freundes Ulf vor anderthalb Jahren überraschend gestorben war und wir alle, besonders er, darunter litten, dass wir uns nicht von ihr verabschieden konnten, schrieb ich «An einem Morgen im April». Ich fand diesen Abschiedsbrief des Sohnes an seine Mutter sehr berührend. Es ist aber auch das traurigste Lied, das wir je gemacht haben. Wir fanden, dass wir es nicht allein stehen lassen konnten, da wir in dieser schweren Zeit auch sehr viel Positives erlebt hatten.

Woran denken Sie?

Peter: Man merkt, wie schön es ist, wenn du echte Freunde hast, die in solchen Momenten für dich da sind, und du lernst, dich wieder mehr darüber zu freuen, wenn es dir gut geht. Anderseits gehört der Tod zum Leben. Davon erzählt «Gib mir Sonne».

Wie schwer fiel Ihnen die Interpretation dieses emotionsgeladenen Songs?

AnNa R.: Am Anfang konnte ich ihn gar nicht singen. So haben wir ihn zurückgestellt. Als wir es dann nochmals probiert haben, war es gleich der First Take, der nun auf der Platte ist. Irgendwie muss er schon in mir gesteckt haben.

Wusstet Sie danach sofort, dass dies die Single würde?

Peter: Nein, denn wir fanden das jetzige Arrangement erst nach zwei grauenhaften Versionen, die sehr nach Musical klangen. Weil wir nicht mehr zuerst alle Songs schreiben und dann in einem zweiten Schritt aufnehmen, sondern zwischen den Produktionsphasen hin und her wechseln, standen wir weniger unter Zeitdruck. AnNa: Die Wahl fiel auf «Gib mir Sonne», da es den Idealfall einer ersten Single verkörpert: Das Lied vereint die zentralen Themen dieser CD, die Trauer und die Lebensbejahung.

War es das erste Mal, dass Sie einen Ihnen so nahestehenden Menschen verloren haben?

Peter: Vor allem war der Tod von AnNas Grosseltern vorhersehbar und bei meinem Opa sogar eine Erlösung. Nun sind wir in einem Alter, in welchem Freunde zwar schwer krank werden oder die Eltern sterben können, aber gleich so schnell

AnNa: Für uns stellte sich dabei auch die Frage: Gehört das in unsere Texte? Wollen wir unbeschwerte Musik machen, als wären wir 25-Jährige, oder wie bisher über unser Leben schreiben? Da wir glauben, dass Menschen über 40 heute nicht mehr alle gleich zum volkstümlichen Schlager überlaufen wollen, schreiben wir weiter, was uns bewegt.

Wie hat diese Erfahrung Ihre Lebensphilosophie verändert?

Peter: Ich frage mich manchmal, weshalb ich mir von Kleinigkeiten den Tag verderben lasse. Ich bin aber deswegen kein anderer Mensch geworden. Das Gerede, man müsse jung, schön, reich und erfolgreich sein, um glücklich zu werden, ist eh Quatsch. Wichtig ist, dass man gute Freunde hat, an die Liebe glaubt und sich selbst verwirklicht. Wenn das Ziel nur ist, berühmt zu werden, geht es garantiert schief.

Sie befinden sich auf dem Zenit Ihrer gemeinsamen Laufbahn. Gab es auch einen Tiefpunkt?

Peter: Das letzte Konzert der «Das grosse Leben geht weiter»-Tournee. Ich ging wütend auf die Bühne, weil die Veranstalter mindestens 5000 Leute zu viel aufs Gelände gelassen hatten, und bin in diesen zwei Stunden noch mehr herumgehüpft als sonst schon. Ich war eine Karikatur meiner selbst!

Wie haben Sie darauf reagiert?

Peter: Als ich den Mitschnitt drei Tage vor meinem 40.Geburtstag sah, ging es mir echt mies! Wir beschlossen, wegen unserer Fans und im eigenen Interesse die Kapazitäten genauer zu kontrollieren, damit sich so was nicht wiederholt.

Was kann man inhaltlich von Ihrem Konzert am 14. Januar im Zürcher Hallenstadion erwarten?

AnNa: Viel vom neuen Album und viel von den zehn anderen Platten. Es wird bestimmt eine tolle Show, obwohl wir uns bewusst dagegen entschieden haben, alles noch grösser und wilder zu gestalten. Die Superlativen überlassen wir den Amerikanern, die sich damit besser auskennen. Wir brauchen nicht noch vierzig Tänzer von links und eine Giraffe von rechts.

Ihre CD heisst «Die Suche geht weiter». Was haben Sie bisher in der Schweiz gefunden?

Peter: Fragen Sie mich das nächste Mal. Ich bleibe noch zwei Tage privat hier, da ich Zürich besser kennen lernen möchte, vor allem die Menschen. AnNa: Ich habe bislang tolle Gletscher zum Snowboard fahren in der Schweiz gefunden!

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