Beat! Beat! Beat!

Soundcheck

Die Psycho Daisies aus Basel stehen auf altes Vinyl. Beim Auftritt im Berner Plattenladen Plan B Records knisterte es.

Gib Gas, ich will Spass: Die Psycho Daisies im Element.

Gib Gas, ich will Spass: Die Psycho Daisies im Element.

(Bild: Samuel Mumenthaler)

Bern, 2019. Der ganze Ostring ist von Hip-Hoppern besetzt. Der ganze Ostring? Nein! In einem kleinen Plattenladen wird Widerstand geleistet. Plan B Records bietet gängiges und rares Vinyl mit klassischer Rockmusik aus den letzten Jahrzehnten. Um das Geschäft zu beleben, geben hier Bands Livekonzerte, wie das bei der Konkurrenz auch geschieht. So waren am Samstagabend Bubi Eifach einigermassen inkognito im Serge and Peppers an der Rathausgasse.

Elektrische Haare

Zurück im Ostring. Hier spielt Bob Dylan vor zwei Dutzend Zuschauern. Jedenfalls ein Sänger, der aussieht wie Herr Dylan in seiner 1966er-Phase: dünne Beine in engen Hosen, elektrische Haare, schnittiger Gehrock. Der junge Mann eröffnet den Gig mit rasselnden Maracas und quengelnder Blues Harp und gibt dazu «Maggie’s Farm» zum Besten. Mick ist der Leader der Psycho Daisies, einer Basler Band, die sich mit Haut und Haar dem Garagenbeat, den psychedelischen Sounds und den Paisleymustern hingibt. Obschon die Mitglieder erst 30 Jahre nach dem Abflauen des Beatbooms auf die Welt kamen, haben sie den Sound der Sixties intus, als hätte es nie etwas anderes gegeben.

Die Psycho Daisies sind keine virtuosen Musiker und spielen nicht selten am Limit – man ist ja erst seit einem Jahr zusammen. Solche Mankos machen sie mit einer Attitüde wett, die schon immer ansteckend war: Gib Gas, ich will Spass! Die Gitarristin Ziggy liefert unbeirrbar Riff um Riff und schlichte, aber punktgenau platzierte Soli, die Rhythmus-Sektion mit Buzz und Curtis spielt zwar nicht immer zusammen, dafür stets ohne Handbremse. Sänger Mick hämmert auf seine Rhythmusgitarre, schüttelt die Mähne, rollt die Augen. Bloss schade, dass man kaum hört, was er singt. Denn die offensichtlich überforderte Gesangsanlage mit einer einzigen Lautsprecherbox (back to mono!) kann sich gegen den Schalldruck der Vintage-Gitarrenverstärker nicht durchsetzen.

Hommage an den Monkee

Die Psycho Daisies spielen eigene Songs, die sich anhören, als seien sie 1966 geschrieben worden. Gelegentlich streuen sie eine Coverversion ein. Dass sie The Dynamites, der besten und ersten Schweizer Beatband (die ebenfalls aus Basel stammte), die Reverenz erweisen, weist sie als Connaisseurs aus. Am Schluss gibt es «Steppin’ Stone» zu Ehren des eben verstorbenen Monkees-Bassisten Peter Tork.

Die Leute im Publikum strahlen. Es war kein Jahrhundertkonzert, aber ein toller Feierabend mit netten Menschen. So wie das eigentlich mal der Plan war mit dem Rock ’n’ Roll.

In der Rubrik «Soundcheck» berichten wir regelmässig über Beobachtungen und Phänomene aus der hiesigen Musikszene.

Berner Zeitung

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