Der Psycho ist zurück

Axl Rose ersetzt AC/DC-Sänger Brian Johnson. Kommt das gut?

Dank ihm können die Konkurrenten von AC/DC ihre Tournee fortfahren: Leadsänger Axl Rose von Guns N' Roses während eines Konzerts. (Archivbild: Keystone)

Dank ihm können die Konkurrenten von AC/DC ihre Tournee fortfahren: Leadsänger Axl Rose von Guns N' Roses während eines Konzerts. (Archivbild: Keystone)

Philippe Zweifel@delabass

Die letzten Monate waren harte Zeiten für AC/DC-Fans. Zuerst fiel ein Gitarrist weg, dann der Schlagzeuger, vor kurzem auch Sänger Brian Johnson. Die Band brach die laufende Tournee ab. Nun wurde bekannt, dass Guns-N'-Roses-Frontmann W. Axl Rose als Ersatz einspringt.

Rose ist eine der illustresten Figuren im Rockzirkus. Als White Trash in Indiana aufgewachsen, katapultierte ihn der Erfolg mit 25 Jahren in die grössten Arenen. Guns N' Roses war in den 90ern die vielleicht wichtigste Rockband der Welt; ganz sicher aber die unberechenbarste, omnipräsent in der Musik- wie auch der Klatschpresse mit immer neuen Heroin-, Sex- und Jack-Daniels-Exzessen. Wie die meisten exzessiven Rockerkarrieren war auch jene von Rose kurz. Er und seine Kollegen verkrachten sich. Nach nur sechs Jahren war Schluss. Rose wollte alleine weitermachen und versprach ein neues Album namens «Chinese Democracy», das er aber partout nicht lieferte.

Mancher Fan wünschte sich damals insgeheim, dass er eine Überdosis erwischte – so würde er, wenn schon kein neues Album in Sicht war, wenigstens zum Mythos im Stil eines Jim Morrison. Doch den Gefallen tat Rose seinen Fans nicht. Über die Jahre heuerte er für teures Geld Dutzende Musiker an und liess sich Songideen zuschicken. Tausende Tonträger türmten sich offenbar in seinem Studio. Die Isolation des ehemaligen Sexsymbols, dessen selbstgewählte Initialen «War» bedeuten, begann Wirkung auf seine Psyche zu zeigen. Inzwischen so fett wie Elvis in seinen letzten Jahren, bunkerte er sich mit Reptilien und Spinnen ein. Mitarbeiter mussten Fotos von sich abgeben, die er seinem persönlichen Guru zur «psychischen Inspektion» vorlegte. Eher führe China die Demokratie ein, spottete die Presse, als dass Roses Album irgendwann wirklich erscheine. Oder: Wenn Rose noch länger zuwarte, hätten seine Fans keine Haare zum Headbangen mehr. Einer der gefährlichsten Rocksänger war zu einem Witz verkommen. Als das Album vor ein paar Jahren dann endlich herauskam, war das Interesse daran gering.

Damals, vor 29 Jahren: Guns N' Roses im Londoner Club «The Marquee» (Quelle: Youtube / Appetite4illusion)

Packt der gefallene Star, der sich kürzlich auch mit seinen alten Bandkollegen versöhnt hat, seine Chance? Einen Sänger zu ersetzen, ist keine leichte Aufgabe. Davon zeugen gescheiterte Versuche von Bands wie Queen oder den Doors. Denn nicht nur die Stimme geht mit einem Sänger verloren, sondern auch das Gesicht der Band. Im Fall von AC/DC könnte der Plan jedoch aufgehen. Brian Johnson ist kein Charismatiker, und den Fans reicht es wohl, wenn jemand die Gassenhauer live nachsingt. Ausserdem kursierte von Guns N' Roses in den 80ern eine Liveaufnahme des AC/DC-Hits «Whole Lotta Rosie». Axl Rose erinnerte mit seiner jaulenden Kopfstimme schon damals an den legendären AC/DC-Sänger Bon Scott, der einige Jahre zuvor verstorben war. Gut möglich, dass Rose sogar der bessere Johnson ist.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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