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Avant-Pop aus Bern

Im Thuner Mokka spielten am Wochenende gleich zwei Bands, die Popmusik neu denken: Cloks Tik und Ja Ja Dickicht.

Unverschämt frischer Pop: Ja Ja Dickicht im Mokka.
Unverschämt frischer Pop: Ja Ja Dickicht im Mokka.
Martin Burkhalter

Das wild zusammengewürfelte Interieur der Café-Bar Mokka hat noch nie besser zu dem gepasst, was da einen Abend lang zu hören ist: herrliche Vermischungen aus Pop-Rock und Noise. Hinter einer Rauchschwade ist ein Mann mit schwarzem Hut, ernster Miene und Gitarre auszumachen. Neben ihm sitzt ein schmächtiger junger Mann in neongrün und rot gestreiften Socken an einer Art Mischpult mit einem Dickicht aus Kabeln vor sich, mit Synthesizer, Xylofon und einem kleinen Drum.

Cloks Tik nennt sich diese Zweimannband aus Bern. Pascal Sontag heisst der Schlagzeuger und Klangtüftler in den bunten Socken. Er ist in Langnau aufgewachsen, wohnt in Bern und arbeitet als Techniker hier im Mokka. Unter anderem spielt er auch in der Bluesband Yabba. Seit ein paar Jahren ist er mit dem grimmigen Hut­träger, dem Freiburger Gitarristen Bernhard Skupin, als Duo unterwegs.

So viel Schmerz und Zerrissenheit in Songs gab es seit den frühen Grunge-Jahren nicht mehr. Mal sind diese dickflüssigen, schwermütigen Rockballaden von einem ungestümen Klangteppich getragen, von Geräuschen aller Art. Dann gibt es wieder abrupte Wechsel, Abbrüche. Plötzlich folgt auf federleichte Xylofonrhythmen ein Drum-and-Bass-Beat. Ja, Cloks Tik machen Pop, wie er sein soll. Anspruchsvoll, aber nicht zu verkopft.

Auch so unverschämt neue Wege geht der Multiinstrumentalist Pascal Schärli. Das zweite Konzert an diesem eher spärlich besuchten Berner Abend in Thun. Ja Ja Dickicht nennt er sein Projekt, in dem er Musik schafft, die irgendwo zwischen Dream- und Electropop anzusiedeln ist. Im Zentrum steht der schlichte Popsong, um den herum er Schicht um Schicht elektronische Beats, akustische Drums, Gitarrenriffs und Melodien baut. Das klingt dann mal nach New Wave, nach Dance-Pop mit Folk-Einschlag, manchmal nach härterem Britpop.

Seine Texte singt er mit hoher Stimme, so eigentümlich wie Art Garfunkel. Es sind komplexe und zugleich auch zugängliche Songs. Was wohl mit ein Grund sein wird, weshalb sie im Radio zu hören sind: auf Couleur 3 etwa oder im SRF-3-Format «Sounds». Via Radio wurde Pascal Schärli auch entdeckt. Das Zürcher Underground-Radio «Gegen den Strom», GDS FM, hat seine erste Single «Brain Surgery» auf Soundcloud aufgestöbert, und das Berner Label Mouth­watering Records wiederum ist so auf Schärli aufmerksam geworden. Seit Ende 2017 ist er dort unter Vertrag und hat unlängst seine erste EP getauft.

Nach Bern verschlagen hat es den in Baselland aufgewachsen Schärli wegen eines Sound-Arts-Studiums an der Hochschule der Künste. Seit rund zehn Jahren lebt er nun dort, kommt mit Sounddesign-Aufträgen für Filme und als Techniker über die Runden. Und jetzt hat er mit seinem Ja-Ja-Dickicht-Projekt alle Hände voll zu tun. Das Kompakte des Albums franst im Konzert in Thun noch ein bisschen aus. Noch fehlt zwischen Schärli und seinen Mitmusikern Michael Cina an den Drums und Chadi Messmer am E-Bass die gemeinsame Vision. Trotzdem wird man den Gedanken nicht los, dass eine neue Ära an­gebrochen ist: jene der Berner Soundtüftler.

Nächstes Konzert im Mokka: Emily Jane White, Dienstag, 10. Dezember, 20 Uhr.

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