Unüberhörbarer Generationenwechsel in Willisau

Das Jazz Festival Willisau gehört zu den inspirierendsten Festivals mit zeitgenössischer improvisierter Musik. Arno Troxler ist dabei, das Festival zu erneuern, jedoch ohne mit der Tradition seines Onkels zu brechen.

Braucht sich nicht hinter seinem Onkel zu verstecken: Arno Troxler mit Festival-Gründer Niklaus Troxler.

Braucht sich nicht hinter seinem Onkel zu verstecken: Arno Troxler mit Festival-Gründer Niklaus Troxler.

(Bild: Keystone)

Bereits zum dritten Mal organisiert Arno Troxler das Willisauer Festival. Kein leichtes Erbe, nachdem sein Onkel Niklaus Troxler das Festival gegründet, ihm 35 Jahre lang seinen Stempel aufgedrückt und es zu internationalem Ansehen geführt hat.

Arno Troxler ist angetreten, das Festival zu erneuern. Das ist ihm, so viel lässt sich sagen, gelungen. Zwar hat er mit der Tradition nicht gebrochen, Kontinuität ist auch ihm ein Anliegen, was beispielsweise die heurigen Engagements des 61-jährigen Gitarristen Bill Frisell und des 57-jährigen Drummers Gerry Hemingway beweisen.

Dennoch, unübersehbar und unüberhörbar ist der Generationenwechsel auf der Bühne der Festhalle. Das Spektrum der Musik ist weiter, der Sound rockiger geworden, die Elektronik nimmt breiteren Raum ein. Dabei erfolgt die Programmierung auf hohem Niveau sehr gezielt und sehr persönlich – mit diesem Erfolgsrezept machte schon Niklaus Troxler dieses Festival so unvergleichlich.

Auftakt mit Dimlite

Zum Auftakt spielt in diesem Jahr der Berner Oberländer Dimitri Grimm (Dimlite) mit dem Schlagzeuger Julian Sartorius. Grimm hat sich mit seiner Elektronik weltweit einen Namen gemacht (seine Tracks erscheinen beim US-Label Now Again), doch in der Schweiz kennt man ihn wenig. Dieses Manko will Arno Troxler korrigieren.

Zwei amerikanische Formationen, die in diesem Jahr in Willisau zu hören sind, zeigen die Bandbreite. Da ist einerseits der 37-jährige Pianist Jason Moran, der ganz klar in einer aktualisierten Jazztradition steht. Und anderseits die Gruppe These Arches des jungen Schlagzeugers Ches Smith, die an der Schnittstelle von Rock und Jazz experimentiert.

Neuland erschliessen exemplarisch auch Schweizer Bands. Da ist zum einen das von Roberto Domeniconi und Florian Götte gegründete «zirkumpolare Jazzorchester» Der Grosse Bär mit 23 teils renommierten Musikern (u. a. Peter Schärli, Harald Haerter, Fredy Studer, Marc Unternährer, Christian Weber).

Verjüngung des Publikums

Für eine andere Ausweitung des Spektrums in Willisau sorgt zum andern «Hildegard lernt Fliegen». Das Sextett zwischen Jazzrock, Zirkusmusik und Oper plant gemäss Programmankündigung einen «theatralischen Anschlag auf das Musikverständnis, eine Dada-Party». Oder mit andern Worten: «Die Rettung der Kunst vor sich selbst.»

Diese Aufzählung ist fragmentarisch und zufällig. Die andern Formationen, die in diesem Jahr auftreten, sind nicht weniger interessant, nicht weniger anregend. Die Reise nach Willisau lohnt sich in jedem Fall.

Zu hoffen wäre, dass sich das auch bei Musikliebhabern herumspricht und der Generationenwechsel nicht nur auf der Bühne, sondern auch beim Publikum gelingt. Erosion und Abwanderung hatten bereits in der Ära Niklaus Troxler eingesetzt. Arno Troxler gelang es im letzten Jahr zumindest, den Rückgang zu stoppen. Schön wäre es, er könnte den Trend jetzt wenden.

dj/sda/Meinrad Buholzer

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