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Das Leben ist keine Cocktailkirsche

El Deux trotzten im Chrämerhuus Langenthal der sommerlichen Feststimmung. Und huldigten stattdessen der dunklen Schönheit der Achtziger.

Zwillingslook: Martin Kraft (links) und Kurt Gautschi.
Zwillingslook: Martin Kraft (links) und Kurt Gautschi.
zvg

Wo sonst Ruhe ist, herrscht Rambazamba. In Langenthal lärmen zu sommernächtlichen Temperaturen erst eine Guggemusik und dann eine Coverband, die weder vor The Clash noch vor Roxette zurückschreckt. Dann übernimmt das alkoholisierte Publikum. Dabei gibt es doch im nahe gelegenen Chrämerhuus, dem alternativen Kulturzentrum seit einem gefühlten Immer, eine kleine popkulturelle Sensation zu vermelden. El Deux, die Aargauer Electro-Pop-Band, die Anfang der 1980er-Jahre auf der Neuen Deutschen Welle geritten ist, gibt ihr Schweizer Live-Comeback – nach gut 35 Jahren.

Mastermind hinter dem Projekt ist der Gitarrist und Produzent Kurt «Gutze» Gautschi, den «Pop Rocky» einst als den Dieter Bohlen der Schweiz bezeichnete. Mit der Punkband Fresh Colour gab Gautschi Gas, dann setzte er zunehmend auf kommerzielle Musik. Seinen Höhepunkt dürfte er als Entdecker und Produzent eines gewissen René Baumann aus Kölliken verbucht haben, besser bekannt als DJ Bobo. Auf diesen ist Gautschi heute nicht mehr gut zu sprechen, doch dem tanzbaren, elektronischen Disco-Pop ist er treu geblieben.

Eröffnet wird der Abend von zwei sympathischen Oltner Hipster, die sich Kuba nennen, auf «sexy Mundart» setzen und musikalisch nicht allzu weit von El Deux entfernt sind. Auch sie bringen poppigen Electro und bewegen sich nah am Zeitgeist, den sie gern persiflieren. Da ist dann von «Geile Scheiss» und «Föhn di schön» die Rede, und die Refrains dürfen sich auch mal mit «Cynthia, la dr Synthi a» begnügen. Dazu gibts freche Hand­made-Videos. Musikalischer Minimalismus trifft auf ausgeklügelte Wortspielereien. Alles geht, und das Leben wird mit einer Cocktailkirsche angerichtet.

«Ich bin allein, du bist allein. Nicht mehr allein will ich sein. Computerliebe könnte das Richtige sein.»

Sänger Martin Kraft in «Computer-Mädchen» (1982)

Da scheint das Lebensgefühl der Achtziger, das El Deux mit ihrem «historischen» Repertoire beschwören, etwas anderes gewesen zu sein. «Ich bin allein, du bist allein», sinniert Sänger Martin Kraft im nach wie vor hitverdächtigen Opener «Computer-Mädchen». «Nicht mehr allein will ich sein. Computerliebe könnte das Richtige sein.»

Was in dem Song von 1982 wohl mit Computerliebe gemeint war, lange vor den Datingplattformen im Internet? Der Text scheint banal, doch wenn Sänger Martin Kraft ihn mit stechendem Blick und rudernden Armen interpretiert, gibt es kein Entkommen. El Deux setzen auf einfache Botschaften und die Wirkung der Repetition, ihre Musik basiert auf synthetischen Beats, Stakkato-Gitarren und schwebenden Synthi-Melodien.

El Deux – Computer-Mädchen (Quelle: Youtube/Neon Lune)

Wenn das Duo sich in seinen identischen, schwarz-weissen Musterhemden durch Songs wie den «Gangster Tscha Tscha», «50 Jahr blondes Haar» oder die typähnliche Coverversion von «Eisbär» hangelt, werden die 80er-Jahre in ihrer dunklen, zweifelnden Schönheit wieder lebendig. Das ist vor allem der Performance von Martin Kraft zu verdanken, der nichts dem Zufall überlässt und auch das Trockeneis nicht vergisst. Das Engagement lohnt sich: Immer mehr Leute versammeln sich vor der Chrämerhuus-Bühne und lassen sich von dieser Reise durch die Achtziger in den Bann ziehen.

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Nächste Konzerte Chrämerhuus: Wuhrplatzfest 15.–18.8., u.a. mit Angela Aux, The Cavers, Failures, Puts Marie, Stahlberger.

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