Canzoni zum Mitsingen

Soundcheck

Die Berner Band Zia Lisa spielte im Volkshaus in der Stadt Bern italienische Schlager. Und erinnerte daran, wer uns das Tanzen beigebracht hat.

Authentisch italienisch: Zia Lisa spielen Canzoni – von Umberto Tozzi bis Eros Ramazzotti.

Authentisch italienisch: Zia Lisa spielen Canzoni – von Umberto Tozzi bis Eros Ramazzotti.

(Bild: zvg)

«Lasciatemi cantare…», bittet der Sänger mit der grossen Dächlimütze, «con la chitarra in mano.» Dabei hat das Publikum im ausgebuchten Stadtberner Restaurant Volkshaus gar nicht reklamiert. Ganz im Gegenteil. Die Stimmung ist ausgelassen bis angeheitert, es wird gegessen, gelacht und mitgesungen.

Aufgefallen sind die Zeilen aus einer Canzone von Toto Cutugno in diesem Umfeld aber auch aus anderem Grund: Unser Sänger hat gar keine Gitarre umgehängt, obschon er von seinen Fans als bester Gitarrist am Platz gepriesen wird. Mario Capitanio griff schon für Polo Hofer, Florian Ast und Toni Vescoli in die Saiten und rockt mit seinen diversen Bands überall dort, wo gefestet wird. Gitarren­technisch schüttelt er die Party quasi aus dem Ärmel.

Bei der Italo-Coverband Zia Lisa rund um den Gitarristen Markus Graf, den Akkordeo­nisten Gianni Venuti und den Saxofonisten Carlo Brenni konzentriert sich Capitanio allerdings auf eine weitere Kernkompetenz: den Rock-’n’-Roll-Belcanto. Zia Lisa spielen die Lieder aus einer Zeit, als man die italienischen Gastarbeiter und ihre Familien noch abschätzig als «Tschingge» titulierte, sich aber in der Disco zu all den eingängigen Schlagern und Schnulzen aus Bella Italia drehte. Es waren die «Tschingge», die den Schweizern das Tanzen beibrachten. Und nicht nur den Schweizern: Auch im «richtigen» Pop­geschäft der USA waren und sind Italos tonangebend, von Frank Sinatra bis Lady Gaga.

Das wissen auch Zia Lisa: In ihrem Repertoire befinden sich Nummern von Italoamerikanern wie Dean Martin («Mambo italiano») und Louis Prima, dessen hinreissendes «Buona sera» ein Höhepunkt ist. Daneben gibt es Ohrwürmer à gogo: Zia Lisa beginnen mit «Azzurro» und enden mit «Volare», dazwischen gibt es Lieder von Paolo Conte, Umberto Tozzi, Eros Ramazzotti und, und, und… Das ist viel des Guten, und um bei den Texten nicht aus dem Takt zu fallen, muss Mario Capitanio den mitgebrachten «Teleprompter» konsultieren, was seine schwungvolle Performance bisweilen etwas ausbremst.

Egal! Dass Capitanios Wurzeln sich bis ins von der Mafia frequentierte Quartier Zia Lisa in Catania zurückverfolgen lassen, hört man: Der Mann singt seine Canzonette authentisch.

Dass die Band an diesem Abend mit einer improvisierten Rhythm Section mit den Routiniers Pesche Enderli (Bass) und Lukas Bitterlin (Drums) auftritt, nimmt dem Auftritt alles Glatte und sorgt dafür, dass die Spannung erhalten bleibt. Zia Lisa sind Musikanten im besten Sinn des Worts, sie spielen für ihr Publikum, ohne Dünkel. Um 22 Uhr ist Schluss, wegen der Hotelgäste im gleichen Gebäude. «Ich muss morgen sowieso um sechs Uhr aufstehen», grinst Lebemann Capitanio. Tatsächlich? «Für den Gang zum WC. Dann gehts zurück ins Bett.»

Nächstes Konzert im Stadtberner Volkshaus: Roots 66, 6.11., ab 19 Uhr.

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