Von der unerträglichen Leichtigkeit, Züri West zu covern

Am Freitagabend standen Züri West im Dachstock für einmal nicht auf der Bühne, sondern lauschten im Publikum Covers ihrer Songs von über 30 Berner Musikern.

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Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Einen Züri West Song zu covern, wird unter Berner Musiker eher vermieden.Zu sehr hat sich jede Zeile, jeder Ton im kollektiven Musikgedächtnis eingenistet. Zu gross ist der Respekt davor, an Kunos Stimme heran zu kommen. Zumal die Band selber Meister des Cover Songs ist.

Wenn jedoch der Meister höchstpersönlich seinen Segen dazu gegeben hat und sogar im Publikum stehen wird, lässt sich kein Musiker lange bitten. So geschehen am Freitagabend im Dachstock. Über 30 Musikerinnen und Musiker waren der Einladung des Berner Schlagzeugers Christof Jaussi gefolgt, 35 Jahre nach Gründung, der Band einen Abend lang Tribut zu zollen.

Und, dass die Musiker eine «Schissfreud», wie Kuno sagen würde, dabei hatten, sich aufs Glatteis zu wagen, war vom ersten Ton an spürbar. Das Publikum seinerseits spürte aber jeweils schnell, wem Kuno besonders gut stand. Kummerbube Simon Jäggi hatte da mit seinem Timbre in der Stimme, das ihm immer mal wieder das zweifelhafte «Du tönsch wie dr Kuno»-Kompliment einbringt, leichtes Spiel. Dass aber auch eine unaufgeregte Metalversion von «Harry Klein» das Gefühl des Song transportieren kann, bewies G-Punkt-Sänger Tobi Gurtner.

«Johnny und Mary» von Simon Jäggi. Video: Sibylle Hartmann

Züri West uf Züridütsch?

Und funktioniert Züri West auch auf Englisch? Wenn Freda Goodlett aus dem YB-Song «Your Luck will find you» macht und mit ihrer warmen Wahnsinnsstimme das ganze Publikum umarmt, zweifelsohne. Und Züri West auf Züridütsch? Klar sang auch Gigi Moto sagenhaft gut, aber das mit dem fremden Dialekt wollte nicht so recht hinhauen.

«Your Luck will find you» von Freda Goodlett. Video: Sibylle Hartmann

Die zweite Hälfte des Abends gehörte den Rappern. Während Greis, Baze und Serej wie gewohnt solide ihre Show ablieferten, hauchte Mike Egger von Jeans for Jesus mit seiner leicht nasalen Stimme dem alten Chinasky genau so viel Leben ein wie Kuno.

Eine durfte an diesem Abend natürlich nicht fehlen: Steff la Cheffe. Zum krönenden Abschluss besang sie mit ihrer unverkennbaren Nonchalance den «Güggu von Guggisberg» dermassen charmant, dass man glatt in die Rolle des «hübschen, nümme ganz jungen Huehns» hätte schlüpfen wollen. «Da chasch nüt säge», hätte Kuno vermutlich dazu gesagt. Offenbar war ihm Rolle als Zuhörer «scho rächt». Auch auf mehrmaliges Nachfragen von Moderatorin Gisela Feuz gab er sich in in der Menschenmenge aber nicht zu erkennen.

Steff la Cheffe mit «Güggu». Video: Sibylle Hartmann

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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