Schweizer Trio schnuppert Country-Luft

Die Zeit sei reif für neue Musik, finden Kisha, Reto Burrell und Nori Rickenbacher. Die drei Schweizer Musiker verbinden New Country mit Mundart, nennen sich C.H. und veröffentlichen am Freitag ihr erstes Album «Country Helvetia».

Ein Leadsänger, eine Leadsängerin und ein Gitarrist, so sieht das Rezept von C.H. aus: Nori Rickenbacher, Kisha alias Brigitte Kobel und Gitarrist Reto Burrell (von links).

Ein Leadsänger, eine Leadsängerin und ein Gitarrist, so sieht das Rezept von C.H. aus: Nori Rickenbacher, Kisha alias Brigitte Kobel und Gitarrist Reto Burrell (von links). Bild: zvg

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Sechs Jahre war es still um die Flamatter Popsängerin Kisha alias Brigitte Kobel (32). «Es ist kein Geheimnis, dass es mir eine Zeit lang nicht gut ging», sagt sie. Ziemlich zurückhaltend wirkt die zierliche Blondine. Nicht so Bandkollege Reto Burrell (38). Der Nidwaldner Songwriter und Gitarrist sprüht vor Begeisterung, wenn er über C.H. spricht, der Band, die er, Kisha und der Schwyzer Sänger Nori Rickenbacher (38) gegründet haben.

Vor drei Jahren, als Burrell im amerikanischen Nashville weilte, war die zündende Idee plötzlich da: Die Mischung aus New Country – einem neueren, poppigen Country – und Mundart könnte die Schweizer Musikszene aufmischen. Gemäss dem Vorbild aus Nashville, Lady Antebellum, sollte die neue Band zwei Frontsänger haben: eine Frau und einen Mann. Burrells Idee fand bei Nori Rickenbacher Anklang. Die beiden suchten nach der Frau und stiessen auf Kisha.

Druck lastet auf drei Schultern

Diese hatte sich seit ihrem letzten Album 2005 mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. «Das Ziel, wieder auf der Bühne zu stehen, habe ich nie aufgegeben.» Sie klapperte Plattenfirmen ab, erhielt Absagen, unterschrieb einen Vertrag und annullierte ihn wieder, weil «das Gefühl einfach nicht stimmte». Mit C.H. ist das anders: «Ich kann mit vollster Überzeugung hinter der Band stehen», sagt Kisha. Sie empfindet die Situation, in einer Band zu spielen, als befreiend. «Zuvor lastete aller Druck auf mir alleine», sagt sie.

Geschichten statt Texte

Die Tracks des Debütalbums hat das Trio gemeinsam gebastelt. «Im New Country werden keine Texte gesungen, sondern Geschichten erzählt», erklärt Burrell. Das wollten C.H. ebenso übernehmen wie die musikalische Umsetzung mit Banjos und Fiddles. Die Zusammenarbeit zwischen den drei Musikern klappte: C.H. haben einen Plattenvertrag in der Tasche und veröffentlichen am Freitag ihr Debüt «Country Helvetia».

Einen ersten Versuch vor Publikum startete das Trio am letztjährigen Schweizer Finale des Eurovision Song Contest. Mit dem Song «Gib nid uf» – der erste auf dem neuen Album – erhielten sie jedoch den Zuschlag vom Schweizer Publikum nicht.

Vier von zehn sind Covers

Aufgeben stand nicht zur Diskussion. Das Album, Teile davon entstanden in Nashville, lebt von eingängigen, mitreissenden Melodien, die schon nach einmaligem Hören hängen bleiben. Kishas Stimme klingt erwachsener und passt zum poppigen Countrystil wie auch zu ihrem Gesangspartner Nori Rickenbacher.

Die für den New Country charakteristischen Fiddles haben C.H. nur sehr dezent eingesetzt, was schade ist, denn sie würden das neue Album stärker vom gängigen Mundartpop abheben. Vier der zehn Tracks sind Covers von englischen Songs, einer stammt von Jewel, ein anderer von Burrells eigenem Soloalbum. Die Texte haben die drei Zeile für Zeile aus dem Englischen ins Schweizerdeutsche übersetzt.

In manchen Stücken, gerade in «Gib nid uf», ist der frische Esprit des helvetischen New Country, den C.H. versprühen wollen, zu spüren. Noch zieht sich aber die Aufbruchstimmung nicht durch das ganze Album. Annina Hasler

C.H.: «Country Helvetia», EMI. Erscheint am Freitag, 25.November. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.11.2011, 11:03 Uhr

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