Zum Hauptinhalt springen

Ausflug nach Absurdistan

Absurde Alltagsgeschichten und 80er-Jahre-Synthie-Pop: Der Berner Trash-Prinz Mani Porno meldet sich mit neuer Band zurück. Unter dem Namen Melker tauft diese ihr Debütalbum «2–10» in Bern und Thun.

Mani Porno versucht sich künftig als Melker – so der Name seiner neuen Band.
Mani Porno versucht sich künftig als Melker – so der Name seiner neuen Band.
zvg

Vom Berner Breitsch auf die Alp? Der Name Melker lässt einiges ­offen. Doch in Richtung Ländlermusik geht es mit Mani Pornos neuer Formation definitiv nicht. Auch wenn der Bandname an Kühe und Stallgeruch erinnert, ist das Debütalbum «2–10» viel mehr im Indie-Rock und im Synthie-Pop als in der Volksmusik angesiedelt.

Während Mani Porno für ihren Lo-Fi-Gitarrentrash und subversives Mundart-Hooligan-Getöse bekannt waren, lassen Gaviões Binggis (Vocals), Oli Kuster (Synths), Fred Bürki (Drums) und Marco Loso (Gitarre und Bass) mit Melker die 80er-Jahre ihrer Jugend neu aufleben.

Gewohnt skurril

Nicht nur die rockigen, vom Schlagzeug geprägten Klänge, sondern auch die vom Synthesizer erzeugten elektronischen Töne erinnern an längst vergangene Discopartys. Mehr als einmal ertappt man sich beim Zuhören beim Mitwippen im Takt. Musikalisch gesehen ist das 45-minütige Album fast schon massentauglich, wären da nicht die eigenwilligen, abstrusen Texte in gewohnt skurriler Mani-Porno-Manier.

In den zehn Mundarttracks wird so beispielsweise von einer «Frou chaut wi Is», einem «Schiazug» oder von Robin Hood, der in Breitsch und Lorraine sein Unwesen treibt, erzählt. Die Stadt Bern ist auf «2–10» ebenso präsent wie Frauen, lustige Alltagsgeschichten und ein Hauch zarter Poesie. Eine gewagte Mischung also, die zwar locker flauschig daherkommt, aber beim genaueren Hinhören dennoch hie und da einen Denkanstoss gibt.

Doch schon im nächsten Moment drehen Melker den Spiess wieder um und treiben es zum Beispiel mit den beiden Nicht-Mundarttracks «Vide» und «Reality» auf die Spitze. In nicht ganz akzentfreiem Französisch und Englisch singt sich Frontmann Binggis mit verschlafen-verrauchter Stimme zwischendurch ins Off. Doch ­immerhin runden diese beiden Songs Melkers Ausflug nach Absurdistan, sozusagen als Sahnehäubchen des Albums, schön ab.

Zum Schluss – wie könnte es anders sein – schaffen es auch die guten alten Zeiten auf die Platte: Der letzte Song von Melkers ­Debüt «Du kennsches» erzählt von einem Pornostar und kann durchaus als nostalgischer Rückblick auf die Mani-Porno-Zeiten verstanden werden.

Hidden Matter

Doch auch der richtige Mani, Matter, kommt nicht zu kurz. Ihm ist nämlich der Hidden Track «Was weiss ig» gewidmet, mit dem Melker einen altbekannten Mani-Matter-Song neu beleben. Wie hiess es einmal vor Jahren in einem Interview so schön: «Mani ist denn auch das Positive in unserem Namen, Porno das Negative.»

An dieser Kombination von Gegensätzen hat sich auch unter neuem Namen und in neuer Formation nicht viel geändert. So bleibt eigentlich nur noch, mit Spannung die Plattentaufe im Berner ISC am Freitag und tags darauf das Konzert im Thuner Mokka abzuwarten. Wer weiss, vielleicht entführen Melker das Publikum dann doch noch auf eine abgelegene Alp.

Melker: «2–10» (Equipe Music). Konzerte: Freitag, 10. 3., 21 Uhr, ISC Bern. Samstag, 11. 3., 21 Uhr, Café Mokka, Thun.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch