«Er hat den Song glaubs nicht ganz verstanden»

Komiker Michael Elsener müsse für den Song «Din Jugo» mit «schlagfertigen Rückmeldungen» rechnen, sagt Youtube-Star Bendrit Bajra. Elsener kontert.

Umstrittene Kunstfigur: Michael Elsener als Bostic Besic.

Linus Schöpfer@L_Schoepfer

«Los din Jugo us dir uuse, de chasch am Morge länger pfuuse», singt Michael Elsener in «Din Jugo». Als klischierte Kunstfigur Bostic Besic ruft Elsener die Schweizer dazu auf, Eigenarten von Mitbürgern aus dem ehemaligen Jugoslawien zu übernehmen.

Dem Schweiz-Albaner Bendrit Bajra passt das nicht. «Ich halte gar nichts von diesem Video, ich finde es überhaupt nicht lustig und weiss auch nicht, was er damit bezwecken will», sagte der Youtube-Star gegenüber «20 Minuten». Elsener müsse nun mit «schlagfertigen Rückmeldungen» rechnen, so der «König der Likes».

Herr Elsener, können Sie Bajras Kritik nachvollziehen? Der Song «Din Jugo» dreht den Klischee-Spiess ja um. Er macht sich über die Schweizer lustig. Bendrit hat den Song glaubs nicht ganz verstanden. Aber naja: Das ist natürlich auch ein bisschen seine Rolle in dieser Mediengeschichte. Da ruft ihn plötzlich ein Journalist an und fragt: «Ey Bendrit, da macht jemand was Ähnliches wie du, findest du das gut?»

Bostic als Meta-Figur, die sich lustig macht über Schweizer, die sich dümmlich lustig machen über Ausländer? Ja. In einem dreiminütigen Pop-Song wie «Din Jugo» kommt Bostic als Figur logischerweise klischeehafter daher als in einer achtminütigen Bühnennummer. Auf der Bühne erzählt Bostic etwa, was er vom stereotypisierten Schubladendenken der Schweizer hält. Das Lustige an der Figur ist: Bostic erklärt als «Neuankömmling» den Schweizern, wie ihr Land eigentlich funktioniert.

Halten Sie Bajras Warnung vor «schlagfertigen Rückmeldungen» für realistisch? Es gibt immer Menschen, die sich über Satire und Comedy aufregen. Aber ehrlich gesagt, sind Aufreger auch okay. Wenns gar niemanden aufregt, habe ich etwas falsch gemacht. Und ich zwinge den Clip ja niemandem auf. Auf Youtube gibts sonst auch viele Katzenvideos.

Mike Müller spielt seit langem die Figur eines albanischen Paschas. Wie erklären Sie sich, dass er nie für seine Figur kritisiert wurde – Sie dagegen schon? Die Frage ist, was «kritisiert» bedeutet. Bendrit würde kaum Mike Müller kritisieren. Denn dank ihm und Viktor Giacobbo wurde er beim breiten Fernsehpublikum bekannt. Ich spiele Bostic seit neun Jahren, und bis jetzt war die absolute Mehrheit der Reaktionen sehr positiv. Die Leute sagen: Endlich gibts eine Secondo-Figur auf der Kabarettbühne, die gängige Klischees auch mal bricht.

Als Deutschschweizer machen Sie sich als Teil der Mehrheit über eine Minderheit lustig. Ist das nicht an sich problematisch? Der Song geht so: Bostic entdeckt all die Klischees, die ihm die Schweizer seit Jahren unterstellen, bei den Schweizern selber. Schauen Sie sich einmal einen urchigen Luzerner an einer Fasnachtsparty an. Bostic begreift: Viele Schweizer würden eigentlich oft gern so sein wie er als «Jugo». Nicht immer so angepasst leben, auch einmal ausbrechen. Wenn sich das die Schweizer denn getrauen würden. Bostic fordert die Schweizer darum auf, den Jugo aus sich rauszulassen. Ich glaube, so würde es einigen etwas besser gehen.

Über wen würden Sie sich nie lustig machen? Über jemanden, der am Boden liegt, mache ich keine Witze. Wenn ich überhaupt Pointen «gegen» jemanden richte, dann gegen die, die an der Macht sind oder sich selber ins Rampenlicht gestellt haben. Am allerliebsten hinterfrage ich aber einfach unsere gängigen Alltagsvorstellungen.

Was ist von Bostic als Nächstes zu erwarten? In meinem neuen Programm erklärt Bostic, was das Schweizer Militär in der heutigen Zeit noch für eine wichtige Aufgabe hat. Und er zeigt, wie man über das Thema Balkan und Homosexualität redet.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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