Wie ein Aarespaziergang

Eleganter, englisch gesungener French Pop aus Bern? Ja, den gibt es. Sisters Rodeo heisst die Band, «Troubleshooting» das Album.

<b>Wiedersehen auf der Bühne:</b> Sandro Rätzer mit seinen alten Bandkumpanen von Captain Frank.

Wiedersehen auf der Bühne: Sandro Rätzer mit seinen alten Bandkumpanen von Captain Frank.

(Bild: PD)

Martin Burkhalter@M_R_Bu

Sandro Rätzer erklärt es so: «Bis zum siebten Lebensjahr sprach meine Mutter nur Italienisch mit mir. Meine Frau ist Französin. Mit den Kindern sprechen wir Deutsch und Französisch. Ich bin deshalb nicht so richtig im Berndeutschen verwurzelt.»

Und sowieso finde er es persönlich schwierig mit der hiesigen Mundart – gerade in der Rock- oder Popmusik. Die Etikettierung sei nie weit weg. Er töne immer gleich wie Kuno oder wie Mani oder wie Büne – nur schlechter. Deshalb singe er Englisch.

Sandro Rätzer? Aber ja, das ist der Begründer und Co-Sänger der Coverband Captain Frank und, wie er selber es nennt, «Ex-Lebensabschnittsmitmusiker» von Simon Hari, besser bekannt als King Pepe. Früher verbesserten sie gemeinsam als Captain Frank etwa Britney-Spears-Songs, zuletzt gar die «berühmtesten Schlager» aus der Klassikgeschichte wie Vivaldi, Beethoven, Bach. Doch das ist vorläufig vorbei.

Er nennt sie Sofatapes

Obwohl der 42-jährige Rätzer sich als die typische Bandperson beschreibt, hat er seit sieben Jahren sein eigenes musikalisches Projekt. Sisters Rodeo heisst es. Als Duo gemeinsam mit Patrik Zeller – auch so ein Berner Tausendsassa, Musiker und Theatermusiker, Komponist und Produzent – bespielt Rätzer seit längerer Zeit etliche Gartenpartys, sonstige Feierlichkeiten und durchaus auch das eine oder andere Konzertlokal.

«Ich bin nicht so richtig im Berndeutschen verwurzelt.»Sandro Rätzer

So ist das eigene, persönliche Repertoire stetig gewachsen, Hunderte von Songs haben sich auf seinem Rechner angesammelt; ganze Lieder, manchmal nur Bruchstücke,Versuche, Experimente. Sofatapes nennt Sandro Rätzer seinen Fundus. Zwölf Stücke haben es nun auf eine Platte geschafft. Das Debüt heisst «Troubleshooting» und wird am kommenden Samstag im Berner Du Nord getauft.

Auf der Platte sind neben Patrik Zeller noch Emre Aydin am Bass und Sämi Baur am Schlagzeug zuhören. Nein, «Troubleshooting» ist kein typisches Berner Album. Es klingt weder nach Kuno noch nach Mani noch nach Büne. Und das hat herzlich wenig mit der Sprache zu tun. Es ist wohltuend anders.

Die interessantesten Songs sind irgendwo zwischen French Pop und Nouvelle Chanson zu verorten, haben dabei etwas verträumt Flanierendes an sich mit schleppenden Reggaerhythmen: der Soundtrack zu einem Aarespaziergang. Gegen Ende des Albums kommen Folkpop, schlichte Singer-Songwriter-Lieder und countryeske Stücke dazu.

Frisch, direkt, sperrig

Und mittendrin Sandro Rätzers Stimme in einem eigentümlichen Englisch, das manchmal einen derben britischen Einschlag hat, dann aber wieder nach Berner-Akzent klingt. Nur hört sich das bei ihm nicht unbeholfen, sondern frech, frisch und direkt an. Die Stimme ist unverzerrt und nicht so tief in die Musik eingebettet, wie das heute üblich ist. Gerade weil sie entblösst, ein wenig provokativ im Vordergrund liegt, hat sie etwas sympathisch Selbstgefälliges. «Das macht man heute, glaube ich, nicht mehr so», sagt Rätzer.

Wie der Gesang, so kommt auch die Musik erfrischend ungeschliffen daher, ist etwas sperrig und rau geblieben. Man hört ihr an, dass da nichts Elektronisches hineinspielt, abgesehen von ein paar Keyboardeffekten. Die Texte sind simpel und handeln, nach Sandro Rätzers eigenem Bekunden, vom Leben im mittleren Alter, wo vieles noch möglich, einiges aber auch definitiv passé ist.

Die Geschichten aus dem Zwischenraum von Familie, Bürojob und Bandraum erzählen somit auch aus Sandro Rätzers Alltag. Denn die Musik ist nur sein halbes Leben. Er arbeitet heute auch als Raumplaner in einem Berner Büro. Vor dem Geographie-Studium absolvierte Rätzer übrigens das Lehrerseminar in Thun. Simon Hari alias King Pepe sass mit ihm in derselben Klasse. So hat damals alles angefangen. Für seine Liveauftritte scharrt Sandro Rätzer Hari und die anderen Captain-Frank-Kumpane nochmals um sich.

Plattentaufe: Sa, 22.12., 22 Uhr, Du Nord, Bern.

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